Urdorf
Die Mobilität bewegt ihn: René Gutknecht prägt die Dietiker GLP

René Gutknecht war der erste grünliberale Kantonsrat des Bezirks Dietikon und gab der Partei so ein Gesicht. Verkehrspolitik ist für ihn mehr als eine Herzensangelegenheit.

Alex Rudolf
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Trat bei den Wahlen vom 12. April nicht mehr an: René Gutknecht.

Trat bei den Wahlen vom 12. April nicht mehr an: René Gutknecht.

Alex Rudolf

In seiner Urdorfer Genossenschaftswohnung geniesst René Gutknecht aus jedem Fenster eine Sicht direkt ins Grüne. Der 57-Jährige sitzt am Küchentisch und trinkt Kaffee, während er über die letzten vier Jahre im Kantonsrat nachdenkt. Aus gesundheitlichen Gründen trat er aus dem Gremium zurück.

Mit seiner überraschenden Wahl in die kantonale Legislative im Jahr 2011 verdrängte Gutknecht nicht nur den EVP-Kantonsrat Kurt Leuch, sondern wurde auch auf einen Schlag zum Gesicht der Grünliberalen des Bezirks Dietikon. In welches Gesicht blicken die Wähler, die bei den Gesamterneuerungswahlen vom vergangenen 12. April die GLP-Liste eingeworfen haben, heute?

Eltop-Läden waren «alter Zopf»

Als politische Erfolge nennt Gutknecht etwa die Schliessung der unrentablen Eltop-Läden, in denen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich Haushaltsgeräte verkauften. Gutknecht, der in der Aufsichtskommission über die wirtschaftlichen Unternehmen (AWU) Einsitz hatte, hatte darauf gedrängt. «Die Läden waren ein alter Zopf.» Auch das Verkehrspaket «Limmattalbahn», das mit den Ratskollegen aus dem Bezirk vorwärtsgebracht und bekanntgemacht wurde, liege ihm sehr am Herzen.

Dies ist eine Untertreibung. Für Gutknecht ist die Verkehrspolitik mehr als eine Herzensangelegenheit, sie ist der Kern seines politischen Wirkens. Rund die Hälfte seiner eingereichten oder mitunterzeichneten Vorstösse betreffen die Mobilität. Der Sicherheitsfachmann erklärt dies damit, dass er in unserem Verkehrsverhalten noch so unglaublich viel Entwicklungspotenzial sehe. Unter anderem setzte er sich für Sofortmassnahmen auf der Westumfahrung, Tempo 80 auf den Autobahnen rund um die Stadt Zürich und eine Erweiterung der Limmattalbahn zwischen Weiningen und Oberengstringen ein. Letzteren Vorstoss zog er selber zurück.

Es war alles vergebene Liebesmühe: Kantons- oder Regierungsrat erteilten jeweils eine Abfuhr. Seine Erkenntnis daraus: «Das Auto ist hierzulande eine heilige Kuh.» Seine verkehrspolitischen Gegner – vornehmlich aus der Ratsrechten – sähen ihre Freiheit durch solche Vorstösse eingeschränkt. Gutknecht findet: «Ob man nun mit 120 oder 80 Kilometern pro Stunde über die Autobahn fährt, hat nichts mit Freiheit zu tun.»

Er gesteht, dass er im Verkehr und bei Sozialthemen gerne mit der Ratslinken gestimmt habe, innendrin aber ein strammer Bürgerlicher sei. Dem Rat konnte er trotzdem nicht viele seiner Vorstösse schmackhaft machen. So wird in kantonalen Verpflegungsbetrieben künftig nicht auf Fleisch aus ausländischer Massenproduktion verzichtet, Jugendliche zwischen 12 und 17 werden künftig kein Initiativrecht haben und ein Finanzausgleich für Gemeinden mit hohen Sozialkosten wird ebenfalls nicht aufgrund eines Vorstosses Gutknechts geschaffen. Ein vergleichbarer Vorstoss von Rosmarie Joss (SP, Dietikon) hat grössere Aussichten auf Erfolg.

Viel weiter als vor vier Jahren sind die Grünliberalen heute nicht. Gutknechts Partei stellt noch immer keinen Exekutivpolitiker, in den Gemeindeparlamenten von Schlieren und Dietikon finden sich zwei beziehungsweise ein Vertreter. «Es fehlt uns die Basis, das ist ganz klar», so Gutknecht. Die Strategie des Vorstandes sei aber die richtige. «Man muss nicht in jedem Gremium sitzen, aber dort, wo man ist, müssen kompetente Leute vollen Einsatz leisten.»

Die Zukunft der Grünliberalen lasse er in vertrauenswürdigen Händen. Eine Idee aus der Gründungszeit der Dietiker GLP sähe er trotzdem gerne realisiert: «Dietikon, Schlieren und Urdorf zu fusionieren, wäre zukunftsgerichtet und fortschrittlich. Nur so kann man am selben Strick ziehen – nicht zuletzt in der Verkehrspolitik», sagt er und blickt zurück ins Grüne.