Weiningen
Die Rebblüten sind am «Rebblüetefäscht» bereits wieder verblüht

Das heisse Wetter lässt die Trauben im Limmattal gedeihen. Wie andere Pflanzen sind sie heuer drei Wochen früher dran. Die erste Blüte ist bereits vorbei. Dennoch wird heute das Rebblüetefäscht eingeläutet. Die Bauern hoffen derweil auf Regen.

Katja Landolt
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Hanspeter Haug in seinem Rebberg in Weiningen. Katja Landolt

Hanspeter Haug in seinem Rebberg in Weiningen. Katja Landolt

Limmattaler Zeitung

Heute Abend startet das «Rebblüetefäscht» – dabei sind die Rebblüten an den Hängen oberhalb von Weiningen schon längst wieder verwelkt, der süsse Duft hat sich verzogen. «Traditionell blühen die Reben am Johanni, dem 24. Juni», sagt Weinbauer Hanspeter Haug, dem Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers. Dieses Jahr hätten die Reben drei Wochen Vorsprung. «Ich habe die erste Rebe am 20. Mai blühen sehen.»

Es ist der trockene Frühling, der den Reben diesen Schub verpasst hat. Bis jetzt habe die Trockenheit aber noch keine Auswirkungen auf die Reben, sagt Haug. «Die Rebstöcke haben Wurzeln bis auf vier Meter Tiefe.» In dem lehmigen Boden fänden sie genügend Feuchtigkeit. «Denen ist wohl, die Reben sind zwäg», sagt Haug. Mühe hätten höchstens Jungreben, die noch nicht so tief verwurzelt seien.

Trotzdem: Regen würde nicht schaden. «Wir haben bis jetzt erst 40 Prozent der Regenmenge verzeichnet, die für einen Frühling normal wären», sagt Haus. Langfristig gesehen hätten die Rebstöcke ein rechtes Wasserdefizit. «Einige Tage intensiven Landregens würden die Situation entschärfen.»

Hauptfeind noch wenig aktiv

Dass es den Reben gut geht, zeigt ein Blick in die langen Reihen: Saftiges, sattes Grün, kleine Trauben recken sich an ihren dünnen Gerippen vorwitzig in die Höhe. Gelbe Blätter, die auf eine Mangel hinweisen würden, muss Haug heuer suchen – in anderen, normalen Frühlingen fände man sie ab und zu.

Der Hauptfeind, der falsche Mehltau, der die Blätter befällt und mit einem weissen Pilzrasen überzieht, ist kein Thema. Das könnte sich aber schlagartig ändern, wenn es bei über 15 Grad Celsius viel Feuchtigkeit gibt. Dann könnte sich die Blattkrankheit explosionsartig ausbreiten.

In die Breite, nicht in die Höhe

Haug hat die Rebenstöcke eben gestutzt, die Schosse oben abgehauen. Die Pflanze soll nicht in die Höhe, sondern in die Breite wachsen. So machen die Blattachseln Triebe, das gibt zusätzliche Laubfläche. Damit wächst die Assimilationsfläche, die Energiezufuhr ist grösser und der Zuckergehalt steigt. In den kommenden Tagen will Haug die noch giftgrünen Träubchen von den Blättern befreien. So haben sie mehr Sonne, wachsen besser. «Ausserdem können die Trauben nach einem Regenguss besser trocknen. Ansonsten würde sich die Feuchtigkeit unter den Blättern stauen, was die Trauben für Fäulnis anfällig macht.»

Tag nicht vor dem Abend loben

Auch wenn die Aussichten auf einen Spitzenwein vielversprechend sind – Haug will den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang seien zwar gut. Aber ob die bestehen bleiben, könne erst im September gesagt werden, meint Haug. Es kann noch alles passieren, zum Beispiel bei viel zu viel Wasser. «Wenn es jetzt drei Wochen durchgehend regnen würde, würde der Vorsprung schmelzen.»