Stadtplanung einmal anders: innovativ statt pragmatisch, mutig statt traditionell, so die Kriterien der Jury für den «Stadtland-Preis». Sie suchte aus 50 eingereichten Projekten diejenige Planung aus, die ihre Aufgabe nicht nur fehlerfrei und pragmatisch erledigt hat, sondern sich auch traut, das Blatt umzudrehen und etwas Neues auszuprobieren. Das teilte die Fachzeitschrift «Hochparterre» in einer Medienmitteilung mit. Die Jury des «Stadtland-Preises» wurde in Dietikon fündig: Das Leitbild des Stadtboulevards erhielt den ersten Preis «für den besten Anstoss für die Zukunft».

In besagtem Leitbild bereitete die Stadtplanung die Hauptverkehrsader Dietikons für die Ankunft der Limmattalbahn vor. Diese wird voraussichtlich 2022 die Region mit der Stadt Zürich verbinden. «Wo die Linie der Limmattalbahn durchfährt, sollen die Häuser bewusst konzentriert werden. Das führt zu einem städtischen Bild und städtischen Leben», sagt Rahel Marti, stellvertretende Chefredaktorin des Architekturheftes «Hochparterre». In einem dreiteiligen Planwerk zeigt Dietikon, wie der Boulevard als vielfältiger Ort genutzt werden kann.

Anreize für eine «belebte» Strasse

«Die Limmattalbahn bringt Urbanität nach Dietikon, und die Stadtplanung nimmt diese mit der verdichtenden Planung auf», sagt Marti. Das Leben soll entlang der dichten Häuserreihen des Boulevards pulsieren. Hinter den bis zu 25-stöckigen Hochhäusern dagegen soll es ruhig zu- und hergehen. Soweit der Plan: Doch wie wird er umgesetzt? Um diese Idee zu verwirklichen, schufen die Stadtplaner diverse Anreize, damit die Bauunternehmer Leben auf die Strasse bringen. Wer beispielsweise das Erdgeschoss des Hochhauses als Laden, Restaurant oder ähnliche gewerbliche Fläche gebraucht, darf ein weiteres Geschoss dazu bauen.

In der Mitte des Boulevards soll, laut Leitbild, die Limmattalbahn und die Strasse verlaufen. Auch das gefiel der Jury. Sie schreibt: «Die Stadt nutzt den Bau der Bahn, um Siedlung und Verkehr, die sich gegenseitig bedingen, auch gemeinsam zu denken.» Das Planungsleitbild des Boulevards wurde bereits 2016 von der Stadt vorgestellt. Dietikon arbeitet heute schon in einigen Projekten auf der Grundlage des Leitbilds. Das war ein weiterer Grund, der die Jury an der Planung überzeugte. «Uns ist es wichtig, dass die Planungen nicht für die Schublade produziert, sondern auch umgesetzt werden», sagt Marti.

Nur alle fünf Jahre vergeben

Der «Stadtland-Preis» sei kein Architektur-Preis, sagt die Jury. Es sei vielmehr ein Preis für die beste Denkarbeit. Der Gewinn zahlt sich in Ruhm und Ehre aus. Er wurde vor fünf Jahren zum letzten und auch ersten Mal vergeben. Dieses Jahr erhielten nebst Dietikon, die Aktion «Herisau-vorwärts», die Bodenseeregion und Delémont eine Auszeichnung. Der Preis wird von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), dem Fachverband Schweizer Raumplaner (FSU), der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) und dem Verlag «Hochparterre» getragen.