Dietikon
Die Probleme im Coiffeur-Hotspot – hohe Dichte an Friseuren sorgt für einen hohen Druck

Der Konkurrenzkampf ist gross: Im Dietiker Stadtzentrum rivalisieren 22 Friseursalons und Barbershops auf engem Raum um Kundschaft.

Cynthia Mira
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Die Coronapandemie ist für Manuela Meli herausfordernder als die grosse Konkurrenz.

Die Coronapandemie ist für Manuela Meli herausfordernder als die grosse Konkurrenz.

Cynthia Mira

Im Dietiker Zentrum prägen Coiffeursalons und Nagelstudios das Stadtbild. Harte Zahlen, wie viele es sind, gibt es nicht. Weder die Stadtpolizei noch das kantonale Amt für Arbeit und Wirtschaft führen entsprechende Statistiken. Eine Auswertung der «Limmattaler Zeitung» bestätigt aber den Coiffeur-Hotspot: In Dietikon buhlen in der Tat deutlich mehr Coiffeure um Kundinnen und Kunden als beispielsweise in der Nachbarstadt Schlieren. Im Dietiker Zentrum gibt es insgesamt 22 Coiffeure. Mitgezählt sind dabei die Barber Shops, nicht aber ein auf afrikanische Frisuren spezialisierter Coiffeur auf dem Kirchplatz. In Schlieren finden sich im Zentrum hingegen 14 Friseursalons.

Ob es sich bei der Dietiker Häufung um eine Ausnahme handelt, dazu wollte sich die Zürcher Sektion von Coiffure Suisse, dem Verband der Schweizer Coiffeurgeschäfte, nicht äussern. Auch nicht dazu, ob sich in der Branche in den Städten ein allgemeiner Wandel bemerkbar mache und sich vermehrt Lehrabgänger selbstständig machen würden. Ein Fakt ist in Dietikon aber, dass in den vergangenen Monaten mehrere Fachgeschäfte schliessen mussten. In einigen der frei gewordenen Räume sind daraufhin neue Friseure eingezogen.

Mehr Kunden dank einem besser sichtbaren Standort hat Serhat Iric.

Mehr Kunden dank einem besser sichtbaren Standort hat Serhat Iric.

Cynthia Mira

Für die Statistik der «Limmattaler Zeitung» wurde als Zentrum eine Kreisfläche mit einem Radius von 250 Metern definiert. In Dietikon wurde das Zentrum bei der Markthalle festgelegt, in Schlieren beim Stadtplatz. In Dietikon ergab sich dadurch ein Gebiet zwischen der Kreuzung Badenerstrasse und der Bergstrasse bis hin zur Kreuzung Zürcherstrasse und Poststrasse. Weiter wurde die Strecke vom Schulhaus Zentral bis zur Bahnstrasse, die zur Nötzliwiese führt, miteinbezogen. Berücksichtigt wurden auch Geschäfte in den Einkaufszentren und in allen Quartierstrassen.

Wie eine Nachfrage bei drei Geschäften im Dietiker Zentrum zeigt, hat sich die Situation für die Coiffeurbranche in den letzten Jahren verändert. Mit der wachsenden Konkurrenz wird unterschiedlich umgegangen.

