Grosse Umwälzungen im Schlieremer Stadtrat: Vier der sieben Ressorts werden in der anstehenden Legislatur neue Ressortvorsteher haben. Dies geht aus der Konstituierung der Exekutive hervor, die sie am Montag vorgenommen hat. Im Vorfeld stand einzig die Position von Markus Bärtschiger (SP) als Stadtpräsident fest. Der bisherige Bauvorstand beerbt seinen Parteikollegen Toni Brühlmann-Jecklin.

Was bereits im Vorfeld vermutet wurde, bestätigt sich nun. Als einziger Bisheriger – mit Ausnahme des neuen Stadtpräsidenten – wird Stefano Kunz (CVP) das Ressort wechseln. Der Vorstand für Werke, Versorgung und Anlagen beerbt Bärtschiger als Bauvorstand. «Dieses Ressort steht vor grossen Herausforderungen, etwa mit dem regionalen Richtplan und der Stadtentwicklung generell. Diese Themen interessieren mich stark», sagt Kunz auf Anfrage. Zudem seien sein bisheriges und sein künftiges Ressort eng miteinander verknüpft. Er amtete in der vergangenen Legislatur als Vize Bärtschigers. «Eine meiner Stärken ist es, eine übergeordnete, vernetzte Sichtweise einnehmen zu können. Dies wird mir im Ressort Bau und Planung zugutekommen.» Schweren Herzens verlasse er die Werkabteilung, mit der er anfänglich, als er vor vier Jahren neu in die Exekutive gewählt wurde, gehadert habe. «Doch lernte ich, dass es sich um ein wunderbares Ressort handelt, das nahe an der Basis ist und viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet», so Kunz.

Die Werke übernehmen wird der neu ins Gremium gewählte Andreas Kriesi (GLP). «Mit meinem beruflichen Hintergrund als ehemaliger Projektleiter Industrieanlagen ein sehr gutes Ressort für den Einstieg in den Stadtrat», sagt er auf Anfrage. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen und werde sich nun erst einarbeiten. Besonders beim Spielplatz-Konzept handelte es sich in jüngster Zeit um ein viel beachtetes Dossier mit Kunz’ Handschrift. «Spielplätze liegen auch mir am Herzen und ihre Aufwertung ist wichtig», sagt Kriesi.

Wie Kriesi ist auch Pascal Leuchtmann von der SP neu im Stadtrat. Er übernimmt das Ressort Sicherheit und Gesundheit. Zuvor war dieses dem abgewählten Pierre Dalcher (SVP) unterstellt. Leuchtmann ist zufrieden: «Ich hatte eine Wunschliste, auf der jedes Ressort zu finden war – ausser natürlich das Präsidium», sagt er. Auf die Arbeit mit dem neuen Stadtrat freue er sich sehr. Ihm sei es wichtig, dass die Verwaltung ganz klar als Dienstleisterin wahrgenommen werde. Zwar habe er noch keine konkreten Pläne, doch würden sich möglicherweise im Stadtbüro Veränderungen abzeichnen, sodass dieses noch nutzerfreundlicher werde. «Bezüglich der Öffnungszeiten und der geringen Diskretion an den offenen Schaltern nahm ich bereits Kritik aus der Bevölkerung wahr.»

Bei den verbleibenden drei Magistraten bleibt alles beim Alten. Manuela Stiefel (FDP) steht auch die kommenden vier Jahre dem Ressort Finanzen und Liegenschaften vor. Zudem übernimmt sie das Amt der ersten Vizepräsidentin von Markus Bärtschiger. Ihre Parteikollegin Bea Krebs bleibt Vorsteherin Bildung und Jugend. Der amtsälteste Stadtrat, Christian Meier von der SVP, bleibt Alters- und Sozialvorstand. Zudem wird er zweiter Vizepräsident.
Wie zufrieden sind die Mitglieder des neuen Stadtrates mit ihren zugeteilten Aufgaben? Oder verhielt es sich ähnlich wie beim Zürcher Stadtrat, in dem mit Filippo Leutenegger (FDP) und Richard Wolf (AL) auch unzufriedene Stimmen laut wurden? So wie beim Nachbar Zürich sei es sicher nicht, sagt Markus Bärtschiger. «Es konnte aber nicht jeder Wunsch erfüllt werden», räumt er ein.

Fünf A4-Seiten gefüllt

Abgelaufen sei es so: Bärtschiger besprach im Vorfeld mit den Bisherigen deren Präferenzen. Zu einem späteren Zeitpunkt kamen die neuen Stadträte an den Diskussionstisch und auch sie konnten ihre Wünsche äussern. «Dabei wurden viele Aspekte wie etwa persönliche Stärken und Interessen, aber eben auch Wünsche mit einbezogen», so Bärtschiger. Darüber hinaus habe die Einteilung auch eine mathematische Dimension angenommen. «Denn mit dem Einsitz in Zweckverbänden, Vertretungen in Kommissionen und Stellvertretungen anderer Stadträte wird die Verteilung sehr rasch zu einer Aufgabe vergleichbar mit einem Sudoku», sagt Bärtschiger. Schliesslich resultierten daraus fünf A4-Seiten, auf denen sämtliche Behörden-Personalien geregelt sind. Diese brachte Bärtschiger am vergangenen Montag in die erste Sitzung des Stadtrats als dessen Vorsteher.

Gross habe sich seine erste Sitzung als Präsident nicht von seinen bisherigen unterschieden, sagt Bärtschiger. «Ich sitze nun an einem anderen Ort am Holztisch im Stadtratszimmer.» Im Leiten von Sitzungen bringe er aus anderen Gremien Erfahrung mit. «Man muss sich mehr auf die anderen Gremiumsmitglieder konzentrieren, um ihnen allenfalls das Wort zu geben oder zu entziehen», so Bärtschiger.