Urdorf

Die neue Stadt will sich ihren dörflichen Charakter bewahren

Wird die nächste Bartweltmeisterschaft in Urdorf im Rahmen eines Stadtfestes stattfinden?

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Nun ist Urdorf eine Stadt – statistisch gesehen zumindest. Der Grund: Das Bundesamt für Statistik änderte seine Kriterien. So können neu auch Gemeinden mit unter 10'000 Einwohnern als Stadt betrachtet werden.

Dass sich das dörfliche Urdorf eine neue, städtische Identität suchen muss, davon gehen jedoch weder die Gemeinde selbst, noch der Kanton aus.

Aktuell bewohnen 9611 Menschen die Gemeinde Urdorf. War sie damit vor wenigen Wochen noch ein Dorf, ist sie heute bereits eine Stadt. Denn: Nicht mehr die Überschreitung der 10'000-Einwohner-Grenze, sondern Faktoren wie Dichte, Beschäftigte und Logiernächte in Hotels bestimmen, wer Stadt und wer Dorf ist.

So können einerseits Gemeinden mit über 10'000 Einwohnern nicht als Stadt klassifiziert werden, weil ihnen etwa der städtische Charakter fehlt und Dörfer mit unter 10'000 Einwohnern können zu Städten werden, weil sie urban anmuten.

Welche Konsequenzen hat die Neuauslegung des Statistischen Amtes für die Gemeinde Urdorf? Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) sieht in der neuen Definition primär eine statistische Grösse. «Sicherlich ist es nicht so, dass sich von heute auf morgen alles in Urdorf verändern wird aufgrund des Titels ‹Stadt›», sagt sie.

Der Gemeinderat werde sich mit dieser Neuigkeit jedoch auseinandersetzen, bestätigt Rottensteiner. Man werde eine Grundsatzdiskussion darüber führen, was sich durch diese statistische Neuordnung verändern könnte. «Welche Konsequenzen auf Urdorf zukommen könnten, werden wir in den kommenden Wochen abklären», so Rottensteiner.

Erst zum Start seiner neusten Legislatur aktualisierte der Urdorfer Gemeinderat das Leitbild «Urdorf 2010+». Darin wird unter den Zielen für die Identität von Urdorf darauf verwiesen, dass es weiterhin ein attraktives Dorf- und Vereinsleben sowie eine eigene Identität geben soll, die Urdorf einen dörflichen Charakter in Stadtnähe verleihen.

Dass sich Urdorf in Richtung Stadt entwickelt ist im Leitbild somit nicht vorgesehen. «Dies ist korrekt», so Rottensteiner. Das Leitbild gelte nach wie vor als Kompass für die langfristige Entwicklung Urdorfs. «In seinen Abklärungen will der Gemeinderat dennoch feststellen, ob sich für Urdorf in seiner neuen statistischen Form als Stadt Chancen ergeben würden und was zum erreichen dieser vonnöten wäre», so Rottensteiner.

Gemeindeversammlung bleibt

Dass der Status einer Stadt unweigerlich mit dem Vorhandensein eines Parlamentes verknüpft ist, ist ein Trugschluss. So hat beispielsweise Horgen mit seinen 20 000 Einwohnern noch immer eine Gemeindeversammlung.

Das Einsetzen eines Parlamentes und die damit verbundene Abschaffung der Gemeindeversammlung, ist jeder Gemeinde oder Stadt selbst überlassen. Laut Gemeindegesetz des Kantons Zürich kann jede Gemeinde mit mehr als 2000 Einwohnern diesen Schritt vollziehen. In der Regel muss die politische- sowie die Schulgemeinde bereits ineinander verschmolzen sein.

Durch die Einsetzung eines Parlamentes ergäbe sich vonseiten des kantonalen Gemeindeamtes grundsätzlich keinerlei grosse Vorteile oder Nachteile, wie Vittorio Jenni, Leiter der Abteilung Gemeinderecht, auf Anfrage sagt. «Wir unterscheiden lediglich zwischen Parlaments- und Versammlungsgemeinde – dies ist nicht an die Einwohnerzahl der Gemeinde geknüpft», sagt er.

Beide Formen würden Vor- und Nachteile nach sich ziehen. Dass Urdorf bald ein Gemeindeparlament hat, hält Sandra Rottensteiner für unwahrscheinlich. «Die Einwohnerinnen und Einwohner Urdorfs schätzen die Möglichkeit, der direkten Mitbestimmung an der Gemeindeversammlung. Ich denke nicht, dass die Urdorfer darauf verzichten möchten», so die Gemeindepräsidentin.

Die Konsequenzen des Titels «Stadt» lassen sich für Urdorf nur schwer abschätzen. Ein Leser der Limmattaler Zeitung wirft in einem Kommentar eine Namensänderung in die Runde. Den Artikel darüber, dass Urdorf nun eine Stadt ist, kommentierte er mit: «Willkommen in UrStadt.»

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