Urdorf

Die Motivation im Ukulelenchor steigt mit jedem neuen Akkord

Bruno Müller probt regelmässig mit seinem fünfköpfigen Ukulelenchor. Die Gruppe gibt es erst seit letztem Oktober, doch heute spielen die Musizierenden bereits bekannte Volkslieder. Dazu wird lautstark gesungen.

Mit der linken Hand drückt Bruno Müller eine Saite seiner Ukulele nach unten und blickt in die kleine Runde. «Den ersten Finger heben und den zweiten hinüberziehen», erklärt er seinem fünfköpfigen Ukulelenchor. «Genau so», lobt der Dietiker seine Schülerinnen und Schüler, die Schritt für Schritt seiner Anleitung folgen. «Jetzt mit dem dritten Finger nachspringen.»

Mit einem Plektrum streift Müller über die Saiten des gitarreähnlichen Zupfinstruments. Der C-Akkord ertönt. Die Chormitglieder tun es ihm gleich. «Moment», unterbricht Müller gleich wieder. «Da sind noch Ukulelen verstimmt.» Nach einigem Drehen an den Stimmwirbeln liegen die Finger der Ukulelenschüler erneut auf den Saiten der Instrumente. Der Akkord erklingt diesmal einstimmig aus den Hohlkörpern der fünf Instrumente. Müller schliesst die Augen, lauscht dem Klang und nickt schliesslich zufrieden.

Niemand besass eine Ukulele

Der pensionierte Musiklehrer unterrichte bis vor kurzem Kinder, die Blockflöte spielten. Oft begleitete er sie dabei auf der Ukulele. Die Kinder waren so begeistert vom Instrument mit den vier Saiten, dass auch sie es spielen wollten. Müller begann darauf, einer Gruppe von Kindern das Ukulelespielen beizubringen. Nach seiner Pension kam Müller im vergangenen Sommer auf die Idee, einen Ukulelenchor für Erwachsene zu gründen und machte sich auf die Suche nach Interessierten.

Schon bald meldeten sich fünf potenzielle Chormitglieder, vier Frauen und ein Mann – Ukulele spielen konnte bis dato niemand von ihnen. Und natürlich habe auch niemand ein Instrument besessen. «Als Erstes machten wir uns auf ins nächste Musikgeschäft und kauften für alle eine Ukulele», sagt Müller und schmunzelt. Danach habe er mit allen einzeln geprobt, bis er die Gruppe zusammenführen konnte, erzählt Müller. Es sei nicht einfach gewesen, alle auf das gleiche Niveau zu bringen. «Manche konnten noch nicht einmal Noten lesen.»

Singen und Musizieren gleichzeitig

Im Oktober 2012 begann der vollständige Chor mit gemeinsamen Proben im Schulhaus «Feld» in Urdorf. Ein Griff nach dem anderen wurde geübt – bis der Chor die ersten einfachen Lieder spielen konnte. Auch das Singen wollte gelernt sein. Zwar singen zwei der fünf Mitglieder bereits in einem Chor, doch Gesang und Musizieren unter einen Hut zu bringen war für alle eine neue Herausforderung.

Jetzt, fünf Monate später, spielt die Gruppe bereits bekannte Volkslieder wie «Bruder Jakob» und «Der fröhliche Wanderer» und singt dazu lautstark mit. Letzteres Lied überfordert die Chormitglieder zwar noch etwas. «Es ist der G-7-Akkord, der mich aus dem Takt kommen lässt», meint eine der Ukulelenspielerinnen und seufzt. Doch Müller zeigt sich geduldig mit seinen Schülern: «Auch wenn es mal schief klingt, spielt weiter. Das macht gar nichts.»

Das Vorankommen der Gruppe hängt aber nicht zuletzt vom Ehrgeiz und Einsatz jedes Einzelnen ab. Nach sechs Blöcken gibt es jeweils eine Probepause. In dieser Zeit müssen die Chormitglieder zu Hause alleine üben. Müller teilt den Ukuleleschülern dafür möglichst viele verschiedene Stücke aus. «Damit es Abwechslung gibt und die Nerven der Lieben zu Hause geschont werden», sagt Müller und lacht. Die Chormitglieder dürfen aber auch selbst Liedervorschläge mitbringen. Ausser klassische Musik könne nämlich fast alles gespielt werden, so Müller. Für Anfänger bieten sich vor allem Schlager und Evergreens an.

Bis der Chor vor Publikum auftritt, will er noch viel proben. Doch mit jedem weiteren Griff, den die Mitglieder lernen, steigt die Motivation. Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, bis zu ihrem ersten Auftritt völlig ohne Notenblätter zu spielen.

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