Wegen Corona Preise gesenkt

Mitten in der Coronakrise ist Serhat Iric mit seinem «Coiffeur Serhat» im Dietiker Zentrum innerhalb des gleichen Gebäudes umgezogen: In den letzen vier Jahren war er im hinteren Raum des Gebäudes an der Löwenstrasse tätig, dann wurde im Frühling das vordere Lokal leer. «Wir haben diese Chance gleich gepackt», sagt er. Der Umzug habe ihm nach dem Lockdown innert Kürze zu mehr Kundschaft verholfen. Man müsse als Coiffeur sichtbar sein, ergänzt seine Frau Burcu Iric. Sie unterstützt ihren Mann in allen Belangen. Die beiden sind bei einer Zählung in ganz Dietikon auf 57 Coiffeure gekommen. Ihnen sei die grosse Konkurrenz bewusst. Ein Vorteil sei aber, dass die türkische Art, Haare zu schneiden, speziell sei. «In der Türkei lernt man das Handwerk ganz anders», sagt sie. Von solchen Friseuren gäbe es in der Stadt nicht viele. «Heute schaut man auch auf das Design und die Innenausstattung», sagt sie. Ein Coiffeursalon müsse mit der Zeit gehen, sich anpassen. Tiefe Preise zu haben, aber Qualität zu liefern, sei wichtig. «Wir haben unsere Preise angepasst, weil viele Personen gerade wegen der Coronapandemie ein kleineres Budget haben, um sich die Haare färben zu lassen», sagt sie. Es sei wichtig, auch diese Kundschaft abzuholen.

Keine Chance ohne Bekannte

Rajana Diallo führt den Coiffeursalon an der Florastrasse in Dietikon. Vor zehn Jahren hatte sie sich kurz nach ihrer Lehre selbstständig gemacht. Sie sei von der hohen Anzahl anderer Friseure in der Stadt nicht direkt betroffen: «Es ist zwar eine Tatsache, dass in den letzten Jahren einige neue Lokale hinzugekommen sind, aber für mich spielt das nicht so eine grosse Rolle», sagt sie. Besonders jene Friseursalons, die mit sehr tiefen Preisen eingestiegen seien, hätten zugenommen. «Derartige Preise, die für einen Haarschnitt verlangt werden, kann man als Selbstständige aber gar nicht anbieten. Wir haben keine Chance», sagt die 32-Jährige. Sie lege den Fokus vermehrt auf ihr Angebot in der Maniküre. «Ich versuche Neukunden zu gewinnen, die sich künstliche Nägel machen wollen», sagt sie. Das rentiere mehr. Als Coiffeuse könne sie auf Stammkunden zählen. «Ich bin verwurzelt in der Stadt Dietikon und hier aufgewachsen», sagt sie. Diese Nähe sei wichtig. «Wenn man insbesondere am Anfang nicht auf einen Verwandten- und Bekanntenkreis zurückgreifen kann, dann ist es auf jeden Fall schwierig, sich mit einem Salon in Dietikon etablieren», sagt sie. Als Mutter und mit Wohnsitz in Dietikon sei ihre Tätigkeit als Coiffeuse für sie ideal.

Bauen auf treue Kunden

«Coiffeursalons sind wie Pilze aus dem Boden geschossen», sagt Manuela Meli. Sie führt den «Coiffure Hair Shop» beim Kronenplatz. Seit 1989 ist sie dort tätig, seit 20 Jahren führt sie ihn. «Geht in Dietikon ein Geschäft zu, quartiert sich heute in den leeren Räumlichkeiten rasch ein Nagelstudio, ein Imbiss oder eben ein Coiffeur ein», sagt sie. Dies sei früher nicht so gewesen, sagt Meli.Einen Grund für diese Entwicklung sieht sie darin, dass die Hürden für den Schritt in die Selbstständigkeit tief seien. «In der Schweiz kann man ohne Meisterprüfung und auch ohne Ausbildung einen Friseursalon eröffnen», sagt sie. Die Konkurrenz sei trotz der hohen Anzahl an Coiffeuren für sie aber nicht allzu gross. «Viele der neuen Lokale bedienen Kunden, die uns in den Jahren zuvor nicht aufsuchten», sagt sie. Sie habe treue Kunden, die sie seit vielen Jahren begleite. Für sie sei die Bewältigung der Coronapandemie weitaus schwieriger. «Wir mussten für eine Mitarbeiterin eine andere Stelle finden, weil es finanziell nicht mehr ging», sagt sie. Sie verstehe nicht, wie man mit 20 Franken pro Haarschnitt ein Geschäft führen könne. Das bringe sie bisweilen in Erklärungsnot bei ihren Kunden. Die Rechnung würde bei den Lohnzahlungen und der Miete schlicht nicht aufgehen