Der Kirchgemeindepräsident Alfred Bruppacher findet klare Worte: «Der Abschied von unserer Pfarrerin Anne-Kathrin Willi fällt unserer Kirchgemeinde schwer.» Und er wisse, dass es auch für Willi selbst nicht leicht sei, sich von ihrer Gemeinde, von den vielen Menschen, denen sie hier nahe gekommen ist, zu trennen.

Das kann die Angesprochene, die acht Jahre und acht Monate in Urdorf tätig war, nur bestätigen. «Ich liebe meine Aufgabe in Urdorf, weil ich sehr geschätzt werde.» In den letzten Wochen habe sie viele Zeichen der Wertschätzung erhalten, Briefe und Geschenke. Man lasse sie sehr ungern weggehen, denn sie sei mit vollem Herzen Pfarrerin hier. Am Gemeindepfarramt gäbe es keine Aufgabe, die Willi nicht gern mache. Vielleicht ist sie deshalb auch so beliebt: «Man sagt mir, ich sei echt und authentisch.»

«Schweren Herzens entschieden»

Willi, Mutter von vier Kindern, hat nun wieder geheiratet. Ihr Mann wohnt in Bubikon bei Wetzikon. «Wenn man verheiratet ist, will man seinen Mann mehr als nur einmal in der Woche – nämlich an meinem einzigen freien Tag – sehen.» Ihr Mann besitzt in Bubikon ein grosses Haus mit grossem Garten. Sie habe ihn gebeten, nach Urdorf zu ziehen, doch dort würde er Haus und Garten vermissen. «Da steckt Wehmut dahinter», sagt die Pfarrerin. Deshalb habe sie sich schweren Herzens entschieden, wegzuziehen. «Das ist ein abrahamitischer Aufbruch, indem man das Schöne, Heimatliche und Vertraute zurücklässt und sich in eine neue Aufgabe rufen lässt.» Nun wird Willi eine 50-Prozent-Stelle im Pflegezentrum Käferberg als Spitalseelsorgerin annehmen.

Im Gemeindepfarramt Urdorf war die Seelsorge eine von vielen Aufgaben. Willi zieht einen Vergleich: «Während ich in Urdorf für einen ganzen Strauss von Rosen zuständig war, bin ich jetzt im Spital noch für eine einzelne Rose zuständig.» Dies mache ihre Arbeit weiterhin zu einer sehr wertvollen Aufgabe.

Segen für die Jugendgruppe

An der neuen Stelle wird sie unter anderem verantwortlich sein für die Langzeitpflege. Dort sind Leute untergebracht, die wegen der Einführung der Fallpauschale frühzeitig aus dem Akutspital entlassen werden und vor einer ungewissen Zukunft stehen. «Diese Leute zu begleiten, ihnen Kraft und Mut zu schenken, das ist eine von meinen Hauptaufgaben», so Willi.

Sie verlasse eine dankbare, wunderschöne, liebe Kirchgemeinde und einen idealen Pfarrkollegen, Ivan Walther: «Mit ihm hätte ich am liebsten bis zur Pensionierung gearbeitet.» Rückblickend auf ihre acht Jahre leiste die Kirchenpflege in allen Punkten hervorragende Arbeit, ebenso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Teams der Kirche, die ebenfalls sehr motiviert seien.

Der Jugendgruppe, die sich regelmässig bei ihr zu Hause getroffen hat, schenkte sie zum Abschied den Segen, den Dietrich Bonhoeffer, ein Theologe und Gegner des Nationalsozialismus, im Konzentrationslager an Neujahr 1945 geschrieben hatte. Diesen Segen findet Willi sehr wichtig: «Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.» Dieser Segen sei nun im Herzen der Jugendlichen drin: «Sie können ihn weitergebenden. Er bleibt, unabhängig von mir.» Laut Willi bedeute den Jugendlichen der Segen sehr viel, da sie wissen, dass sie die Kirche glaubwürdig erlebt haben, ebenso die Freude des Glaubens. Willi denkt, es sei ihr gelungen, sie auf ihrem Lebensweg zu stärken.

«Glaube stiftet Gemeinschaft»

Die Urdorfer Gläubigen hat sie sehr offen erlebt. «Sie kommen mit ihren Problemen und Anliegen und sind dankbar für die Zeit, die man sich für sie nimmt. Sie wissen, dass ich für sie bete und sie begleite. Manchmal nur einmal, manchmal über Jahre.» Willi spricht von der Gemeinschaft, die der Gottesdienst stiftet, aber auch von der Tischgemeinschaft danach beim Chilekafi. Wo die Menschen sich für andere einsetzen, das sei Gottesdienst im Alltag. In der Fachsprache nenne man das Diakonie und Seelsorge. «Das können alle Leute in Urdorf füreinander tun. Langfristig muss unsere Landeskirche ihre Leistungen in Diakonie und Seelsorge ausweisen wegen des Spardrucks. Da ist Urdorf sehr vorbildlich. Es ist eine sehr gute Gastgeberin unserer Landeskirche», so Willi.

Zum Schluss sagt sie noch: «Meine Aufgabe als Pfarrerin ist, Menschen auf ihrem Lebensweg zu stärken, ihnen Kraft und Hoffnung zu geben. Ich weiss, dass diese Kraft nicht von mir kommt, sondern von Jesus Christus.»

Abschiedsgottesdienst Pfarrerin Anne-Kathrin Willi: Sonntag, 18. August, 9.45 Uhr, Neue reformierte Kirche; Abschiedsfrauentreff: Donnerstag, 29. August, 14 Uhr, Neue reformierte Kirche.