Kommentar
Die Revolution ist noch nicht am Ziel

In Zürich greift nur noch ein Viertel der Bevölkerung aufs Auto als Hauptverkehrsmittel zurück.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Die Zahlen, aus dem alle fünf Jahr vom Bund erhobenen Mikrozensus Verkehr, ergeben, dass der Anteil der öffentlichen Verkehrsmittel auf 41 Prozent stieg. (Themenbild)

Die Zahlen, aus dem alle fünf Jahr vom Bund erhobenen Mikrozensus Verkehr, ergeben, dass der Anteil der öffentlichen Verkehrsmittel auf 41 Prozent stieg. (Themenbild)

KEYSTONE

Die Erkenntnis ist nicht ganz neu: In einer Stadt wie Zürich ist das Auto nicht mehr das gefragteste Verkehrsmittel, um von A nach B zu kommen. War der motorisierte Individualverkehr (MIV) im Jahr 2000 noch für 40 Prozent der Stadtzürcher das bevorzugte Fahrvehikel, so ist sein Anteil inzwischen auf 25 Prozent gesunken. Markus Knauss vom VCS Zürich spricht deshalb von einer «Revolution im Verkehr», die wir erleben. Das Spannende daran: Es ist eine Revolution von unten. Das Volk von Zürich hat darüber nicht nur mit seinem Abstimmungs- und Wahlverhalten entschieden, indem es seit 1990 rot-grün dominierte Stadträte installierte und unter anderem 2011 die Städteinitiative guthiess, die eine deutliche Reduktion des MIV-Anteils verlangt. Noch entscheidender war, dass es parallel dazu sein Mobilitätsverhalten änderte: Immer mehr stiegen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel und das Velo um, begünstigt von einer selbst gewählten Politik, die dies förderte.

Doch die Revolution ist noch nicht am Ziel. Gerade Velofahrende sehen sich in Zürich immer noch mit Situationen konfrontiert, in denen Velowege plötzlich unterbrochen sind, ganz aufhören oder zu schmal sind. Hier muss der Stadtrat nachbessern. Dennoch: Das Beispiel Zürich zeigt, dass Auswege aus dem viel beschworenen Verkehrskollaps möglich sind. Und dass die Wirtschaft keineswegs zusammenbricht, wenn das Auto im städtischen Raum seine privilegierte Stellung ein Stück weit einbüsst. Von dieser Erkenntnis können auch Gemeinden in der Agglomeration profitieren, wenn sie wollen.