Der Weltmarkt für Solarzellen wächst unaufhaltsam und Händler können in ihren Prospekten viel versprechen – doch was leisten Solarmodule unter realen Bedingungen tatsächlich? Das soll die Testanlage auf dem Dach der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon klären.

«Zu viele Vorurteile»

Unter der wissenschaftlichen Leitung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (ZHAW) und in Zusammenarbeit mit Oerlikon Solar werden hier fünf verschiedene Solarmodule seit über einem Jahr getestet. Und die ersten Resultate zeigen: Solarenergie hat im Wirtschaftsraum Zürich grosses Potenzial – egal, welche Technologie dafür verwendet wird.

«Photovoltaik kämpft immer noch mit Vorurteilen», sagt Manuel Pezzotti, Leiter Contracting Netzdienstleistung der EKZ und Herr über die Testanlage. Vorurteil Nummer eins: Solaranlagen zu montieren, lohne sich in der Schweiz nicht. «Natürlich haben wir in Spanien oder Nordafrika eine höhere Sonneneinstrahlung, aber wir müssen die Energie verbrauchernah und unabhängig vom Ausland produzieren», sagt Pezzotti. «Ausserdem haben wir auch in Dietikon genügend dieser Gratisenergie, die ohne Photovoltaik ungenutzt bliebe.»

Preis für Module seien gesunken

Vorurteil Nummer zwei: die Kosten. Photovoltaik-Anlagen sind teuer, für eine 10-Kilowatt-Anlage – das entspricht etwa der Fläche eines grösseren Einfamilienhaus-Dachs – muss man zwischen 50000 und 70000 Franken hinblättern. Fast die Hälfte machen dabei die Kosten für die Module aus, 20 Prozent der Gesamtkosten gehen an das Material zur Montage, 15 Prozent an die Arbeit und der Rest an den Wechselrichter (wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um) sowie Planung und Gebühren.

«Die Preise für Module sind allein im letzten Jahr um rund 20 Prozent gesunken», sagt Pezzotti. Warten lohne sich aber trotzdem nicht, es verhalte sich bei den Anlagen wie bei Computern: Sobald man sich für ein Modell entschieden habe, sei schon ein noch leistungsfähigeres oder noch billigeres auf dem Markt. «Wer eine Solaranlage haben will, soll eine installieren und nicht lange auf den richtigen Zeitpunkt warten. Sonst wartet er vergebens», sagt Pezzotti und gibt zu bedenken: «Der Betrieb einer Photovoltaik-Anlage ist praktisch wartungsfrei. Nach der einmaligen Investition liefert die Sonne die Energie frei Haus.»

Flächen könnten farblich angepasst werden

Vorurteil Nummer drei: Photovoltaik-Anlagen würden das Dorfbild verändern. «An der Ästhetik der Module wird laufend gearbeitet», kontert Pezzotti. Konkret: Montageteile werden gefärbt, Rahmen auch, und sogar die Panels selbst: «Die Flächen können farblich angepasst werden, damit sie sich noch besser in die Umgebung einfügen.» Seiner Meinung nach dürfe die Ästhetik kein Argument sein, eine Anlage zu verhindern, sagt Pezzotti und zeigt zum Beweis auf die Dächer der Stadt: schwarze Dächer, rote Dächer, graue Dächer, viele mit Dachfenstern. «Da würde ein Solarpanel nicht negativ auffallen.» Zudem würden mit Photovoltaik-Anlagen keine zusätzlichen Flächen verbaut, sondern diese in bereits bestehende Bauwerke integriert.

Der Blick über Dietikon zeigt noch mehr: viele Flachdächer und Satteldächer, die gegen Süden hin abfallen. Ideale Bedingungen für Photovoltaik-Anlagen: «Das Beste in unseren Breitengraden sind fix montierte, nach Süden ausgerichtete Panels mit einer Neigung von 30 Grad», sagt Pezzotti und fügt an: «Der Anteil ungenutzter Dachfläche in Dietikon ist enorm.»

Erste Testphase abgeschlossen

Auf dem Dach der EKZ stehen aber nicht nur fest montierte Module, sondern auch neun bewegliche: Ähnlich einer Sonnenblume richten sie sich nach der Sonne, um sämtliche Strahlen optimal einzufangen. «So können wir den Ertrag nochmals um 20 Prozent steigern», sagt Pezzotti. Für den Haushaltgebrauch sei der Mehrpreis für diese Nachführung aber unerschwinglich.

Das erste Jahr der Testphase ist abgeschlossen. «Uns hat nicht nur interessiert, welches Modul welche tatsächliche Leistung produziert, sondern die ganze Kette von der Sonneneinstrahlung bis zur Netzeinspeisung», sagt Pezzotti. Welchen Einfluss haben Sonneneinstrahlung, Temperatur, Wind und Wechselrichter auf die Leistung? Welches Wärmeverhalten weisen die verschiedenen Technologien auf, welches Schwachlichtverhalten? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Kurz: Welche Technologie eignet sich für den Standort Limmattal am besten?

Projekt langfristig ausgelegt

Die Bilanz nach einem Jahr Testbetrieb: «Es gibt keine Technologie, die qualitativ abfällt.» Und: Pauschale Aussagen sind nicht möglich. Es kommt immer auf die Anforderungen an. Deshalb sei es sinnvoll, vor der Investition in eine Solaranlage ein nachhaltiges Engineering durchzuführen, um das optimale Resultat zu erhalten. Pezzotti rät auch, nicht in erster Linie auf die Technologie, sondern auf den Hersteller zu achten. Billigprodukte aus Übersee zu kaufen, lohne sich nicht; nicht zuletzt wegen der Garantieansprüche.

Das Projekt mit der rund eine halbe Million teuren Testanlage ist langfristig angelegt. «Wir haben kein Ende geplant, die Anlage wird laufend nachgerüstet. Mit den Messungen stehen wir nach einem Jahr Betrieb noch am Anfang.» Schliesslich wolle man wissen, wie sich die Module langfristig verhalten. Langfristig – das bedeutet jahrzehntelang: Die Panels bauen ihre Leistung zwar kontinuierlich ab, erbringen gemäss Hersteller nach 20 Jahren aber immer noch mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Leistung.

Welche Zukunft sagt der Experte der Solarenergie voraus? «Wenn wir Solarstrom zum gleichen Preis herstellen können, den wir für jenen aus der Steckdose bezahlen müssen, wird es spannend.» Man müsse sich aber bewusst sein, dass die Sonne nicht immer scheine und das Speichern von Solarenergie bisher nur beschränkt möglich sei. «Solarenergie wird nie ein reiner Ersatz sein, sondern immer nur ein Glied einer ganzen Kette.»