Schlieren
Die richtige Garstufe führt zum Erfolg – Grillmeisterschaft auf dem Goldschlägiplatz

An einer international besetzten Grillmeisterschaft auf dem Goldschlägiplatz dreht sich alles ums Fleisch. Nur ein kleiner Teil vom Gegrillten wurde für die Juroren benötigt. Am Rest taten sich die Gäste gütig.

Christoph Merki
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Grillmeisterschaft Schlieren 2018
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Gross war die Freude bei der Rangverkündigung: Das Westside BBQ Team hat beim Chicken-Gang den ersten Preis abgeräumt.
Als bestes Schweizer Team in der Gesamtwertung hat sich das Good Old BBQ Team aus Baden mit Francine Maerten und Adriano Stutz die Einladung an den renommierten Jack Daniels Wettkampf erbrutzelt.
Das Pulled-Pork Resultat vom Gecko BBQ Paar mundete der Jury – mit dem fünften Platz sprang dabei sogar ein kleines Preisgeld heraus.
Auf der Suche nach seinem saftigsten Rippchenstück zerteilt ein Mitglied des Italian Style BBQ Teams seine Rackets fachmännisch.
Die Besucher nutzten die das Angebot der Teilnehmer und liessen sich auf das Geschmackserlebnis ein, das Fachsimpeln mit den Grilleuren durfte natürlich auch nicht fehlen.
Smoke Am Foodmarkt waren auch lokal ansässige Geschäfte vertreten und lockten mit schmackhaften Häppchen für zwischendurch.
Auf der Suche nach seinem saftigsten Rippchenstück.
Zahlreiche Besucher auf dem Goldschlägiplatz in Schlieren genossen am Sonntag die Herbstsonne und die kulinarischen Verführungen inmitten des Foodmarktes.
Routiniert schnitt Dennis Amende, welcher zusammen mit seiner Frau Fabienne als Gecko BBQ Team startete, die besten Stücke für die Jury zu.
Beruflich bei der Bahn und im Verkauf tätig zelebrierten Peter Bräcker (l.) und Ralph Keller die hohe Grillkunst – konnten jedoch die Jury nicht überzeugen.
Das Dragon BBQ Competition Team aus Deutschland hat seine «Smoker» als alten Ölfässern selbst hergestellt.
Unter den wachsamen Augen der Teammitglieder (v.r.n.l.) David Kegele und Heiko Blumentritt kreierte Eddie Stern sorgfältig die Präsentationsbox für die Juroren.
Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Musikerinnen und Musiker der Pantaloni Steelband und überbrückten die Wartezeit bis zur Rangverkündigung.

Grillmeisterschaft Schlieren 2018

Christoph Merki

Wer ist der wahre Grillmeister? Das war die grosse Frage, die sich diesen Sonntag auf dem Goldschlägiplatz in Schlieren stellte. Dort ging die erst dritte Grillmeisterschaft nach den Regeln der Kansas City Barbeque Society (Kcbs) in der Schweiz – und die erste in Schlieren – über die Bühne.

Insgesamt 20 Teams aus der Schweiz, Deutschland, Italien und den Niederlanden heizten ihre Smoker ein und versuchten den perfekten Garpunkt zu treffen. Dabei stand das Fleisch im Vordergrund, Beilagen wie an anderen Wettkämpfen waren nicht gefragt. Jeweils vier Gänge verkostete die Jury. Angefangen mit Hühnchen über Spareribs und Schweineschulter bis zu einem edlen Stück Fleisch von der Rinderbrust.

Nicht selten liessen die Teilnehmer ihre verführerisch duftenden Leckerbissen mehrere Stunden schmoren und garen. «Ich habe um fünf Uhr eingeheizt», erklärte Peter Bräcker vom World Barbecue Team Switzerland. Zusammen mit Ralph Keller reist er jeweils den Wettkämpfen nach. «Wir waren schon am Jack Daniels World Championsship», sagte er und fügte doch ein wenig stolz an, «da kann man nur auf Einladung teilnehmen.» Auf ihren Reisen haben die beiden Grillprofis schon eine Menge Erfahrung sammeln können. «Wir versuchen, bei den ersten zu sein, die der Jury die Kostproben abliefern», meinte Bräcker verschmitzt. «Das ist unsere Taktik.»

17 Kilo Fleisch mitgebracht

Bewertet wurden die fachmännisch zubereiteten Grilladen nach strengen Richtlinien, abgeschirmt von den Teilnehmern. «Wir benutzen ein doppelblindes Verfahren», sagte Eva Schnöll, eine von zwei Vertretern der Kcbs-Vereinigung. Keiner der Juroren weiss bei der Verkostung, welches Team für die leckere Zubereitung verantwortlich ist und kein Teilnehmer erfährt, wie viele Punkte die einzelnen Juroren vergeben haben. «Wir sind eine richtige Familie», erklärte Schnöll. «Dieses System hilft, die familiäre Atmosphäre zu erhalten.»

Nicht nur der Geschmack und der Gargrad wurden mit Punkten auf einer Skala zwischen 2 und 9 bewertet, auch der visuelle Eindruck spielte für das Gesamtergebnis eine tragende Rolle. Entsprechend wurde schon beim Anrichten in den kleinen Styroporboxen auf die Präsentation Wert gelegt. Mit grosser Sorgfalt platzierte etwa Eddie Stern vom BBQ Langhorn Austria die Kalbsbruststreifen auf das vorbereitete Petersilienbett. «Es ist Hobby und Leidenschaft gleichzeitig», sagte er. «Andere spielen Golf, wir machen Barbecue.» Ganz billig sei diese Freizeitbeschäftigung nämlich nicht, hätten Sie doch rund 17 Kilogramm Fleisch mit an den Wettbewerb genommen. Nur ein kleiner Teil davon werde für die Juroren benötigt, jedoch könnten so die besten Stücke ausgewählt werden. Davon profitierten die Gäste, die bei den verschiedenen Teilnehmern grosszügig probieren durften. «Man merkt, dass sie es im Griff haben», urteilte Jeannine Weber aus Dietikon beim Degustationsrundgang. Auch Tanja Scharr zeigte sich bei der Verkostung der Rinderbrust entzückt: «Sie ist sehr würzig und fein, auf den Punkt gegart.»

Initiiert wurde der fleischige Genuss von der IG Rietbach und der Detaillistenvereinigung PRO Schlieren. Deren Präsident, Philipp Locher, war massgeblich an der Realisierung beteiligt. Locher wollte damit dem Quartier ein wenig Leben einhauchen. Mit dem Besucheraufmarsch zeigte er sich äusserst zufrieden, auch der am Samstag abgehaltene Tag der offenen Türen bei den anliegenden Geschäften sei ein Erfolg gewesen.

Für die zahlreichen ausländischen Teilnehmer an der Grillmeisterschaft sei sicherlich auch die doch eher hohe Preisgeldsumme von 10 000 Franken ein Anreiz gewesen, vermutete er. Den Gesamtsieg, der mit 4600 Franken dotiert war, haben sich die Parkstad Smokers aus den Niederlanden gesichert. Als bestes Schweizer Team wurden Francine Maerten und Adriano Stutz aus Wohlen ausgezeichnet und erhielten von den offiziellen Kcbs-Vertretern die Einladung für den begehrten «Jack Daniels World Championsship» überreicht. Während Maerten eine berufliche Vergangenheit in der Gastrobranche hat, arbeitet Stutz als Architekt.