Neue Quartiere bringen neue Strasse, die Namen brauchen. In Dietikon sorgt die Auswahl der Namen für die neuen Strassen im Limmatfeld für Unmut. Der Dietiker Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) hat deshalb zusammen mit zwölf Mitunterzeichnenden eine Interpellation eingereicht, die vom Stadtrat eine Korrektur der Namensgebung verlangt. Die Neujahrblattkommission und die Kommission für Heimatkunde unterstützen den Vorstoss.

Kritisiert werden unter anderem die Namen Marmori- und Rotfarbstrasse. Beide Strassennamen nehmen Bezug auf Fabriken, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Dietikon ansässig waren. Die Namen sollen an die Industriegeschichte der Stadt erinnern. Allerdings befand sich keiner der namengebenden Betriebe im Limmatfeld: Die Marmorifabrik hatte ihren Standort beim Marmoriweiher, die Textilfärberei Rotfarb an der Reppisch bei den heutigen Reppischhallen.

Verwchslungen befürchtet

Dieser Sachverhalt werde künftig zu Verwechslungen führen, schreibt Neff in der Interpellation. Dietikerinnen und Dietiker würden Auswärtige wohl eher zum Marmoriweiher als ins Limmatfeld weisen, wenn sie nach der Marmoristrasse gefragt würden. Zudem stört die Loslösung der Namen von ihren historischen Orten alteingesessene Dietikerinnen und Dietiker.

Die kontroversen Strassennamen gehen auf einen Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2008 zurück. Vorgeschlagen wurden die Namen vom Generalunternehmer. «Ich bin erstaunt, dass keine Rücksprache mit Leuten genommen wurde, die mit der Geschichte Dietikons vertraut sind», sagt Hans-Peter Trutmann, Präsident der Neujahrsblattkommission, zum Namengebungsprozess. Denn das Limmatfeld würde eigentlich keine Bezüge zur Marmorifabrik und zur Rotfarb-Färberei brauchen, um an Dietikons Industriegeschichte zu erinnern. Es war selber ein Schauplatz dieser Entwicklung.

In Webereistrasse umbenennen

Beispielsweise beschäftigte hier eine Weberei bis 1934 rund 400 Personen und war während rund 70 Jahren eine der grössten Arbeitgeberinnen der Stadt. Trutmann schlägt deshalb vor, dass die Marmori- oder die Rotfarbstrasse in Webereistrasse umbenannt werden soll.

Dann könnte er sich auch eine Rosa-Zgraggen-Strasse vorstellen: «Sie war eine mutige Frau. Mitten im Zweiten Weltkrieg entschloss sie sich, in Dietikon eine Kreidefabrik zu eröffnen.» Die Ortsansässigen gaben der zugezogenen Unternehmerin den Rufnamen «Chride-Röösi».

Neffs Interpellation wird von Mitgliedern verschiedener Ortsparteien mitgetragen. Trutmann, der auch selber den Stadtrat kontaktiert hat, äusserst sich optimistisch, dass die Auswahl der Namen für die neuen Strassen im Limmatfeld nochmals überdacht wird.