Die Roten werfen nochmals alles nach vorne, als die Schlussphase in der Partie gegen die Harrison Kings beginnt. In hohem Bogen schlagen die Viertklässler der Schule Zentral, die unter dem Namen des FC Dietikon antreten, den Ball auf die gegnerische Seite. Dort steht eines der Mädchen, die im Team der Kings spielen. Die Nachwuchskickerin köpft den Ball lehrbuchmässig auf die andere Seite des Spielfeldes und schaut ihre Teamkollegin mit offenem Mund an, bevor sie ihn zu einem Lächeln verzieht. Offenbar kann sie selbst nicht glauben, dass ihr soeben ein perfekter Kopfball gelungen ist.


Ungläubig sind auch die Dietiker. Weniger wegen des Kopfballs als vielmehr wegen des Spielverlaufs. Der FC Dietikon geht nämlich in seinem dritten und letzten Gruppenspiel verdient in Führung und bestimmt die Partie, die wie alle anderen 13 Minuten dauert. Dann jedoch müssen die Dietiker in den roten Trikots noch den 1:1-Ausgleich hinnehmen. Bei diesem Spielstand bleibt es.

Für die Viertklässler des FC Dietikon eine Enttäuschung. Die noch grössere Enttäuschung ist aber, dass sie den Final des regionalen Schülerturniers verpasst haben. Schliesslich haben die Dietiker in den letzten beiden Jahren das Turnier in ihrer Kategorie gewonnen. Die Qualifikation für den Final war auch dieses Jahr ihr Ziel. Angesichts der Qualität der Mannschaft wären die Chancen durchaus intakt gewesen, denn ein Teil der Spieler, trainiert in den Nachwuchsmannschaften des FC Dietikon.

Doch stattdessen müssen sie sich jetzt vom Traum eines Turniersiegs verabschieden. Daran ist nicht nur die Niederlage gegen die Kings schuld. Doch bei dieser Partie scheint sich der Frust besonders angestaut zu haben. Ein Schuldiger ist auch schnell gefunden. «Der Schiri war schlecht», sagt der zehnjährige Fabio, und sein gleichaltriger Teamkollege Enis ergänzt: «Ja, er hat einen Einwurf gepfiffen, der gar keiner gewesen wäre.» Und der elfjährige Pascal vermutet sogar ein Komplott, wobei sich diese Theorie nicht belegen lässt. Die Viertklässler sind nicht die Einzigen, die sich an diesem Samstag ärgern. Auch die Spieler anderer Teams, die frühzeitig ausscheiden, machen ihrem Unmut nach dem Schlusspfiff Luft.

Aus der Traum vom Hattrick

Emotionen, die Edi Alimi nachvollziehen kann. Er trainiert die Viertklässler der Schule Zentral und ist selber enttäuscht. «Wir sind es uns gewohnt, den Siegerpokal in die Höhe zu stemmen», sagt er. «Wir hätten gerne den dritten Turniersieg in Folge und damit den Hattrick geholt.» Aber nicht nur wegen des Pokals. Ein Sieg am Schülerturnier ist offenbar auch auf dem Pausenplatz sehr wertvoll. «Dort gibt es jeweils viel Gerede, wenn sie ein solches Turnier gewinnen», sagt Alimi. Entsprechend motiviert seien die Kinder vor dem Turnier gewesen. «Wir haben vorher auch zweimal zusammen trainiert», so Alimi. Das hat man den Schülern aus Dietikon in der Partie gegen die Kings zwar angemerkt. Trotzdem wirktensie in den Zweikämpfen teilweise gehemmt. Das hat offenbar damit zu tun, dass die Kings mit Mädchen antreten. «Die Mädchen darf man nicht schubsen», sagt Enis.

Hinzu kommt ein weiterer Nachteil. Da in der Kategorie der Knaben aus der 4. Klasse weniger Mannschaften dabei waren als früher, gab es nur eine Gruppe. Sprich: Die K.-o.-Phase zwischen den Teams aus beiden Gruppen fiel weg. So entschied das Abschneiden in der Vorrunde bereits, ob man den Final erreicht oder nicht. «Da wiegt eine Niederlage eben schwer», so Alimi.
Insgesamt haben sich in diesem Jahr 20 Teams weniger angemeldet als noch im vergangenen Jahr. 75 Mannschaften kickten um den Pokal, alle von ihnen stammen aus dem Limmattal, die meisten aus Dietikon. Trotz der niedrigeren Zahl ist man bei den Organisatoren zufrieden: Das Turnier sei planmässig durchgeführt worden, es habe lediglich eine Verzögerung von zehn Minuten gegeben. Für die Viertklässler der Schule Zentral endet das Schülerturnier jedoch doch noch versöhnlich. Sie holen sich am Ende den dritten Rang und damit eine Medaille. Immerhin.