Dietikon
Die Praxis Tucare zieht ins Limmatfeld und eröffnet im Dezember

Am 9. Dezember eröffnet das Ambulatorium für Tumor- und Bluterkrankungen am neuen Ort. Noch ist das zweite Stockwerk an der Heimstrasse 1, wo bald krebs- und blutkranke Patienten betreut und behandelt werden, eine Baustelle.

Sophie Rüesch
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Die Leitende Ärztin Heidi Dazzi in der neuen Praxis Tucare, Ambulatorium für Tumor- und Bluterkrankungen.

Die Leitende Ärztin Heidi Dazzi in der neuen Praxis Tucare, Ambulatorium für Tumor- und Bluterkrankungen.

Limmattaler Zeitung

Auf die Farben freue sie sich besonders, sagt Heidi Dazzi, während links und rechts gebohrt und gehämmert wird. Noch ist das zweite Stockwerk an der Heimstrasse 1, wo bald krebs- und blutkranke Patienten betreut und behandelt werden, eine Baustelle. Am 9. Dezember schon wird aber alles fertig sein; dann öffnet das Ambulatorium für Tumor- und Bluterkrankungen Tucare, das bisher im zehnten Stock des Spitals Limmattal seine Praxis hatte, im Dietiker Limmatfeld seine Türen.

Tucare wurde 2006 gegründet. Damals wurde die ambulante Onkologie und Hämatologie im Spital Limmattal, die Heidi Dazzi seit dem Jahr 2000 leitete, aus wirtschaftlichen Gründen ausgelagert. Fortan führte Dazzi Tucare als freipraktizierende Ärztin, zusammen mit Evelyne Stelzer und ihrem Onkologieteam. Ein spitalstrategischer Wechsel weg von den Teilprivatisierungen der letzten Jahre führte nun aber zur Reintegration der ambulanten Onkologie. Als eigenständige Praxis wurde Tucare für das Spital überflüssig.

Reintegration kam nicht infrage

Dass das Ambulatorium zurück in die Strukturen des «Limmis» überführt wird, sei für Dazzi keine Option gewesen. Zu viel habe sie in den sieben Jahren seit der Privatisierung mit ihrem Team aufgebaut. Als leitende Ärztin von Tucare hat sie die Vorzüge der Eigenständigkeit zu schätzen gelernt. «Ich will in der Führung und Bezahlung meines Teams frei sein», sagt sie. Zudem wolle sie die aufgebauten Strukturen mit kurzen Entscheidungswegen. «Davon profitieren alle: Patienten von weniger langen Wartezeiten, das Pflegepersonal von weniger Überstunden», so Dazzi.

Eine Reintegration ins Spital Limmattal hätte laut Dazzi zu einer Verkomplizierung dieser schnellen Abläufe geführt. «Eine Übernahme durch das Spital wäre ein Schritt rückwärts gewesen.» So hat sie nach der Kündigung durch das «Limmi» entschieden, Tucare auf eigene Faust - und eigene Kosten - wie bis anhin weiterzuführen.

Kein Konkurrenzkampf

Die Wahl fiel schnell auf Dietikon. Die Lage «im aufstrebenden Limmatfeld» sei ideal. Nun biete Tucare seine Dienste mitten im Regionalzentrum an und sei doch nahe bei den Spitälern, mit denen die Praxis eng zusammenarbeitet: dem Kantonsspital Baden sowie dem Universitätsspital und dem Triemli. Auch das «Limmi» wolle die Zusammenarbeit weiterhin pflegen. So wird das Tucare-Team seine Patienten, die im Spital Limmattal stationär behandelt werden, dort betreuen und begleiten. «Die Wünsche der Patienten stehen immer im Vordergrund. Es soll sich niemand zwischen Tucare und Spital Limmattal entscheiden müssen», sagt Dazzi.

Die Frage, ob nun ein Konkurrenzkampf um Patienten entflammt, stellt sich dennoch. Doch Dazzi relativiert: «Einerseits gibt es in der Onkologie heute leider viel mehr Erkrankungen und mehr Behandlungen» - also auch mehr Patienten. Andererseits hätten sich auch bisher nicht alle Limmattaler Patienten im «Limmi» behandeln lassen. Und mit dem Standort Dietikon verändere sich das Einzugsgebiet ohnehin.

Ganzheitliches Therapieangebot

Das bisherige Tucare-Team zügelt «geschlossen und freiwillig» in die neue Praxis. Hier werden sich künftig drei Onkologinnen und drei Pflegefachfrauen um die Patientinnen und Patienten kümmern. In den neuen Räumen wird zudem eine Frauenarztpraxis des Kantonsspitals Baden eröffnet. Weiter werden Fachleute der Krebsliga des Kantons Zürich ihre Dienstleistungen - Psychoonkologie und sozialpsychologische Dienste - vor Ort anbieten. Auch die Palliativpflege wird im Ambulatorium einen hohen Stellenwert haben, sagt Dazzi, die selbst einen Master of Science in Palliative Care hat.

Damit kommt die neue Praxis auch Dazzis Philosophie näher: «Onkologie muss interdisziplinär und multiprofessionell praktiziert werden», ist sie überzeugt. Will heissen: Die ideale Praxis bietet Patienten das gesamte Angebot medizinischer und psychologischer Beratung und Behandlung an einem Ort an. Tucare entspricht diesem Ideal schon recht gut. Verbleibende Lücken sollen 2014 geschlossen werden. «Dann soll die Zusammenarbeit mit einer auf Krebs- und Bluterkrankungen spezialisierten Spitex sowie Seelsorge ein Thema werden», so die leitende Ärztin. Nun freut sich Dazzi erst einmal auf die neuen Räume. «Es wird eine schöne, helle Praxis. Die Patienten sollen sich hier schliesslich wohlfühlen.» Dafür sorgen auch die nach farbtherapeutischen Kriterien gestrichenen Wände. «Es wird familiär und freundlich - so gar nicht spitalartig», sagt Dazzi und lächelt.