Berlin, Paris, Tokio, Prag, Peking und jetzt auch Oberengstringen: Der kultige Luzerner Kabarettist Emil Steinberger füllte am Freitagabend den Zentrumssaal. So etwas sei ansonsten nur noch möglich, wenn man in der Gemeinde Steuererhöhungen ankündige, witzelt Gemeindepräsident André Bender bei seiner kurzen Ansprache. Eine simple Anfrage reichte indessen, um die Comedy-Legende ins Gemeindezentrum zu holen, wie Rebecca Giusto von der Kulturkommission Oberengstringen sagt.

Viele Zuschauer sind gekommen, um alte Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen. Die Bilder von Emil als Postbote, Blutspender, Wachtmeister auf dem Polizeiposten oder beim Singen von Bauernregeln bleiben präsent. Immer noch schwärmen einige Anwesende von Steinbergers Rolle als Beamter der Einbürgerungspolizei im Kultfilm «Die Schweizermacher». 

«Emil ist eine Institution», sagt ein Besucher. Mit wenig Equipment, aber einer umso wirkungsvolleren Mimik in seinen Sketchen habe er die ganze Schweiz geprägt.
Dabei ist die Figur Emil doch schon vor über 20 Jahren in den Ruhestand getreten, wie Steinberger zu Beginn seines Auftritts selbstironisch erzählt. Der ehemalige Postbeamte und spätere Grafiker erzählte am Freitagabend in seinem Bühnenprogramm «Drei Engel!» nämlich Geschichten aus dem realen Leben des Emil Steinberger.

Der Wahrheitsgehalt des Erzählten stand allerdings stets auf dem Prüfstein. Steinberger kündigte zu Beginn gleich dreist verspielt an: «Einige der Geschichten sind schlicht erstunken und erlogen.» Um die wahren Geschichten aber als wahr zu kennzeichnen, halte er jeweils drei Finger in die Luft, die sogenannten drei Engel. Fast jede Anekdote hörte sich allerdings so unwahrscheinlich an, dass auch die drei Engel die Zweifel beim Publikum nicht restlos beseitigen konnten.

Die witzigen Gegebenheiten und Ereignisse, von denen Steinberger erzählt, stammen aus seiner abwechslungsreichen Karriere: Ob als Postbeamter im französischsprachigen Jura, als Gast in einem Restaurant auf seiner Deutschland-Tour oder in einem Tanzkurs in New York, wo er über sechs Jahre lebte. Gerne thematisiert er auch Absurditäten der deutschen Sprache und amüsiert sich über Verständigungsprobleme zwischen Deutschen und Schweizern.

Eine besondere Stellung im Programm nimmt die Lüge ein. Steinberger zitiert den römischen Philosophen Augustinus, nach welchem die Lüge dann erlaubt sei, wenn sie «ergötze, statt zu hintergehen». Diesem Ausspruch schickt er gleich noch ein eigenes Bonmot zum Thema Lügen hinterher: «Lügen kann man beichten, die Wahrheit muss man für sich behalten.»

Ob wahr oder falsch: Steinbergers Geschichten unterhalten und bringen die Zuhörer zum Lachen. Auch im Alter von 81 Jahren zieht er die Zuschauer mit seiner einnehmenden Mimik und schauspielerischem Können in den Bann und erhält ständig Szenenapplaus für seine cleveren Pointen. Er erzählt, liest vor, gestikuliert mit verstellter Stimme und hält immer wieder die titelgebenden drei Finger in die Luft.

An diesem Abend gibt noch ein anderer Finger zu reden. An seiner rechten Hand trägt Steinberger einen Verband um den Mittelfinger. Er zeigt ihn dem Publikum und erklärt, er habe beim Käseraffeln nicht an die Löcher im Käse gedacht und sich prompt geschnitten – die einzige Lüge, die er am Ende der Vorstellung zugibt.