Die Fotos von Mörli, Rösi, Lusti und Hirsch prangen an der Wand der Museumsscheune in Birmensdorf. «Das sind elegante Kühe, aber unterschiedliche Typen», sagt Albert Wey, Mitglied der heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf. Lusti beispielsweise habe einen robusten Stand und einen grossen Euter; eine klassische Milchkuh. Ganz im Gegensatz zu Hirsch, die eine Milch- und Fleischkuh sei.

Der gelernte Landwirt ist der Kurator der Ausstellung «Milchwirtschaft in Birmensdorf». Im Schaulager des Ortsmuseums zeigt Wey heute Nachmittag, wie sich die Milchwirtschaft seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat. «1844 wurde die erste Milchgenossenschaft in Birmensdorf gegründet», erzählt der 66-Jährige. 60 Milchlieferanten habe es gegeben. Bis anfangs des 20. Jahrhunderts sei die Zahl auf 78 gestiegen. Die Bauern hätten damals den Milchgenossenschaften Birmensdorf, Landikon und Risi rund 950 000 Kilogramm Milch pro Jahr abgeliefert. «2008 waren es noch neun Landwirte», sagt Wey. Rund 1 630 000 Kilogramm Milch hätten sie in jenem Jahr produziert.

Watte entlarvte Verunreinigungen

Die Themenausstellung der heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf zeigt nicht nur die Neuerungen rund um die Arbeitsmaschinen, die Futterlagerung oder die Umstellung von den Milchannahmestellen zur Hofabfuhr. Sie gewährt auch einen Einblick in das Leben eines Landwirts: die einfachen aber effizienten Arbeitsgeräte, die Milchschwemmen, mit denen Bauern konfrontiert waren und auch die sogenannten «Milchfecker» – Hilfsinspektoren der Genossenschaft – die unangemeldet aufkreuzten. Zwei- bis dreimal pro Monat hätten sie Proben an den Milchannahmestellen entnommen, so der ehemalige Wasserschutzpolizist der Stadt Zürich. Anhand eines Wattebäuschels habe man gesehen, ob die Milch verunreinigt war. «Wenn ja, wurde der Name des Bauers samt der Watte öffentlich gemacht», sagt Wey. Entsprechend habe man auch Landwirte bestraft, die ihre Milch panschten. 1912 seien denn auch die ersten beiden Bauern erwischt worden.

Die zeitgeschichtlichen Ausstellungstücke zur Milchwirtschaft sind auf einigen Quadratmetern angelegt worden – genauso, wie alle anderen Gegenstände, die in der Museumsscheune zu entdecken sind. «Es gibt so viele Geschichten zu erzählen, dass wir uns entschieden haben, einmal pro Monat eine Themenausstellung zu machen», sagt Wey.

Zentrifuge trennt Milchmoleküle

Neben den Trouvaillen zur Milchwirtschaft ist im Schaulager unter anderem auch eine traditionelle Schmiede, eine Drechslerei, eine Feuerwehrecke, eine Küferei oder die alte Kirchenuhr mit Zifferblatt aus dem Jahr 1924 zu bestaunen. Fast alle Ausstellungsstücke sind auch funktionstüchtig. So auch die Milchzentrifuge, die Wey mit viel Krafteinsatz zum Schleudern bringt. «Sie trennt die Milchmoleküle», erklärt er. Nach Inbetriebnahme fliesse oben der Rahm heraus, unten die Magermilch.

Wey, der auf einem Bauernhof im Fricktal aufgewachsen und vor über 35 Jahren nach Birmensdorf gezogen ist, sagt: «Es ist interessant, die Objekte wieder in Betrieb nehmen zu können.» Nebst den fachkundigen Informationen rund um die Milchwirtschaft kann der begeisterte Alphornbläser auch auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. So wie damals, als er mit 16 Jahren beim Käsen das Gleichgewicht verlor und die Wanne gefallen sei. So etwas konnte in Birmensdorf nicht geschehen; denn hier, sagt Wey lachend, habe man nicht gekäst.

«Milchwirtschaft in Birmensdorf»:
Ortsmuseum Birmensdorf, Schaulager. Heute Samstag offen von 14 bis 16 Uhr.