«Ich bin sehr erleichtert», sagte die Schlieremer Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) gestern, nachdem die Stimmzettel ausgezählt waren. Kein Wunder: Die Stimmbevölkerung gab dem Stadtrat an der Urne zwar ihren Segen, um zwei wichtige Vorhaben auf dem Werkhofareal für insgesamt über 5,2 Millionen Franken umzusetzen. Die eine Vorlage, den Bau einer neuen Asylunterkunft, genehmigte die Bevölkerung aber mit 53,6 Prozent nur knapp. Lediglich 177 Nein-Stimmen mehr, und die Stadt hätte sich nach einem anderen Standort für ein Asylheim umsehen müssen.

Nach dem Ja zur Vorlage kann die Stadt im westlichen Teil des Werkhof-Areals an der Bernstrasse eine neue Modulbau-Unterkunft für insgesamt 48 Asylsuchende erstellen. Den Verpflichtungskredit von 2,8 Millionen hatte das Parlament im November einstimmig genehmigt. Dazu beschlossen auch alle Parteien die Ja-Parole. Dass nun doch 46,4 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ein Nein in die Urne legten, erklärt Stiefel vor dem Hintergrund der landesweiten Debatte: «Die Asylthematik polarisiert», sagt sie. «Die vielen Nein-Stimmen sind daher im nationalen Kontext zu verstehen.» Viele Gegner der städtischen Vorlage hätten wohl ein Zeichen setzen wollen, dass sie nicht noch mehr Asylsuchende wollen. «Ich bin aber froh, dass die Mehrheit eingesehen hat, dass die gesetzliche Verpflichtung, Asylsuchende aufzunehmen, nicht auf kommunaler Ebene beeinflusst werden kann», so Stiefel.

Stadt erhält 90 Personen zugeteilt

Gemäss dem kantonalen Verteilschlüssel, nach dem eine Gemeinde einen Asylbewerber-Anteil von 0,5 Prozent der Wohnbevölkerung aufzunehmen hat, muss Schlieren bald 90 Personen Platz bieten. Die bestehende Unterkunft an der Wiesenstrasse mit 25 Betten ist in einem schlechten baulichen Zustand. Der nun bewilligte Neubau war ursprünglich als Ersatzbau gedacht.

Mit dem Vorhaben, die bestehende Unterkunft an der Wiesenstrasse abzureissen, war die Rechnungsprüfungskommission (RPK) bei der Beratung des Geschäfts im Parlament jedoch nicht einverstanden. Sie forderte, dass diese Unterkunft in Betrieb bleibt und renoviert wird. Die Kommission begründete dies mit der politisch unsicheren Lage der Welt. Diese führe dazu, dass immer wieder kurzfristig zusätzlicher Wohnraum bereitgestellt werden müsse. Mit der Erhaltung der Unterkunft an der Wiesenstrasse könnten in solchen Situationen Engpässe vermieden werden, so die RPK. Der Stadtrat willigte ein. Er rechnet bei der Sanierung mit Kosten von rund 300 000 Franken. Diese waren aber nicht Teil der Kreditvorlage.

Einige verbleiben in Wohnungen

Derzeit ist der grössere Teil der Schlieremer Asylsuchenden noch in Mietwohnungen in der Stadt untergebracht. Auch wenn die neue Unterkunft wie geplant im kommenden Herbst fertiggestellt und die alte an der Wiesenstrasse saniert sein wird, finden nicht alle von ihnen darin Platz. Laut Stiefel werden insbesondere asylsuchende Familien, deren Kinder in Schlieren zur Schule gehen, in ihren Wohnungen verbleiben. «Das macht auch aus integrativer Sicht Sinn», sagt sie. Es sei aber ganz klar, dass die Unterkünfte ausgelastet und nur so viele Asylbewerber wie nötig in Wohnungen untergebracht werden sollen. Dies ist auch im Sinn der Steuerzahler: Die Unterbringung in Unterkünften kostet weniger als in privaten Immobilien.

Eng mit der Vorlage verknüpft, wenn auch theoretisch unabhängig davon realisierbar, ist die Erweiterung und Optimierung des benachbarten Werkhofs. Den Projektkredit von 2,4 Millionen genehmigte die Stimmbevölkerung gestern mit 76,7 Prozent Ja-Stimmen-Anteil. «Das klare Resultat zeigt das Verständnis der Schlieremer dafür, dass mit dem starken Wachstum der Stadt auch Investitionen in die Infrastruktur nötig werden», kommentierte Liegenschaftsvorsteherin Stiefel. Die Erweiterung des Werkhofs beinhaltet einen neuen, zweigeschossigen Flachdachbau, in dem die Wertstoffsammelstelle, ein kleines Büro, eine Einstellhalle für Fahrzeuge und Lagerflächen Platz finden. Zudem werden auch die Transportwege auf dem Gelände optimiert sowie einige Abläufe und Aufgaben des Betriebs besser getrennt.