Kaum haben die Sanierungsarbeiten im Kloster Fahr begonnen, da erwartet die Handwerker bereits die erste Überraschung - zum Glück eine positive «Auf der Doppeltüre, die zum ehemaligen Schlafzimmer des Propstes führt, wurde ein Gemälde entdeckt», sagt Priorin Irene. Das Bild zeige den heiligen Petrus, wie am Schlüssel, den er in der Hand hält, zu erkennen ist. Das Bild hätten die Gebrüder Torricelli wohl in ihrer Freizeit gemalt. Von 1743 bis 1746 haben die beiden Künstler die Klosterkirche mit Fresken verziert.

Bei der Benediktinerinnengemeinschaft und dem zuständigen Architekten Castor Huser hofft man, dass auch in Zukunft die positiven Überraschungen überwiegen. Begonnen haben die umfangreichen Sanierungsarbeiten vor rund vier Wochen in der Propstei, wie Huser anlässlich einer Veranstaltung gestern erklärte. Die Handwerker seien in erster Linie damit beschäftigt, die alten Elektroanlagen zu sanieren. «Im Kloster sind noch viele Leitungen mit baumwollumwickelten Drähten vorhanden. Sie weisen daher ein hohes Brandrisiko auf und müssen dringend ersetzt werden», so Huser.

Sanfte Restaurierung der Räume

Die Sanierung der Elektroanlagen stellt für die Handwerker eine besondere Herausforderung dar. «Viele Leitungen sind durch Stuckdecken verlegt. Die neuen Leitungen sollen möglichst substanzschonend unter Putz verlegt werden», sagt Huser. Zudem müsse für jedes Zimmer eine neue Lösung gesucht werden, um die Leitungen zu verlegen. Gleichzeitig mit der Neuinstallation werde auch die vom Versicherungsamt empfohlene Brandmeldeanlage eingebaut. «Oberstes Ziel der Sanierungen ist der Schutz von Personen, Gebäuden und dem historischen Kulturgut», so Huser.

Sobald in einem Raum die Leitungen verlegt sind, wird er sanft restauriert. «An den Wänden und Decken haben wir bis zu zwölf verschiedene Farbschichten entdeckt. In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege werden wir entscheiden, welche Farbe der jeweilige Raum erhält», hält Huser fest.

Die Sanierung der Probstei wird in zwei Etappen erfolgen. In sechs weiteren Etappen werden auch die Anlagen im Konventgebäude und der Klosterkirche saniert. Auch in diesen Gebäuden müssen umfangreiche Restaurierungen durchgeführt werden. So muss beispielsweise das Deckenfresko von Torricelli aufgrund von Farbabplatzungen erneuert werden. Auch der Kirchturm weist defekten Verputz auf. «Dringend ist zudem die Restaurierung der Friedhofsmalerei, dem grössten Aussenfresko nördlich der Alpen. Die Schriften werden immer schlechter lesbar», so Huser. Man sammle derzeit historische Aufnahmen, um das Fresko nach den Vorbildern zu restaurieren.

Diese Arbeiten dauern rund drei Jahre. Sie werden mit sieben Millionen Franken veranschlagt. «Das entspricht der Summe, die bislang gesammelt wurde», sagte Huser (siehe Box). Insgesamt braucht das Kloster rund 20 Millionen Franken, 11 davon in den nächsten fünf Jahren. Nur so können auch sämtliche Nebengebäude saniert werden. Mit dem Landwirtschaftsbetrieb, der Bäuerinnenschule und dem Restaurant umfasst das Kloster insgesamt 20 Gebäude.

Für den Architekten bedeutet dies, dass er noch viele Aufgaben meistern muss. «Neben den denkmalpflegerischen Vorgaben stellt vor allem die Grösse der Anlage eine Herausforderung dar», sagt Huser. Zudem laufe der Betrieb des Klosters normal weiter.

Die Schwestern im Fahr hatten gestern Grund zum Feiern. Der Spendenbarometer steht neu bei sieben Millionen Franken. «Zu dieser nächsten Million hat die Landeskirche des Kantons Aargau 300 000 Franken beigetragen. Zudem spenden unter anderem die Gemeinden Unterengstringen, Weiningen, Oetwil, Oberengstringen, Aesch, Birmensdorf und Uitikon je fünf Franken pro Einwohner», so Priorin Irene. Zufrieden mit dem Spendeneingang ist auch Josef Bürge, alt Stadtammann von Baden und Mitglied der Begleitgruppe Planung, Finanzierung und Realisierung. «Ich bin überwältigt, wie viel Sympathie für das Kloster vorhanden ist.»