Dietikon

Die Malerin lässt ihre Bilder erzählen — Lehner zeigt sie in der Stadtbibliothek

Zita Lehner ist gespannt, wie die Besucher auf Ihre Bilder reagieren.

Zita Lehner ist gespannt, wie die Besucher auf Ihre Bilder reagieren.

Zita Lehner hat schon zig Bilder gemalt. Allerdings ausschliesslich für sich selbst. Nun wird sie ihre Bilder erstmals überhaupt ausstellen. Während zweier Monate in der Stadtbibliothek Dietikon.

Tiefes Himmelblau über einer zugeschneiten Bergkette. Blassgrau für einen Wintermorgen. Zita Lehner spielt gerne mit den Nuancen «ihrer» Farbe Blau. Vielleicht malt sie deshalb gerne Winterlandschaften. In deiner Welt kannst du alles malen, was du willst, hat mal Kult-Maler Bob Ross gesagt. Nach seinem Vorbild hat Lehner schon zig Bilder gemalt. Allerdings ausschliesslich für sich selbst. Nun wird sie ihre Bilder erstmals überhaupt ausstellen. Während zweier Monate in der Stadtbibliothek Dietikon.

Die 63-Jährige lebt seit 40 Jahren mit ihrem Mann in der Stadt. Hier wuchsen auch ihre beiden Söhne auf. Zum Malen kam die Hausfrau durch einen glücklichen Zufall. In den 1990er-Jahren begleitete sie eine Kollegin zu einem Bauernmalerei-Kurs. So pinselte Lehner jahrelang Blumenmotive, auf Kommoden oder gar ein Schuhregal. Gleichzeitig begann sie, kleine Naivbilder auf Holz zu malen. Wie sie schliesslich zum Acrylmalen kam, weiss sie gar nicht mehr. Ihre Acrylbilder sind mittlerweile um ein Vielfaches grösser als ihre Naivbilder – und Zeugnisse von ihrem Experimentieren mit verschiedensten Techniken.

«Ich bin eine Freizeitmalerin»

Inspiration findet Lehner überall, etwa auf ihren vielen Spaziergängen an der Limmat. «Ich habe einige Ideen im Kopf, aber manchmal Mühe, die zeichnerisch umzusetzen.» Zur Vision gehört also etwas Instruktion dazu. Lehner hat zahlreiche Kurse besucht – und arbeitet doch in jedes Werk ihr eigenes «gewisses Etwas» ein.

«Viele haben nicht gewusst, dass ich male», so Lehner.

«Viele haben nicht gewusst, dass ich male», so Lehner.

Wenn sie von ihrer Leidenschaft spricht, kommt Lehner ins Plaudern. An jeweils zwei Wochenenden im Jahr trifft sie sich in Unterlunkhofen mit einer Gruppe Frauen: Jede malt selbstständig und eine Lehrerin hilft, wenn nötig. «Inzwischen sind wir alle gut befreundet.» Unter den Kursteilnehmerinnen sei sie «die Kommunikative», sagt Lehner und lacht. Den Pinsel lege sie gerne mal weg, um mit den anderen zu schwatzen.

Als Künstlerin sieht sie sich Lehner nicht. «Ich bin Freizeitmalerin.» In ihrer Wohnung hat sie sich in einem Zimmer eine Malnische eingerichtet: ein Pult, eine Staffelei, ordentlich verräumte Farben und Werkzeuge. Am anderen Ende des Zimmers hat ihr Mann sein Büro. «Ich kann gar nicht permanent malen, sonst gehen wir uns hier drin noch auf die Nerven», sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Karpfen am Nachthimmel

Ihre Werke auszustellen, forderte Lehner einiges an Überwindung ab. Wäre sie von ihrem Mann nicht ermuntert worden, hätte sie ihre Bilder wohl noch nicht der Öffentlichkeit gezeigt. Insgesamt werden 49 Bilder aus Lehners 20-jährigem Schaffen zu sehen sein.

Alle sind zu verkaufen. Einige Bilder wollte Lehner aber nicht hergeben: Das Portrait eines Pandabären, den sie «besonders süss» findet. Auch von einigen «Münggeli-Arbeiten» kann sie sich im Moment nicht trennen. Etwa der mit Wasserfarben gemalte «Lebensbaum». Wenn man ganz nahe an die Leinwand herantritt, erkennt man, wie viel Zeit in die Ausgestaltung der einzelnen Blätterranken geflossen sein muss. 

«Ich neige dazu, allzu präzise malen zu wollen», kommentiert Lehner.

«Ich neige dazu, allzu präzise malen zu wollen», kommentiert Lehner.

Einen durchgehenden eigenen Stil habe sie aber nicht. «Ich möchte mich nicht festlegen.» Obwohl: Klecksen, Farben ineinander leeren, das sei nicht ihr Ding. Wenn Lehner etwas malt, dann möchte sie nicht erklären müssen, was es darstellt. Dennoch habe sie für die Ausstellung noch Titel erfinden müssen. Die gehören schliesslich dazu. «Bestenfalls sehen die Betrachter ja das im Bild, was ich darin sehe», so Lehner. Manchmal sei dies aber auch erst auf den zweiten Blick der Fall. Sie zeigt auf eines ihrer Bilder, das heisst: «Karpfen im Wolkenmeer». Und da, plötzlich, erkennt man einen Fisch durch den verhangenen Nachthimmel schwimmen. Lehner muss schmunzeln. Sie wurde gerade daran erinnert, wie sie als Kind am Sonntagmorgen oft im Bett gelegen und mit ihrer Mutter in den Wolken Formen gesucht habe.

So sind eben die Wahrnehmungen verschieden. «Ich bin gespannt, wie die Besucher auf meine Bilder reagieren», sagt Lehner. Sie freue sich, habe aber auch keine überstiegenen Erwartungen: «Was mir gefällt, gefällt anderen vielleicht nicht.» Aber das sei in Ordnung. «Wenn all jene kommen, die mir vorab zugesagt haben, dann sind wir ein schönes Grüppchen», sagt sie und lacht. Lehner hat sich in Dietikon über die Jahre in verschiedenen Vereinen engagiert, und so einige Leute kennengelernt. Trotzdem: «Viele haben nicht gewusst, dass ich male», so Lehner.

Wer aber schon mal bei Lehner zu Besuch war, wird bestimmt nach den zig Bildern an den Wänden gefragt haben. Lehners Antwort lässt sich denken: Alle selbst gemalt.

Meistgesehen

Artboard 1