Schlieren

Die Muscheln unter dem Ball helfen bei meiner Spielweise

Marina Radulovic (auf der Sportanlage Zelgli in Schlieren) mit einer Abbildungihres Torjubels im Spiel gegen England.

Marina Radulovic (auf der Sportanlage Zelgli in Schlieren) mit einer Abbildungihres Torjubels im Spiel gegen England.

Beachsoccerspielerin Marina Radulovic aus Schlieren über das am längsten herbeigesehnte Spiel in ihrer Nationalmannschaftskarriere.

Es war eine Ehre: Wir durften als Schweizer Nationalmannschaft bei einem Vierländerturnier in Portugal das erste offizielle Frauen-Beachsoccer-Spiel der Fifa bestreiten. Gegen England gewannen wir 9:5. Es war zwar ein klarer Sieg, aber wir bemerkten, dass die Engländerinnen innert kurzer Zeit grosse Fortschritte gemacht hatten. Kam dazu, dass wir nervös waren. Wir hatten vorher auch schon im Zürcher HB gespielt, aber das war nicht vergleichbar mit dieser Situation, in der wir uns wirklich beweisen wollten.

Einmal warf unser Goalie den Ball in meine Richtung, ich konnte im Beachsoccerstil volley verwerten. Das ist ein cooles Feeling und der Grund, warum ich diesen Sport so mag: Im Gegensatz zum Rasenfussball kommst du mehr zur Geltung, hast öfter den Ball und bist nicht unter Umständen minutenlang verloren.

Ich genoss es, im Ausland zu spielen, in der Wärme – und auf einer ungewohnten Position: Eigentlich war ich immer auf dem Flügel gewesen, in diesem Match spielte ich im Sturm. Auch der Sand war aussergewöhnlich; jeder ist unterschiedlich in seiner Tiefe und Körnigkeit, was das Spiel verändert. In Portugal verwendeten sie den ungefilterten Sand vom Strand, er hatte Muscheln drin. Dadurch blieb der Ball oft stecken, sodass wir wirklich Beachsoccer spielen mussten, den Ball also in der Luft zirkulieren lassen. Das kam meiner Spielweise entgegen.

Auch die Atmosphäre war neu für uns. Nachdem es zuerst mager ausgesehen hatte im Stadion, füllten sich die Tribünen, plötzlich wurden wir angefeuert. Die Engländerinnen sangen die Hymne laut mit. Von uns hatten einige den Text noch im Car vorher geübt. Ich wollte mich kurzfristig entscheiden. Weil eine Kollegin neben mir falsch sang, konzentrierte ich mich schliesslich darauf, nicht zu lachen.

Mit diesem Spiel ernteten wir die Früchte unserer Arbeit. Schon seit 2008 gibt es das Team, doch erst seit ein, zwei Jahren wird im Schatten der erfolgreichen Männer überhaupt über uns gesprochen. In Portugal fühlten wir uns zum ersten Mal wie eine richtige Nationalmannschaft.

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