Dietikon
Die reformierte Uhr ist immer schneller als die katholische

«Brücken bauen» – das ist das erklärte Ziel der Dialoggruppe Christentum-Islam Dietikon. Auf einem Stadtrundgang zu drei verschiedenen religiösen Stätten in Dietikon war viel Wissenswertes über die Religionen dieser Stadt zu erfahren.

Kathrin Fink
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Einst teilten sich Reformierte und Katholiken die St. Agathakirche in Dietikon.
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Organist Bernhard Hörler gibt eine Kostprobe.
Unterwegs zur reformierten Kirche.
Beim Taufstein der reformierten Kirche Dietikon.
Dialoggruppe Christentum-Islam Dietikon führt durch die Stadt
Der Präsident der islamischen Gemeinschaft, Cengiz Yükseldi, erläutert die Moschee.
Cengiz Yükseldi erklärt die Moschee.

Einst teilten sich Reformierte und Katholiken die St. Agathakirche in Dietikon.

Kathrin Fink

Zwei Führerinnen des Stadtvereins und die Integrationsbeauftrage Priska Alldis begrüssen die Besucher um halb zehn auf dem Marktplatz vor dem Märtkafi. Die erste Station der Tour ist die katholische St. Agathakirche gleich neben dem Marktplatz. Stadtführerin Daniela Wirth bleibt kurz vor der Kirche stehen und beschreibt die Geschichte des pompösen Baus. Nach der Reformation wurde die Kirche zu einer Simultan-Kirche, das heisst, Katholiken und Reformierte mussten sich das Gemäuer teilen. «Dies ging nicht immer ohne Probleme», sagt Daniela Wirth. Die Katholiken überzogen gerne ihre Zeit und die Reformierten mussten draussen warten. «Es ist überliefert, dass die Reformierten dann draussen zu singen anfingen, um zu zeigen, wir sind auch hier.»

Im Innern empfängt Organist Bernhard Hörler die Gruppe. Er gibt detailliert Infos zur Orgel und ihren verschiedenen Pfeifen und spielt auch gleich noch eine Kostprobe seines Repertoires für die Feierabendmusik am nächsten Freitag.

Die Räume der Moschee dienten früher als Arbeiter-Garderoben

Weiter gehts in die Dietiker Moschee an der Bergstrasse 23a. An der Tür des unscheinbaren, blockartigen Gebäudes begrüsst der Präsident der islamischen Gemeinschaft, Cengiz Yükseldi, die Gruppe. Dann heisst es Schuhe ausziehen und die Räume der Moschee, die früher als Arbeiter-Garderoben dienten, zu betreten. Dass in allen Räumen roter Teppich ausgelegt ist, freut vor allem einen kleinen Jungen, der mit seinen Purzelbäumen und quiekenden Geräuschen ohne kulturelle Hemmung durch die Moschee tollt.

Cengiz Yükseldi erklärt, dass es die Moschee schon seit zwanzig Jahren gibt, in welche Richtung die Gebetsteppiche zeigen müssen, wann ein Gebet freiwillig und wann es Pflicht ist.

Gemeindemitglieder ersetzen den Imam

Die Moschee finanziert sich zu hundert Prozent selbst. Die Mitgliederbeiträge reichen jedoch nicht einmal, um die Miete der Räume zu bezahlen. Deshalb veranstaltet die islamische Gemeinschaft regelmässig Basare, an denen türkische Gerichte und Gebäck verkauft werden.

Auch einen Imam kann sich die Gemeinschaft nicht leisten. Diese Aufgabe teilen die Mitglieder unter sich auf: «Es muss einfach jemand sein, der den Koran kennt und gut vorlesen kann», erklärt Yükseldi.

Die letzte Station ist die reformierte Kirche an der Sonneggstrasse. Sigrist Willi Karrer empfängt die Gruppe und führt sie hoch in den Glockenturm. Er erzählt, dass die Kirchenuhr 1925 von der Firma Mäder montiert wurde. Es sei eine mechanische Uhr, deshalb müsse er sie selbst im Frühling und im Herbst vor- beziehungsweise nachstellen. «Ausserdem hat sie eine kleine Mode, sie ist immer ein bisschen schneller als die katholische Uhr», sagt Keller schmunzelnd.

Der Ausklang der Führung findet in der Theateria Dietikon statt. Bei einer kurzen musikalischen Darbietung und Chips und Getränken ergibt sich noch einmal die Möglichkeit, sich auszutauschen und die eine oder andere Brücke zueinander zu bauen.