Schlieren
Die Musikschule feiert 50-jähriges Jubiläum

Der Präsident Jean-Claude Perrin blickt auf spannende 50 Jahre Musikschule zurück. Vieles hat sich verändert – daCredo der Schule bleibt sich aber gleich: Kindern mit Musik zu einer abgerundeten Persönlichkeitsentwicklung zu verhelfen.

Franziska Schädel (Text und Fotos)
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1965 wurde die Musikschule Schlieren gegründet - am Samstag feierte sie ihr 50-jähriges Bestehen.
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Jean-Claude Perrin, Präsident der Musikschule Schlieren, begrüsst die Gäste an der Jubiläumsfeier.
Die Kids Band spielt zum 50-jährigen Bestehen der Schlieremer Musikschule auf.
Die Musikschüler spielen in der Schlieremer Kirche konzentriert auf.
Musikschule Schlieren
Auch die Lehrer der Musikschule begeistern an der Feier mit ihrer Jazz-Combo.
Mit acht Händen am Klavier.
Zum Jubiläum gab es für alle Musikschüler einen süssen Notenschlüssel.

1965 wurde die Musikschule Schlieren gegründet - am Samstag feierte sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Franziska Schädel

Als die Musikschule Schlieren aus der Taufe gehoben wurde, veröffentlichten die Beatles gerade ihr fünftes Album, Bob Dylan eroberte mit seinem Song «Like a Rolling Stone» die Hitparaden und Doktor Schiwago brachte das Kinopublikum zum Schluchzen. Das war im Jahre 1965. Am vergangenen Samstag konnte der Verein nun seinen 50. Geburtstag feiern. Er beging das runde Jubiläum mit einem bunten musikalischen Programm.

Vor der grossen Orgel der reformierten Kirche Schlieren machte sich das Jubiläumsorchester Multi Culture bereit. Die Kleinsten verschwanden fast hinter den Notenblättern. Hochkonzentriert strichen, zupften und bliesen sie auf ihren Instrumenten. Stefano Kunz, Stadtrat und Vorstandsmitglied der Musikschule, führte durch das Programm und sagte: «Multi Culture, das passt zu Schlieren.»

Heinz Müller war Musikschulleiter in den Siebzigerjahren. Sein Vorgänger, erzählte er am Jubiläumsfest, habe alle Listen noch von Hand geschrieben. Er selber habe dann auf ein Karteisystem umgestellt. «Für jeden Schüler gab es eine Karte in kleinen Kistchen.» Aber die Schüler, sagte Heinz Müller, waren damals nicht anders als heute.

Auch der heute 84-jährige Heini Pfister wusste viel über jene Zeit zu berichten, als der Verein gegründet wurde. Er war ihr erster Präsident. Damals habe Werner von Aesch, Lehrer in Schlieren und Gründer des Kinderchors «Schlieremer Chind», mit der halben Schulklasse jeweils über Mittag Gitarre geübt. «Das motivierte die Kinder, die Musikschule zu besuchen», erinnerte sich Pfister. «Wir bekamen damals von einem Gitarrenbauer aus der Region die Instrumente zu einem günstigen Preis.»

Daran kann sich auch Jean-Claude Perrin, Präsident der Musikschule, erinnern: «Der ganze Singsaal war voller Gitarren.» Es sei die Zeit der Beatles gewesen. Da hätten selbst die Buben, die zuvor nur Fussball im Kopf gehabt hatten, plötzlich Schlagzeug und Gitarre spielen wollen.

Für das Publikum hatte Perrin eine persönliche Erinnerung bereit. Weil er als kleiner Bub von seiner Blockflöte so begeistert war und ihr ganz speziell Sorge tragen wollte, habe er sie einmal tüchtig im Lavabo gebadet. Der «Speuzchnebel», wie die Blockflöte im Volksmund genannt wird, sei seine «Einstiegsdroge in die Welt der Musik» gewesen.

«Die Musikschule Schlieren ist gegründet worden, um Kindern mit Musik zu einer abgerundeten Persönlichkeitsentwicklung zu verhelfen und ihnen eine bereichernde Freizeit zu ermöglichen. An diesem Credo wollen wir auch in Zukunft festhalten.»

Schlieren war vor 50 Jahren erst die siebte Gemeinde im Kanton, die eine Musikschule hatte. «Damals spielten 60 Prozent der Kinder Klavier, daneben wurde Geige, Querflöte und Gitarre gelernt», erzählte Susanne Gild, Präsidentin des Verbands Zürcher Musikschulen.

Heute habe man eine ganze Bandbreite an Instrumenten zur Verfügung und die Blockflöte sei nicht mehr als Einstiegsinstrument Bedingung, dass man ein anderes Instrument lernen dürfe. «Es hat sich viel verändert in den letzten 50 Jahren. Heute legt man mehr Wert darauf, wie man mit dem Publikum kommuniziert und auch das Zusammenspiel hat einen ganz anderen Stellenwert erhalten.»

In die Titelmelodie der James-Bond-Filme, mit der das Lehrerensemble Surprise das Programm abrundete, mischte sich das Geläut der Glocken. Von der Kirchendecke schwebten silberner Flocken auf die Gäste nieder. Das Geburtstagsfest war zu Ende. Für die Kinder gab es als Dank einen Notenschlüssel aus Schokolade.