Der Duft von Frittieröl, gelbe und blaue Stühle, leichte Musik im Hintergrund: Vordergründig hat sich kaum etwas geändert im Restaurant Werd im Clubhaus des FC Oetwil-Geroldswil. Doch wer genauer hinsieht, dem fallen die kleinen Änderungen auf. Etwa dass auf der Karte neu ein XXL-Cordon-bleu angeboten wird. Der Grund dafür ist, dass statt Rolf Blättler Faycal und Amina Ben Younes hinter der Theke stehen. Das Ehepaar hat das Club-Restaurant im Januar übernommen. «Wir hörten von einem Kollegen davon», sagt Faycal Ben Younes.
Ihr bisheriges Restaurant in Schwamendingen wurde abgerissen, da kam das neue Angebot wie gerufen. «In der vorherigen Beiz arbeitete ich 20 Jahre», sagt Faycal. Da die meisten seiner ehemaligen Gäste Bauarbeiter und Lastwagenchauffeure waren, kreierte er das XXL-Cordon-bleu mit verschiedenen Käsesorten. «Das ist auch hier sehr beliebt», sagt Amina Ben Younes mit einem Lächeln.

Doch abgesehen davon haben sie die Menükarte und den Ort weitgehend unverändert belassen. «Der Vorgänger hat es genau richtig gemacht, deshalb haben wir keine grossen Neuerungen eingeführt», sagt der 52-Jährige. Das bemerkten auch die Gäste, die sich nach wie vor das Zmorgegipfeli und den Kaffee im Clubhaus gönnen. «Es hat nicht viel geändert», sagt ein Gast. Klar fehle Rolf Blättler nach all den Jahren. Eine Stammkundin meint, «ich ging mit der ganzen Familie hier essen, es ist gut und immer noch sehr günstig».

Bereits in seinem Restaurant in Schwamendingen kochte Faycal Ben Younes «gutbürgerliche Schweizerkost», wie er das Sortiment aus Zürcher Geschnetzeltem, Rösti, heissem Siedfleisch und Ähnlichem nennt. Natürlich dürfen auch Hotdogs nicht fehlen: «Diese werden sehr gut verkauft», sagt Ben Younes.


Mehr Stammgäste sind das Ziel

Ben Younes ist zufrieden mit der Kundschaft, doch er findet, es könnten noch mehr kommen. «Es ist jetzt meine erste Priorität, zu mehr Stammgästen zu kommen», sagt er. Die meisten Leute kommen am Nachmittag. Doch grundsätzlich schwankt die Gästezahl wie das Wetter. «An sonnigen Tagen ist der ganze Spielplatz voll mit Kindern», sagt Amina Ben Younes. Dann läuft auch der Selbstbedienungsverkauf gut.

Früher war er Elektriker

Für die beiden bedeutet die Übernahme des Restaurants ein riesiges Arbeitspensum. Faycal Ben Younes ist sieben Tage in der Woche ab 7:30 Uhr im Werd. Nach dem Mittag löst seine Ehefrau ihn einige Stunden ab. Später kommt er wieder und übernimmt den Betrieb bis rund 23 Uhr. «Seit Januar hatte ich keinen freien Tag mehr», sagt er. Künftig wolle er gerne einen Mitarbeiter einstellen, doch dafür müsse er den Betrieb noch besser kennenlernen. «Das erste Jahr ist einfach hart, das gehört dazu», sagt er.

Der Wirt machte in Tunesien eine Ausbildung zum Elektriker. Als er in der Schweiz ankam, fand er in diesem Bereich keine Stelle. Und so nahm er eine Stelle im Gastrobereich an. Dort arbeitete er sich Jahr für Jahr hoch. «Anfangs begann ich als Tellerwäscher», sagt er. Später lernte er, Schweizer Gerichte zu kochen. Nach einiger Zeit übernahm er schliesslich die Beiz in Schwamendingen. Seine Ehefrau, Amina Ben Younes, arbeitet ebenfalls seit Jahren mit. Sie ist für den Service zuständig. Seit elf Jahren greift sie ihrem Ehemann unter die Arme. «Im alten Betrieb kochte ich auch immer wieder, doch hier muss ich die Geräte noch besser kennenlernen.»

Für sie läuft der Betrieb im Clubhaus ganz anders als in der früheren Beiz. «Hier serviere ich weniger», sagt sie. Es gebe mehr Selbstbedienung, das sei anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen. Doch es gefällt ihr, dass das Clubrestaurant so viele verschiedene Leute anzieht. «Kinder, Senioren, Sportler, es hat einfach alles.» Für die Zukunft hofft das Ehepaar auf mehr Kundschaft. Doch sei es normal, dass der Start eines Restaurants gemächlich laufe. «Es ist normal, dass es ein wenig Zeit braucht, bis die Leute sich an alles gewöhnen», sagt Amina Ben Younes.

Neben der Arbeit im Gastrobetrieb zog das Ehepaar zwei Kinder gross. Mittlerweile haben sie bereits zwei Enkel. Viel Freizeit bleibt ihnen neben dem Betrieb nicht. Doch noch gibt es immer wieder ruhige Stunden im Restaurant. Diese nützt Faycal Ben Younes, um den Fussballern auf dem Spielfeld zuzuschauen.