Die Weinflaschen klirren, die Bierdosen klappern – doch etwas fehlt neuerdings bei den Sammelstellen in Oberengstringen: die Mülleimer. Darin entsorgten viele die Tüten, in denen sie ihr Altglas und Aluminium zur Sammelstelle bringen.

Die Gemeinde hat die Eimer bei den drei Sammelstellen kürzlich entfernt, berichtete der «Engstringer Kurier». Zu oft wurden bei den Sammelstellen ganze 35-Liter-Abfallsäcke mit Hauskehricht entsorgt, um 1 Franken und 70 Rappen zu sparen. So viel kostet einer der grauen Limmattaler Gebührensäcke.

«Zuletzt ist dieses Problem überbordet. Es wurde alles Mögliche bei den Sammelstellen liegen gelassen. Darum haben wir uns für diese kurzfristige Massnahme entschieden», sagt der Oberengstringer Gesundheitsvorstand David Specker (FDP). Doch die gewählte Lösung birgt auch Nachteile. «Es ist schade, dass nun niemand mehr seinen leeren Papiersack vor Ort entsorgen kann», sagt Specker, «die Allgemeinheit leidet nun unter dem Verhalten einiger weniger Abfallsünder.» Jene Einwohner, die sich bei der Gemeinde über den illegalen Abfall beschwerten, freuen sich. Andere stören sich an der Entfernung der Mülleimer.

Lieferwagen voller Hausabfälle

Am akutesten war das Problem illegaler Entsorgung bei der Sammelstelle Werkgebäude. «Manche Personen sind in der Nacht oder am Wochenende mit Lieferwagen angefahren und haben riesige Mengen Unrat entsorgt», sagt Specker. Für die Mitarbeiter der Gemeindewerke führte dies zu grossem Aufwand. «Es ist nicht die Idee, dass die Gemeindemitarbeiter illegalen Entsorgern hinterherwischen müssen.»

Weitere Massnahmen sind bereit

Zudem wühlten die Gemeindemitarbeiter im illegal entsorgten Abfall. «So konnten wir einige der Abfallsünder ausfindig machen und verzeigen. Sie werden gebüsst», sagt Specker. Weitere ausgearbeitete Massnahmen werden laut Specker zurzeit geprüft.

Oberengstringen ist nicht allein mit diesem Problem, wie eine Nachfrage bei anderen Gemeinden zeigt. So verzeigt auch Schlieren regelmässig illegale Müllentsorger, wie André Thoma, Leiter des Werksekretariats, bestätigt. Die Werkmitarbeiter durchwühlen jährlich gut 300 Abfallsäcke, die illegal in Kehrichtcontainern, am Strassenrand oder bei Sammelstellen hingestellt werden. Bei gut 40 Säcken können sie Beweise sichern und leiten diese der Stadtpolizei weiter. Reicht die Beweislast aus, spricht das Statthalteramt Bussen aus. Zudem verrechnet die Stadt eine Pauschale von 180 Franken für den Aufwand der Werksmitarbeiter.

Wie Thoma sagt, sei das Problem bei Sammelstellen aber nicht mehr so stark verbreitet, seitdem acht der zehn Schlieremer Sammelstellen mit Unterflurcontainern ausgestattet sind: «Solche Sammelstellen sind viel übersichtlicher. Wer dort illegal Abfall entsorgt, wird schnell einmal beobachtet. Das erhöht die Hemmschwelle», so Thoma. Anders bei klassischen Sammelstellen: Dort bieten die grossen Container auf Bodenniveau den Abfallsündern ein Versteck, um unbemerkt ihren Hauskehricht oder Sperrgut zu deponieren. «Grundsätzlich muss man aber auch sagen, dass das Problem illegaler Entsorgung nicht nur bei Sammelstellen, sondern auch bei anderen öffentlichen Abfalleimern vorkommt», sagt Thoma.

Bei den Sammelstellen hat Schlieren spezielle Behältnisse aufgestellt, um Papiersäcke zu entsorgen – ein kleiner Schlitz verunmöglicht es, grössere Abfallmengen hineinzuwerfen.
Urdorf hat schon lange keine Abfalleimer mehr bei den Sammelstellen. Das helfe, illegale Entsorgung zu verhindern. «Ab und zu kommt das natürlich trotzdem vor», sagt der Abteilungsleiter Werke, Claudio Fiechter. Am meisten Abfall landet bei der Sammelstelle Zwischenbächen – der einzigen in Urdorf, bei der die Container noch nicht im Untergrund liegen.

In Unterengstringen scheint das Problem hingegen nicht akut zu sein: So ist die Hauptsammelstelle, die derzeit wegen des Neubaus des Gemeindehauses ein Provisorium ist, sowieso betreut und verfügt über keine Eimer. «Bei den anderen Sammelstellen hat es zwar Eimer, aber die Müllmenge, die dort entsorgt wird, ist nicht grösser als bei anderen öffentlichen Eimern, wie sie zum Beispiel an Bushaltestellen stehen», sagt Charlotte Kälin, Leiterin des Unterengstringer Gesundheitssekretariats. Und fügt an: «Wir hoffen, dass das so bleibt.»

Die Gemeinde Weiningen hat erst kürzlich abgeklärt, welchen Aufwand die Sammelstellen für die Gemeindemitarbeiter verursachen. Eine Problem mit Fremdabfall wurde nicht festgestellt, sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin, Noeline Schulz.

Dietikon ist ebenfalls betroffen

Die Stadt Dietikon, die neben einer Hauptsammelstelle über sechs unbetreute Sammelstellen verfügt, stellt immer wieder fest, dass an den Sammelstellen illegal Abfall entsorgt wird. «Es handelt sich aber nicht um ein kontinuierliches Problem», sagt der stellvertretende Leiter der Infrastrukturabteilung, Roger Meyer, «denn manchmal tritt das Problem monatelang nicht auf.»