Bergdietikon

Die Pfadi Limmattal lud an der Jubiläumsfeier zum grossen Augmented-Reality-Wettkampf

Allzeit bereit von 1919 bis 2019: Die Jubiläumsfeier der Pfadi Limmattal zeigte auf, was so viele Jahre gelebte Pfadi bedeuten.

«Limmatpfadi, tolli Bandi, wohl bekannti, aller Landi, grissni Cheibe dur und dur, mit em Grind dur jedi Muur!»: Mit diesem Abteilungsruf der Pfadi Limmattal wurde am Samstag auf dem Schulhausareal Bergdietikon das 100-Jahr-Jubiläum eröffnet. Kurz darauf richteten die Pfadfinder den Blick auf das Smartphone, irrten umher auf der Suche nach dem nächsten QR-Code. Mit dem Pfadi-Go-Spiel, einer Augmented-Reality-Applikation, absolvierten die Gruppen insgesamt sechzehn Posten. «Wir wollten unbedingt etwas Modernes einbringen und haben die App programmiert. Künftig können wir neue Posten aufschalten», sagt Marco Musso. Der 25-jährige Dietiker ist als ehemaliger Pfadileiter die erste Ansprechperson an diesem Nachmittag.

Die Familien Süsskow und Sax aus Schlieren spielen gemeinsam: «Es ist etwas tricky», meint Konrad Süsskow. Die Aufgaben erweisen sich nicht immer als einfach, sodass die Kinder gerne mal auf die Bäume klettern, während die Eltern die Rätsel zu lösen versuchen. Zudem gibt es technische Hürden zu überwinden. «Es gibt mehr Probleme als erwartet, aber es ist schön, wenn die Gruppen es mit Humor nehmen, wir sind eben nicht bei Google angestellt», so Musso.

Eine Ausstellung gibt Einblick in die Geschichte

Ein Posten befindet sich auch beim Ortsmuseum Bergdietikon. Dort verbirgt sich momentan ein wahrer Schatz: Die gesamte Geschichte der Pfadi Limmattal wird mit Utensilien und Fotografien aufgezeigt und ist noch bis März 2020 zu sehen. Auch das Ortsmuseum Schlieren bekundet Interesse an der Ausstellung, die mit viel Liebe zum Detail aufwartet. «Mein Schwiegervater war von 1947 bis 1951 Abteilungsleiter und ist heute 95-jährig; wir sind eine Pfadifamilie», erzählt Brigitte Diggelmann. Gemeinsam mit Walter Diggelmann, OK-Präsident der Feier, hat sie ein Jahr für die Ausstellung recherchiert. «Ich denke, wir gehören zur bestdokumentierten Pfadi in der Schweiz und die digitalen Daten vereinfachen das Suchen im Archiv.» Und die Geschichte setzt sich fort. «Auf weitere 100 Jahre Pfadi Limmattal», sagte Walter Diggelmann später in der Turnhalle.

Auf einigen Bildern wiedererkannt hat sich Balz Hedinger aus Dietikon, der einst rund 20 lange Jahre in der Pfadi aktiv war. In den 1970er-Jahren trat er siebenjährig bei den Wölfli ein. Sein Pfadiname «Hamster», aber auch jener von seinem Kollegen «Ameise», zeugen vom tierisch wilden Pfadileben: «Wir wissen nicht, ob alles noch erlaubt ist, was wir anstellten, es wurde teils auch gefährlich», erzählt er. «Es sind Freundschaften fürs Leben geschlossen worden und wir treffen uns immer noch einmal im Monat.» Gemeinsam sitzen die Männer von damals am Tisch und äussern sich einstimmig: Das Jubiläum sei super.

Insgesamt 230 Festessen werden verteilt. Zwischen den Gängen gibt es beste Unterhaltung dank den rund 60 Pfadikindern. Die Aktiven zeichnen in kurzen Videos und Theaterszenen den Zeltaufbau und die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz nach. So, wie es in der Geschichte ausgesehen haben könnte. Es wird gelacht, als sie in die 1930er-Jahre zurückreisen, und leise mitgesungen, als sie sich als Hippies an der Gitarre versuchen. In der heutigen Zeit angekommen, sprechen sie sich gegen Littering aus. Zudem wagen sie den Blick in die Zukunft: Einst wird der Zeltaufbau von Robotern übernommen.

In drei Gemeinden besitzt die Pfadi eine Bleibe

Die Stadtpräsidenten der Gemeinden, in denen die Pfadi ein Lokal unterhaltet, sind anwesend. «An eine Pfadifeier Blumen mitzubringen wäre falsch, weil ihr genug in der Natur seid», sagt der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP). Er lädt als Geschenk zu einem grossen Lagerfeuer ein. Roger Bachmann (SVP), der Handball-begeisterte Dietiker Stadtpräsident, meint, dass die Pfadi auch als Sportverein gelten könne und er deshalb einen Bezug zu ihr habe. «Die Pfadi zeigt, wie viele engagierte Menschen es gibt, die sehr viel können», sagt der Bergdietiker Gemeinderat Paul Monn (parteilos). «Ich habe in der Pfadi mehr gelernt als in allen Ausbildungswegen zusammen», sagt Christina Egli, Präsidentin des Zürcher Kantonalverbands für Pfadfinder. «Einmal Pfadi, immer Pfadi»: Damit spricht sie vielen im Saal aus dem Herzen.

Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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