Clique Schäflibach
Die Narren haben Urdorf mit Extrazug eingenommen

Mit lautem Knall donnern die Böllerschüsse der Knabengesellschaft Urdorf über den kleinen Bahnhof in der Weihermatt. Mit quietschenden Bremsen hält ein Extrazug der Südostbahn.

Daniel Andrés Egli
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Johlend und singend ergiesst sich eine Flut an verkleideten Narren über den Perron und wird mit Volksmusik aus scheppernden Lautsprechern begrüsst.

Die traditionelle Narrenfahrt der Wollerauer Fasnachtsgesellschaft Fidelitas kann beginnen. Die Urdorfer Gastgeber strahlen am Freitag übers ganze Gesicht beim Anblick der bunt verkleideten und ausgelassenen Fasnächtler aus dem nahen Kanton Schwyz.

Fester Bestandteil der Narren von Wollerau

Die Narrenfahrt gehört alljährlich zum festen Bestandteil der Narren aus Wollerau. Seit über 35 Jahren verkleiden sich im Januar zwischen 600 und 800 Wollerauer in ihrer Gemeinde und besteigen einen Extrazug der Südostbahn. Dieser bringt die Fasnächtler dann in eine Gastgebergemeinde, in welcher die Schwyzer Narren mit Gehacktem und Hörnli bewirtet werden. «Die Narrenfahrt wurde vor 35 Jahren ins Leben gerufen und gehört zu jeder Fasnachtseröffnung in Wollerau», sagt Andi Föllmi, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Fidelitas. Es sei Jahr für Jahr ein unvergessliches Erlebnis und die Stimmung sei trotz dem hohen Alkoholkonsum immer äusserst friedlich und entspannt, erzählt Föllmi mit der Begeisterung eines echten Narren.

Nach dem Empfang am Bahnhof Weihermatt sind die Teilnehmer der Narrenfahrt mittlerweile in der Urdorfer Zentrumshalle angekommen. Mit den bunten Girlanden und den langen Festbänken ist die Sporthalle kaum wieder zu erkennen. Der offizielle Teil der Narrenfahrt ist schnell beendet. Ein kurzes Grusswort der Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner. Ein paar warme Worte des Zeremonienmeisters der gastgebenden Fasnachtsgesellschaft Clique Schäflibach Urdorf, Peter Leuzinger. Danach heizt das Duo DGmüesbuebe dem Saal mit einem Fasnachtshit nach dem andern zünftig ein. Aus grossen Einkaufswagen der Migros werden paletteweise Bier und Wein sowie kiloweise Gehacktes mit Hörnli und Apfelmus verteilt.

Ausgelassene Stimmung

Lange haben die Narren aus Schwyz aber nicht Zeit, sich von ihren Urdorfer Gastgebern bewirten zu lassen. Nach drei Stunden machen sich die rund 600 Fasnächtler wieder auf den Heimweg durch die kalte und mittlerweile dunkle Januarnacht. Die Stimmung ist bei den meisten nach wie vor gut, ja geradezu ausgelassen.

Einzelnen Narren ist das intensive Feiern aber deutlich anzumerken. Ein Nacktwanderer steht etwas verloren auf seiner Festbank und erzählt jedem, er sei auf der Suche nach der neu eröffneten Nacktwanderstrecke in Urdorf. Eine Gruppe Schlümpfe besingt ihre gefestigte Freundschaft aus vollem Hals.

Johlend und singend, so wie sie gekommen waren, besteigen die Narren kurz nach sechs Uhr abends wieder ihren Extrazug und mit einem letzten Pfeifen der Lokomotive verlässt die Narrenfahrt Urdorf.