Zum Gedenken
Die Natur war Köbi Alts liebste Bühne

Der Oetwiler Künstler Köbi Alt ist am Montag 72-jährig verstorben.

Sandro Zimmerli
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Oetwiler Künstler Köbi Alt
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Heinzen als Symbol für Bauernhöfe.
Der Oetwiler Hafenkran im Wiesentäli.
Aus den Weidenästen hat Köbi Alt im Wiesentäli Skulpturen erschaffen.

Oetwiler Künstler Köbi Alt

Chris Iseli

Für seine Kunst brauchte Köbi Alt kein Museum. Die Natur ist die schönste Bühne, die man sich für seine Werke vorstellen kann. Am Chräbsebach im Wiesentäli oberhalb Oetwils hat er gearbeitet und ausgestellt. Dort wurden aus den biegsamen Ästen der Weiden Körbe, Kugeln oder Reifen geflochten. Sogar ganze Pferde und Reiter sind so entstanden. Was nicht vor Ort vorhanden war, hat Alt in seiner Scheune gefunden. Aus Altmetall hat er ganze Musikgruppen hergestellt und vor zwei Jahren die Oetwiler Version des Hafenkrans.

Mit seiner Kunst hat Köbi Alt vielen Spaziergängern Freude bereitet, sie aber auch zum Nachdenken angeregt. Aber nicht, indem er mit dem moralischen Zeigefinger belehrte: Mit seinen Werken sollten die Passanten darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Ressourcen der Erde endlich sind. Dass wir mit dem Eingriff in den Kreislauf der Natur irreversible Schäden hinterlassen. Transportiert hat Köbi Alt diese Botschaften stets mit Humor. Davon zeugen seine Lieder und Gedichte. Etwa jenes über den Chräbsebach, der, obschon verschwindend klein, irgendwann doch ins Meer fliesst und so ein Teil des grossen Ganzen ist.

Globale Sicht im kleinen Dorf

Dieses ewigen Kreislaufs ist Köbi Alt schon früh gewahr geworden. Auf einem Bauernhof in Oetwil aufgewachsen, hat der spätere Sozialarbeiter bereits als Kind mitgekriegt, was es heisst, respektvoll mit der Natur umzugehen. Ohne das Wort Nachhaltigkeit zu kennen, hätten die Menschen im kleinen Bauerndorf danach gehandelt, hat er einmal gesagt und dann eine Geschichte über seine Grossmutter erzählt. Sie habe stets das Wasser, das sie für das Reinigen der Kartoffeln verwendete, gesammelt und später für das Giessen des Gartens gebraucht. Diese, wie er sagte, global anmutende Sichtweise aus dem Blickwinkel eines kleinen Dörfleins hat ihn beeindruckt.

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Limmattaler Zeitung

Als Kind hat Köbi Alt auch gelernt, dass der Bauernberuf der wichtigste und schönste ist. In seinem Buch «Tröim us gras» aus dem Jahr 2008 beschrieb er in Gedichten und kurzen Porträts befreundeter Bauern die bäuerliche Bevölkerung mit ihrem reichhaltigen kulturellen Erbe und stellte dies der heutigen, von Rendite geleiteten Gesellschaft gegenüber. Köbi Alt verstand sich als Vermittler, der den Leuten mittels Geschichten eine für viele unbekannte Kultur näherbringt. Eine Kultur, die viel Lustvolles beinhaltet und die er den Menschen auf sinnliche und humorvolle Art näher bringen wollte. Eine Kultur aber auch, die allmählich zu verschwinden droht und für deren Erhalt er bis zuletzt gekämpft hat – mit einer klaren Haltung und seinen einfallsreichen Werken.

Gegen 100 sogenannte Heinzen, auf denen früher Heu getrocknet wurde, verzierte er mit Ziegeln sowie Gesichtern und reihte sie letztes Jahr im Wiesentäli auf. Sie standen symbolhaft für jene kleinen Bauernbetriebe, die angesichts der fortschreitenden Entwicklung zusehends unter Druck geraten und schlimmstenfalls sogar eingehen. Dieses Jahr fanden die Heinzen wieder Verwendung. Aus den Bauernhöfen waren Flüchtlinge geworden. Erneut hat Köbi Alt ein aktuelles Thema aufgegriffen und mit einer Installation im Wiesentäli auf einen wunden Punkt unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht.

Köbi Alt war sich stets bewusst, dass seine Kunst wenig an den Verhältnissen in der Welt ändern werden. Die Hoffnung, dass er zumindest im Kleinen den Menschen die Augen für das grosse Ganze öffnen könne, hat er jedoch nie verloren. Kunst könne sich nicht um die Ressourcenfrage foutieren, hat er einmal gesagt – und bis zuletzt an diesem Credo festgehalten. «Denn einfach nichts zu tun, würde ich nicht aushalten.»

Am Montag ist Köbi Alt plötzlich und unerwartet im Alter von 72 Jahren verstorben – im Wiesentäli.

Die Todesanzeige der Familie wird am Donnerstag in der Limmattaler Zeitung publiziert.