Schlieren

Die mutige Mischung hat sich gelohnt — Dreikönigskonzert mit brasilianischen Rhythmen

Gelungenes Zusammenspiel: das Vinicius Gomes Quartett, Organistin Helga Váradi und Sängerin Song Yi Jeon.

Gelungenes Zusammenspiel: das Vinicius Gomes Quartett, Organistin Helga Váradi und Sängerin Song Yi Jeon.

Beim Dreikönigskonzert füllte das Vinicius-Gomes-Quartett die reformierte Kirche Schlieren mit brasilianischen Rhythmen.

Nicht drei, auch nicht vier, sondern fünf Musikerinnen und Musiker mischten am Sonntag die reformierte Kirche in Schlieren auf. Aus dem fernen Brasilien holten sie anlässlich des alljährlichen Dreikönigskonzerts grosse Gefühle ins Limmattal.

Bei seiner Begrüssung versprach der kürzlich eingesetzte reformierte Pfarrer Christian Morf dem zahlreich erschienenen Publikum eine «musikalische Reise», die es «so nur einmal zu hören geben wird». Denn Improvisation gehört beim Vinicius-Gomes-Quartett dazu. Fabio Gouvea (Bassgitarre), Paulo Almeida (Schlagzeug), Vinicius Gomes (E-Gitarre) und die südkoreanische Sängerin Song Yi Jeon hatten sichtlich Freude an ihrem Spiel. Zusammen mit Helga Váradi, der Organistin der reformierten Kirche, spielten sie ein vielfältiges Programm. Eine reizvolle Zusammenstellung von dem, was der Dialog zwischen modernem Jazz und brasilianischer Musik zu bieten hat – und das auf höchstem Niveau.

Für die Ballade «Luiza» brachten die Musiker ihre Instru­mente zum Singen. Daran schmiegte sich die samtweiche Stimme Song Yi Jeons mit gehauchten Melodien, die im Ohr nachklangen. Bei beschwingten Arrangements, wie etwa dem übermütigen «Nilopolitano», jagten sich die virtuos gespielte E-Gitarre und die Singstimme in Kaskaden irrwitzigen Tempos. Das Lametta am Weihnachtsbaum geriet leicht ins Zittern.

Es ist also kein Wunder, dass Váradi die Wahl leicht fiel, als sie von der reformierten Kirche beauftragt wurde, Musiker für das diesjährige Konzert zu engagieren. Zudem kannte sie Gomes bereits. Váradi geriet ins Schwärmen: «Brasilianische Musik ist lieblich und melancholisch zugleich.» Orgelmusik und heisse Rhythmen – eine Kombination, die zwar längst kein Tabu mehr ist, aber auch für Váradi eine Premiere war. Auf der gewaltigen Metzler-Orgel spielte sie die Solostücke «Mambo Medley» und «La Bamba».

Gelungenes Zusammenspiel: das Vinicius Gomes Quartett, Organistin Helga Váradi und Sängerin Song Yi Jeon.

Gelungenes Zusammenspiel: das Vinicius Gomes Quartett, Organistin Helga Váradi und Sängerin Song Yi Jeon.

Im Stürmeierhuus wurden gleich 17 Könige gekürt

«Mit der Orgel ergeben sich so viele harmonische Möglichkeiten», sagte Gomes, der in New York lebt, im Anschluss an das Konzert. Das Stück «Montreux» habe er ausgesucht, um die Orgel als «wertvolle» Stimme, die die anderen Instrumente verbindet, herauszustreichen. Auch Váradi wirkte sichtlich glücklich nach dem Konzert: «Ich war schon gespannt, wie die ungewöhnliche Konstellation wirken wird.» Das Publikum quittierte jedes der Stücke mit schallendem Applaus. Auch die Zugabe.

Beim anschliessenden Apéro im Stürmeierhuus, offeriert von der Kulturkommission der Stadt Schlieren, wünschte Stadtpräsident Markus Bärtschiger allen Anwesenden einen sorgenfreien und genussvollen Start ins neue Jahr. Zugleich mahnte er mit einem Augenzwinkern, sich an den Dreikönigskuchen nicht die Zähne auszubeissen. Bei insgesamt 17 Kuchen und ebenso vielen Königen standen die Chancen dafür schliesslich nicht schlecht.

Es herrschte Freude über «das gute Händchen»

Unweit des Glühweinstands entdeckte man Pfarrer Morf, ins Gespräch mit Gästen vertieft. Mit einem Schmunzeln bilanzierte er: «Der Abend ist sehr gelungen – auch dank der tollen Organisation.» Selina Zürrer, die bei der Kirchenpflege zuständig ist für das Ressort Gottesdienst und Musik, freute sich über «das gute Händchen» von Váradi bei der Auswahl der Musizierenden. Das Programm dieses Jahr sei «mutig» gewesen, so Zürrer. Doch: «Viele Leute haben sich begeistern und mitreissen lassen.» Rundum war es also ein fulminanter Auftakt für Schlieren ins neue Jahr.

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