Elsbeth Preisig (67), die Präsidentin des Seniorenrats Dietikon, und Hans-Georg Imhof (72), ein Ratsmitglied, sitzen gemütlich im Kafi Grüezi. Draussen kündigt sich ein sonniger Tag an und der Grossteil der Dietiker ist bereits bei der Arbeit.

Die freie Zeit geniessen die beiden Pensionierten in vollen Zügen. Aber sie wissen auch: ohne Netzwerk und Beschäftigung kann die Pensionierung zur Isolation führen.

Netzwerke aufzubauen ist wichtig

Hans-Georg Imhof wohnt fast 40 Jahre in Dietikon. Er arbeitete als Chirurg am Universitätsspital Zürich, bis er 2007 pensioniert wurde. «Es gab bei mir deshalb keinen plötzlichen Bruch», sagt er. Kleine Projekte beschäftigten ihn und da waren noch seine Hobbys. Fehlende Beschäftigung sei nicht das Problem gewesen. Schwierig war, dass er niemanden in Dietikon kannte. «Ich habe dann meine Frau, die bereits im Seniorenrat war, als Vorbild genommen», sagt Hans-Georg Imhof. So habe er Dietiker kennen gelernt.

Elsbeth Preisig erlebte den Übergang von Berufsleben zum Ruhestand etwas anders. Die ehemalige Direktionssekretärin kümmerte sich lange vor allem um die Familie. Als junge Mutter war sie im «Club junger Eltern». Später war sie in der Schulpflege, dem Gemeinderat und führte einige Jahre einen Grosshandel für Holzspielsachen. Ihr Netzwerk bestand bereits seit einigen Jahren und ihr Beitritt zum Seniorenrat war eine logische Fortsetzung ihres bisherigen Vereinslebens.

Freiwilligenarbeit, vom Seniorenrat vermittelt, erleichterten Hans-Georg Imhof den Übergang vom Arbeitsleben in die Pension. «Denn ohne Beschäftigung wird man schnell isoliert», sagt er. Ist man pensioniert, so Hans-Georg Imhof, müsse man beruflich nichts mehr leisten. Umso wichtiger werde dann, eine für sich persönlich sinnvolle Beschäftigung zu finden.

Elsbeth Preisig sieht das ähnlich: «Bei der Freiwilligenarbeit geht es darum, etwas aus Freude und Spass zu tun. Nicht, weil man es tun muss oder es jemandem versprochen hat.»

Langsame Veränderung

Vor gesundheitlichen Veränderungen schützt die Freiwilligenarbeit aber nicht. Hans-Georg Imhof geht es bisher gut. Solange es geht, lebe man im eigenen Haus oder der Wohnung. Doch kleine Dinge kündigten eine Veränderung an. So wie die Gartenarbeit, die auf einmal etwas länger dauere. Solches erlebt auch Elsbeth Preisig.

Das geliebte Skifahren musste sie nach einer Hüftopration aufgeben, etwas, das sie sich zuvor nicht vorstellen konnte. Als Alternative habe sie mit Schneeschuhlaufen begonnen. Hans-Georg Imhof sagt: Auf so ein Hobby in der Jugend zu verzichten, sei schwer vorstellbar. Im Alter hingegen reife die Einsicht, dass man sich arrangieren müsse.

Krankheit und Pflege

Natürlich macht sich Elsbeth Preisig Gedanken darüber, wie es in einem Krankheitsfall weitergehen soll. Sie erlebte selbst, wie ihre Mutter die Grossmutter pflegte. Und als ihre eigene Mutter pflegebedürftig wurde, war Elsbeth Preisig für sie da. Falls sie selbst in diese Situation käme, möchte sie die Pflege nicht der eigenen Familie aufbürden, sagt Elsbeth Preisig und Hans-Georg Imhof nickt.

Es sei verständlich, sagt er, dass sich die Kinder um die alten Eltern kümmern wollen. Aber das Leben der Kinder müsse auch weitergehen. Ausserdem könne man heute durch Patientenverfügungen rechtzeitig Vorsorge treffen. Trotz der einen oder anderen gesundheitlichen Sorge könne man im Alter aber durchaus zufrieden sein, so Hans-Georg Imhof.

Zufrieden im Alter

Manchmal macht sich Elsbeth Preisig Gedanken über das im Leben Erreichte. Etwas, das Hans-Georg Imhof so nicht kennt. «Im Alter kann ich sagen: Ich habe das Leben erlebt und es war gut.»

Solange sie können, werden die zwei Senioren aktiv bleiben. Die Freiwilligenarbeit des Seniorenrates macht die beiden zufrieden. Was im letzten Lebensabschnitt auf sie zukommen könnte, darüber machen sie sich Gedanken. Aber es hält sie nicht vom Leben ab.

Die Informations-Veranstaltung über Freiwilligenarbeit des Seniorenrats für Neurentner findet heute Samstag, 22. März 2014, um 9.30 Uhr im Gemeinderatssaal statt.