Handball

Die Premiere endete beim Doktor: trotz Blessur hat Dylan Brandt eine grosse Zukunft vor sich

Nach seinen Anfängen beim HC Berikon und beim HC Dietikon-Urdorf spielt Dylan Brandt nun in der Nationalliga A.

Nach seinen Anfängen beim HC Berikon und beim HC Dietikon-Urdorf spielt Dylan Brandt nun in der Nationalliga A.

Handballer Dylan Brandt (19) hat bei NLA-Klub Suhr Aarau unterschrieben und trotz aktueller Blessur eine grosse Zukunft vor sich.

Am vergangenen Sonntag war es soweit: Dylan Brandt, früher Junior beim HC Dietikon-Urdorf, rückte für den verletzten Stammspieler Tim Aufdenblatten nach. Der 19-jährige Rückraumspieler spielte beim 28:22-Sieg gegen GC Amicitia ab der 15. Minute für die Aargauer. «Ich freue mich auf die Partie», meinte Brandt vor dem Anpfiff. Nach den 60 Minuten resümierte er: «Es ist mir sehr gut gelaufen. Solange ich spielen konnte.» Zehn Minuten vor Schluss musste er angeschlagen vom Feld, nach einem harten Zweikampf bereitete ihm die eine Schulter grosse Schmerzen. Nach einer ersten Arztvisite stand am Dienstag eine MRI-Untersuchung an, die Schwere der Verletzung war gestern bei Redaktionsschluss noch unklar.

Zurück zum Spiel gegen GC Amicitia: Brandt kam in der ersten Halbzeit hauptsächlich im Angriff zum Einsatz und erzielte nach 28 Minuten den Treffer zur zwischenzeitlichen 15:9-Führung. Nach dem Seitenwechsel und bis zu seiner Verletzung spielte er auch noch in der Defensive. Misha Kaufmann, Trainer beim HSC Suhr Aarau, hält grosse Stücke auf seinen Rückraumspieler: «Dylan hat alle Anlagen für eine Karriere in der Nationalliga A.»
Man plane im Verein langfristig mit ihm, sagt Kaufmann. «Wenn Dylan seinen Weg weiterhin konsequent weitergeht, wenn er von schweren Verletzungen verschont bleibt und wenn er bereit ist, in den Trainings immer wieder eine Schippe zusätzlich draufzulegen, dann kann er durchstarten.» Das Auge und die Technik habe er.

So wundert es auch nicht, dass der Trainer seinem Jungspund genügend «Auslauf» gewährt. «Dylan muss spielen, spielen und nochmals spielen. Ohne Praxis kommt er nicht weiter», sagt Kaufmann. Das heisst im aktuellen Fall, dass Brandt – mit seinen 179 Zentimetern Körpergrösse einer der kleineren Spitzenspieler – nicht nur für Suhr Aarau spielt, sondern, wenn immer es der Spielplan zulässt, auch in der Nationalliga B beim Partnerteam TV Solothurn.

Der Start mit sieben Jahren beim HC Berikon

«Wir haben unsere zwei Jungs früher immer in die Halle mitgenommen. Die beiden konnten gar nicht anders, als auch mit Handballspielen zu beginnen», sagt Mutter Claudia schmunzelnd. Sie und ihr Mann Jonathan spielten in den 1990er-Jahren selber beim HC Dietikon-Urdorf, Dylan und sein zwei Jahre älterer Bruder Jason waren meistens auch dabei.
Zu spielen begonnen hat Dylan indes nicht beim HCDU. Im Alter von sieben Jahren trat er dem HC Berikon bei, da die Brandts kurz vor der Jahrtausendwende aus dem Limmattal nach Bellikon gezogen waren. Bald schon war Dylans Talent offensichtlich, er wurde gezielt gefördert. «Ich trainierte meistens mit älteren Junioren und spielte in Teams meines Jahrgangs», blickt der Absolvent der Sportkanti in Aarau zurück. 2009 – also im Alter von neun Jahren – spielte er bereits in der U14-Mannschaft des HC Dietikon-Urdorf. Es ging weiter steil aufwärts. In der Saison 2014/15 kam Brandt bei den U15-Elite-Junioren von Suhr Aarau und gleichzeitig beim SC Siggenthal im U17-Inter zum Einsatz.

In der vorletzten Saison absolvierte Dylan Brandt 23 NLB-Spiele für die HSG Siggenthal/Vom Stein Baden und entwickelte sich gleichzeitig in der U19-Elite von Suhr Aarau zu einem der Leistungsträger. In der vergangenen Spielzeit war er in drei Teams aktiv: bei 1.-Ligist Olten, den U19-Elite-Junioren von Suhr Aarau und im NLA-Team von Suhr Aarau. Total kam er so auf 49 Pflichtspiele. «Ich bin jung, will spielen. Es ist nie zu viel», sagt Brandt.

Dass einer wie er gleichzeitig auch noch in den Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften spielt, versteht sich quasi von selbst. Bezüglich der Mehrfachbelastung von Dylan Brandt im Besonderen und von jungen Leistungssportlern im Allgemeinen sagt HSC-Trainer Kaufmann: «Ich war auch einmal jung und wollte so oft wie möglich spielen. Es ist die Aufgabe der Vereine, den jungen Sportlern zu helfen, dass sie mit ihren Kräften haushälterisch umgehen können.» Wer täglich trainiert, oft auch mehr als einmal, müsse zwischendurch Ruhe haben. «Ich habe Dylan an Montagen auch schon Ruhetage verordnet.»

Hand aufs Herz, Dyland Brandt, wollten Sie tatsächlich nie etwas anderes machen als Handball spielen? «Na ja, ich habe früher als kleiner Junge mit Kollegen auf der Quartierstrasse Streethockey gespielt. Und ich war auch während einer kurzen Zeit im Kung-Fu-Training.»
So richtig gepackt habe es ihn aber in der Halle, mit einem Ball in der Hand. «Nach meinem ersten Handballtraining war klar, dass ich meinen Sport gefunden habe.» Der Kantischüler will sich bezüglich seines künftigen Studiums noch nicht festlegen («Lehrer oder so, mal schauen»). Was er indes sicher weiss: Am liebsten würde Dylan Brandt seinen Lebensunterhalt mit Handballspielen verdienen.

Profi-Handballer in der Schweiz, ist das überhaupt möglich? Brandt nickt und erzählt von einem ehemaligen Teamkollegen in der Nachwuchs-Nationalmannschaft, der nach Abschluss seiner Berufslehre jetzt bei den Kadetten Schaffhausen als Profi angestellt ist und einen mittleren vierstelligen Betrag pro Monat verdient. «Das ist doch cool, nicht?», sagt Brandt, und seine Augen leuchten.

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