Er ist jung, freisinnig und will für die FDP in den Nationalrat einziehen: Die Bezirkspartei schickt als einzigen Limmattaler den 27-jährigen Geroldswiler Gemeinderat Dominik Tiedt ins Nationalratsrennen 2011. Seit diesem Wochenende ist bekannt, dass die Freisinnigen im Kanton Zürich tief in die Tasche greifen müssen, falls sie es auf einen der vorderen Listenplätze schaffen: 40000 Franken kostet es, wenn man auf den Listenplätzen eins bis vier positioniert wird, 25000 Franken werden auf den Listenplätzen fünf und sechs fällig. Die hintersten Plätze der 34er-Liste der FDP sind mit 1000 Franken veranschlagt.

«Ich hoffe, dass ich es möglichst weit nach vorne auf die Liste schaffe», sagt der 27-Jährige. Koste es, was es wolle? Tiedt erklärt, er habe grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Kantonalpartei von ihren Kandidaten ein finanzielles Engagement verlange, um einen einheitlichen Wahlkampf zu führen. Dennoch sollte nicht das Geld entscheiden, wer nach vorne auf der Liste kommt und gewählt wird, sondern wer das Potential und die Fähigkeiten für ein solches Amt mitbringt. «Wenn man sich auf dieses Level der Politik begeben möchte, dann hat dies auch einen finanziellen Einfluss», ist Tiedt realistisch. Das sei bei allen Parteien so: «Eine solche Wahlkampfkampagne ist teuer, und nebst dem persönlichen Engagement braucht es auch eine finanzielle Beteiligung.»

Beiträge sind berechtigt

Das sieht Karin Boog, FDP-Präsidentin des Bezirks Dietikon, ähnlich. Die Beiträge seien berechtigt: «Wie sollte man sonst einen solchen Wahlkampf bezahlen?», fragt sie. Würde man bei Unternehmen um Unterstützung nachsuchen, werde dies als Klüngelei kritisiert. Natürlich lasse sich über die Höhe der Beträge streiten. Boog gibt aber zu bedenken, dass Nationalräte an ihrem Amt auch verdienen und so die Investitionen auch zurückerhalten.

Eine Schwierigkeit sieht sie bei den Listenplätzen im vorderen Mittelfeld: Diese seien noch relativ teuer, die Wahlchancen aber schon deutlich geringer. Dass man sich in der FDP einen Listenplatz erkaufen könne, sei nicht möglich: «Wer es auf die Nationalratsliste schafft, bestimmt die Findungskommission, und die ist nicht bestechlich.»

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sagte in der «NZZ am Sonntag», bei Zürcher Regeln wären er und Christa Markwalder wohl nicht gewählt worden. Schrecken die hohen Beträge potentielle junge Kandidaten ab? «Das ist gut möglich», sagt Dominik Tiedt, «allerdings muss man sich auch bewusst sein, was es dafür braucht, wenn man sich um ein solches Amt bewirbt. Nebst den fachlichen und zeitlichen Anforderungen muss man auch den finanziellen Rahmen abdecken können für eine umfangreiche Kampagne.»