Die Verkleinerung des Parlaments ist eine Folge der zahlreichen Kirchenaustritte. Bis anhin umfasste die reformierte Synode 180 Mitglieder, neu werden es nur noch 120 sein. Die 18 Wahlkreise decken sich mit jenen für die Kantonsratswahlen. Gemäss geltender Regelung darf die Mehrheit der Vertreter eines Wahlkreises nicht im Dienste der Landeskirche oder einer Kirchgemeinde stehen.

In der Synode sind vier Fraktionen vertreten: Die evangelisch- kirchliche, die liberale und die religiös-soziale Fraktion sowie der Synodalverein. Ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Parlamenten: Vor der Wahl ist die Fraktionszugehörigkeit der Neuen nicht klar. Erst im Nachhinein entscheiden sich die Gewählten, welcher Fraktion sie sich anschliessen wollen.

Der Synodalverein ist im heutigen Parlament am stärksten vertreten. Von den bisher 57 Mitglieder treten 33 wieder an. Von der 50 Liberalen kandidieren 26 erneut, von den 46 Religiös-sozialen 19 und von den 26 Evangelisch-kirchlichen ebenfalls 19. Ein Parlamentsmitglied gehört keiner Fraktion an.

Die vier Fraktionen

Die Evangelisch-kirchliche Fraktion vertritt die Tradition der Zürcher Reformation und des pietistischen Erbes, wie die Website der reformierten Kirche erklärt. Sie anerkennt die Bibel als massgebende Antwort auf Lebens- und Glaubensfragen und unterstützt alle Schritte hin zu einer geistlichen Erneuerung.

Die Liberale Fraktion wurzelt im theologischen Liberalismus - sie lehnt jegliche Art der Fremdbestimmung ab und betont die Eigenverantwortung der Gläubigen sowie die individuelle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Fraktion setzt sich für eine lebendige Volkskirche ein, in der sich möglichst viele Menschen wohl fühlen.

Die Religiös-soziale Fraktion ist der Überzeugung, dass das Evangelium nicht nur die persönliche Sphäre betrifft, sondern auch in Wirtschaft und Politik wirksam sein muss. Sie setzt sich ein für Randgruppen, Arbeitslose, Ausgegrenzte und Flüchtlinge, engagiert sich in Frauenfragen und fördert die Rolle der Laien in der Kirche.

Der Synodalverein steht in der Tradition der «positiven Theologie». Er bejaht die offene Auseinandersetzung um ein zeitgemässes Verständnis der biblischen Botschaft. Für diese Fraktion gehört es zur Kirche, dass unterschiedliche Glaubensüberzeugungen und Erfahrungen miteinander im Gespräch stehen.

Parlament wählt Exekutive

Die Kirchensynode tritt mindestens viermal pro Jahr zusammen. Sie entscheidet über ein Jahresbudget von rund 100 Millionen Franken, wählt die Exekutive, den Kirchenrat, und ist zuständig für wichtige politische Entscheide. So debattierte und verabschiedete sie etwa in der ablaufenden Legislatur die neue Kirchenordnung.

Entsprechend den Grössenverhältnissen der Fraktionen in der Legislative setzt sich die Exekutive zusammen. Zur Zeit gehören ihr je zwei Vertreter von Liberalen, Religös-sozialen und Synodalverein sowie ein Mitglied der evangelisch-kirchlichen Fraktion an.

Die reformierte Zürcher Synode trat erstmals im April 1528 unter dem Vorsitz von Reformator Huldrych Zwingli zusammen. Während fast 400 Jahren war es eine reine Pfarrerversammlung. 1895 wurde die Synode als gemischtes Gremium für Theologen und Laien neu geschaffen.