Rom
Die Pilger erreichen den Petersdom – und überbringen ihr Anliegen

Priorin Irene und ihre Mitpilgerinnen haben der Kirchenführung ihre Anliegen für mehr Frauenrechte überbracht.

Sandro Zimmerli
Drucken
Teilen
Pilgerreise Nonnen Rom
12 Bilder
Die Pilgerinnen ziehen in den Petersdom ein und werden von Alphornklängen empfangen
Die Pilger sind am Ziel.
Nun können sie dem Vatikan ihre Botschaft überbringen.
Die Pilger sind am Ziel.
Die Pilger sind am Ziel.
Die Pilger sind am Ziel.
Die Pilger sind am Ziel.
Die Pilger sind am Ziel.
Die Pilger sind am Ziel.
Die Pilger sind am Ziel.
Priorin Irene vom Kloster Fahr.

Pilgerreise Nonnen Rom

Adrian Müller

Rom ist erreicht, die Pilgerreise ist zu Ende. Das Projekt «Kirche mit* den Frauen», bei dem die Priorin des Klosters Fahr, Irene Gassmann, im Kernteam mitwirkt, hat es geschafft. Am Samstag konnte die Pilgergruppe am Pilgertag der Kirchenführung im Vatikan ihr Anliegen überreichen. In einem Brief an Papst Franziskus machen sie sich für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche stark. Unterstützt wurde die Gruppe am Wochenende von über 400 Personen, die extra aus der Schweiz, Deutschland Österreich und weiteren Ländern in die italiensche Hauptstadt reisten. Dazu gehörten auch die Bischöfe Felix Gmür aus Basel und Markus Büchel aus St. Gallen sowie Urban Federer, Abt der Klöster Einsiedeln und Fahr.

Für Priorin Irene, die auf der ersten Etappe der rund 1000 Kilometer langen Reise von St. Gallen nach Rom und dem Reiseabschnitt von Assisi in die Ewige Stadt mitpilgerte, ging damit eine anstrengende Zeit zu Ende. «Das Pilgern war anstrengend, ich bin an meine körperliche Grenze gekommen. Als wir dann in Rom ankamen, fühlte ich mich glücklich und berührt. Es war überwältigend», sagt sie auf Anfrage. Besonders die Ankunft auf dem Petersplatz sei ein ganz spezieller Moment gewesen. «Wir kamen dort in Stille an, ohne Applaus. Das passt zu unserem Projekt», so die Priorin.

Daten nicht zufällig gewählt

Ein Projekt, an dessen Ausgangspunkt acht Frauen und ein Mann standen, die zusammen mit zahlreichen Etappen-Mitpilgerinnen und -pilgern auf ihrer zweimonatigen Reise ihr Anliegen in den Vatikan trugen. Initiiert wurde es von Hildegard Aepli, Pastoralassistentin und Mitarbeiterin im Amt für Pastoral und Bildung im Bistum St. Gallen. Aufgebrochen ist die Gruppe am 2. Mai, dem Festtag der heiligen Wiborada. Die St. Galler Einsiedlerin und Märtyrin wurde 1047 als erste Frau überhaupt vom Papst heiliggesprochen.

Auch das Ankunftsdatum in Rom, der 2. Juli, war nicht zufällig gewählt. Dann feiern die Katholiken «Mariä Heimsuchung» und gedenken der Episode im Lukasevangelium, in der die schwangere Maria ihrer Verwandten Elisabet die frohe Kunde überbringt. Persönlich getroffen haben die Pilger den Papst an diesem Tag nicht, wie gehofft wurde. Aus Sicht von Priorin Irene macht das überhaupt nichts. Im Gegenteil. «Es war für unser Projekt besser, dass wir unsere Anliegen im Stillen, ohne grosses öffentliches Aufsehen überbringen konnte. Wichtig ist, dass sie den Papst erreichen und er sich Zeit nimmt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen», so die Priorin.

Stellvertretend übergaben die Projektinitiantinnen daher Bischof Markus Büchel eine Schachtel, in der sich unter anderem ein Schreiben an den Papst befindet. Darin ist zum Beispiel zu lesen, dass «wir darunter leiden, dass viele Frauen sich in unserer Kirche fremd, nicht ernst genommen oder unwillkommen fühlen, weil sie zu wenig in verantwortlichen Gremien eingebunden und an Entscheidungsprozessen beteiligt sind». Danach richtet sich die Projektgruppe direkt an den Papst: «Lieber Papst Franziskus, wir bitten Sie, in den Institutionen des Vatikans und in den gesamtkirchlichen Entscheidungsprozessen dafür zu sorgen, dass künftig Frauen mitwirken, mitgestalten und mitentscheiden können.» Franziskus wird gebeten, entsprechende Ermutigungen und Weisungen auch für die Ortskirchen zu geben. Denn «Frauen und Männer unserer Kirche warten darauf und werden es Ihnen danken – und die Kirche kann dabei nur gewinnen, wenn Frauen ihre Gaben und Charismen besser als bisher einbringen können.»

Auch wenn es nicht zu einem Treffen mit dem Papst kam, wird der Pilgertag noch lange in Erinnerung bleiben. Er startete in der Kirche Santa Maria del Popolo, die mit über 400 Besuchern gefüllt war. Von dort ging es weiter zur zweiten Station, in die Kirche Santa Maria Sopra Minerva. Seinen Abschluss fand der Pilgertag im Petersdom, wo Bischof Markus Büchel einen Gottesdienst leitete. Dabei waren vorne am Altar die Rucksäcke angelehnt, aus denen die Pilgerinnen und Pilger zwei Monate gelebt hatten.

Aktuelle Nachrichten