Die aktuell 84 Bewohner des Alterszentrums Sandbühl brauchen täglich Medikamente. Für die Organisation dieser Versorgung benötigt das Personal viel Zeit. Erst kürzlich gab der Stadtrat bekannt, einen einjährigen Pilotversuch mit der Stadtzürcher Apotheke zum Pilgerbrunnen am Albisriederplatz zu starten. Diese beliefert das Alterszentrum ab dann mit vorgefertigten Medikamenten-Portionen.

Heute kaufe das Alterszentrum die ärztlich verordneten Medikamente ein und verkaufe diese an seine Bewohner weiter. Sämtliche Arbeitsprozesse wie Bestellung, Lieferung, Lagerung, Richten, Kontrolle und Abgabe werden vom diplomierten Pflegepersonal verrichtet. «Trotz Vieraugenprinzip können im hektischen Alltag dabei Fehler passieren», schreibt der Stadtrat in seinem Beschluss.

Hinzu komme, dass für den Wiederverkauf von Medikamenten eine Einzelhandelsbewilligung vorliegen muss. Das Sandbühl verfügt über eine solche jedoch nicht. «Wir wurden kürzlich vom Kanton darauf aufmerksam gemacht, dass diese Bewilligung fehlt», sagt Christian Meier (SVP), Ressortvorstand Alter und Soziales, auf Anfrage. Dies habe den Stadtrat zum Handeln bewogen.

Neu wird verblistert

Beim neuen System spielt ein Prozess eine zentrale Rolle: die Verblisterung. Damit ist die Sichtverpackung von Gütern gemeint – in diesem Fall von Medikamenten. Für jeden Einnahmezeitpunkt jedes Patienten gibt es einen Behälter, der die ihm verschriebenen Arzneimittel enthält. Diese Behälter werden ab Januar von der Zürcher Apotheke zum Pilgerbrunnen abgepackt und wöchentlich zum Sandbühl geliefert.

Vorteile dieses neuen Systems sieht der Stadtrat etwa darin, dass die Ware nun unter pharmazeutischen Gesichtspunkten verpackt und das Fehlerrisiko wegen vorgeschriebener Qualitätskontrollen nahezu auf null reduziert werde. «Zudem werden den Bewohnern die Medikamente direkt verrechnet, was die administrativen Abläufe für das Alterszentrum vereinfacht», so der Stadtrat.

Die Zürcher Apotheke zum Pilgerbrunnen liefert bereits verblisterte Medikamente an ein Behindertenheim und nehme derzeit an einem Pilotversuch für ein anderes Alterszentrum der Stadt Zürich teil. Demnach verfüge man über viel Erfahrung in diesem Bereich.

Nullsummenspiel erwartet

Pro Bewohner des Sandbühl und Woche kommen so Kosten von 21.60 Franken zusammen. Im Budget 2017 stellte die Exekutive einen Betrag von 100 000 Franken für diesen Posten ein. Wie Meier auf Anfrage sagt, solle es sich jedoch um ein Nullsummenspiel handeln. Werde die Verblisterung definitiv fremdvergeben, könnten in der Abteilung Alter und Pflege rund 100 Stellenprozente eingespart werden.

«Bereits während der Testphase vom kommenden Jahr, kann das spezialisierte Pflegepersonal sich wieder mehr um die Bewohner des Alterszentrums kümmern, was ja auch ihre Kernaufgabe ist», so Meier. Wird das neue Medikamenten-Management ab 2018 definitiv übernommen, müsste erst ein Submissionsverfahren durchgeführt werden, schreibt der Stadtrat in seinem Beschluss weiter.