Die Nachtflüge trüben den Flughafen-Bericht

Dank neuer Daten sinkt der Zürcher Fluglärm-Index markant. Er bleibt aber dennoch weit über der gesetzlichen Limite.

Manuel Navarro
Merken
Drucken
Teilen
Neue Flugzeuge sind weniger laut, erklären Beat Schäffer von der Empa, Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh und Markus Traber, Chef Amt für Verkehr.

Neue Flugzeuge sind weniger laut, erklären Beat Schäffer von der Empa, Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh und Markus Traber, Chef Amt für Verkehr.

Bild: key

Zuerst die gute Nachricht: Moderne Flugzeuge, allen voran diejenigen, welche die Swiss einsetzt, verursachen nachweisbar weniger Lärm als ihre Vorgänger. Das geht aus dem jüngsten Flughafenbericht des Zürcher Regierungsrates hervor, der gestern veröffentlicht wurde.

Dass die neuen Triebwerke wirken, zeigt ein Blick auf den Zürcher Fluglärm-Index (ZFI). Dieser gibt Aufschluss darüber, wie viele Personen um den Flughafen stark durch Fluglärm belästigt sind oder davon im Schlaf gestört werden. Er setzt sich aus einem Tages- und einem Nachtwert zusammen. 2018 ist der Wert insgesamt von 65507 auf 60347 Personen gesunken.

«Das sind gute Nachrichten für die Zürcher Bevölkerung», sagte Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) dazu. «Wir betonen seit Jahren unermüdlich, dass die Fluggesellschaften wie die Swiss Milliarden von Franken in neue Flotten und Technologien investieren und dass sich dies positiv auf die Lärmbelastung auswirken werde.» Doch der ZFI habe diesen technologischen Fortschritt bisher nicht abgebildet.

Das ist nun im jüngsten Bericht anders: Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa hat zwischen 2013 und 2018 den Lärm der neueren Flugzeugmodelle wie der CSeries 100 und 300, die von der Swiss eingesetzt werden, vermessen. Für die Berechnung des ZFI wurden nun erstmals diese neuen Quellendaten verwendet.

Das hat beachtliche Änderungen zur Folge. Ein Beispiel: Für die Starts und Landungen der neun Swiss-Maschinen des Modells Bombardier CSeries 100 wurden bisher für den ZFI die Lärmdaten eines Airbus A319 verwendet. Damit wurde den Flugbewegungen deutlich mehr Lärm attribuiert, als tatsächlich verursacht wurde. Im neuen Datensatz ist nun auch die CSeries enthalten, mit den korrekten, niedrigeren Werten. «Grundsätzlich ist der Zürcher Fluglärm-Index in den letzten Jahren deshalb zu hoch ausgewiesen worden», erklärte Beat Schäffer von der Empa.

Die Auswirkung der neuen Daten auf den ZFI-Wert sind erheblich. Im Vergleich zum Vorjahr 2017 ist die Anzahl lärmgeplagter Personen dank der korrigierten Werte um acht Prozent gesunken. Doch der Schein trügt: Hätte man den neuen Datensatz auch schon 2017 verwendet, hätte der ZFI-Wert zu- statt abgenommen. Zudem überschreiten auch die neuen Zahlen den Richtwert von 47000 lärmgeplagten Personen bei weitem. «Der Monitoringwert liegt 28 Prozent über der rechtlichen Vorgabe», kritisiert daher etwa die IG Nord.

Die Nachtflüge nahmen stark zu

Was aus dem Bericht ebenfalls hervorgeht: Die Lärmbelastung durch Flüge in der Nacht hat auch 2018 weiter zugenommen. Und zwar rasant. In der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr fanden letztes Jahr 13558 Flüge statt, was einer Zunahme von neun Prozent entspricht. Die Anzahl Flüge, welche nach 23 Uhr stattfanden, um Verspätungen abzubauen, hat um 15 Prozent auf über 3000 zugenommen.

Das fällt auch beim ZFI stark ins Gewicht. Der Bericht zeigt, dass die Lärmbelastung tagsüber nämlich nur wenig von der gesetzlichen Vorgabe entfernt ist. In der Nacht überschreitet die Belastung den Richtwert aber deutlich. Immerhin gibt es hier auch gute Nachrichten: Walker Späh erklärte an der Medienkonferenz – ohne konkrete Zahlen zu nennen –, dass die Werte für die Nachtflüge im laufenden Jahr zwischen Januar und September deutlich und zum ersten Mal abgenommen hätten. Dies in einem zweistelligen Prozentbereich. Zudem führte sie aus, dass die Swiss einen zweistelligen Millionenbetrag in Personal und Flugzeuge investiert sowie 40 Massnahmen eingeführt habe, um Verspätungen während des Tages besser abzufangen. Dies sollte sich positiv auf die Zahl der störenden Nachtflüge auswirken.

Walker Späh warnt vor einseitiger Politik

Dass der ZFI bald den Richtwert erreicht oder gar unterschreitet, ist nicht zu erwarten. «Wir werden nicht ruhen», erklärte Walker Späh zwar in ihrem Schlusswort hinsichtlich des zu hohen Lärms. Doch die Volkswirtschaftsdirektorin betonte auch ausführlich, wie wichtig der Flughafen Zürich für die Wirtschaft sei. «Die Erreichbarkeit globaler Zentren ist ein zentraler Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Volkswirtschaft.» Diese Erreichbarkeit stelle der Flughafen sicher. Zwei Drittel des schweizerischen Bruttoinlandprodukts würden durch Import und Export entstehen. «40 Prozent dieser Exporte verlassen die Schweiz über die Luftfracht. Wenn der Flughafen Zürich geschwächt würde und seine Rolle als nationales Drehkreuz nicht mehr wahrnehmen könnte, würden wir direkt und massiv unserer Wirtschaft und unserem Wohlstand schaden.» Sie warne deshalb davor, die Flughafenpolitik einseitig zu Lasten des Flughafens zu verändern.