Reisebericht (2)
Die Lust auf Abenteuer ist auch im Alter gross

Romy Müller und Miro Slezak sind unterwegs auf ihrer dritten Etappe: Australien. Die Urdorfer bestaunen dort Krokodile und Kamele und erfahren auf dem Campingplatz die eine oder andere Lebensgeschichte.

Romy Müller
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Romy Müller und Miro Slezak auf ihrer dritten Weltreise
4 Bilder
Natur pur - Sonnenuntergang im Outback
Australien ist das Land der unendlichen Weiten und der bizarren Felsformationen
In Australien sind die Lastwagen etwas länger, wie Romy Müller aus Urdorf auf ihrer Reise selbst erlebt hat

Romy Müller und Miro Slezak auf ihrer dritten Weltreise

Limmattaler Zeitung

Nachdem wir unser Auto endlich aus den Fängen der Quarantänebehörde befreit haben, ist unser erstes Ziel der Kakadu National Park im hohen Norden von Australien. Dieser Park zählt wegen den Naturschönheiten, den Felszeichnungen der Ureinwohner und der speziellen Flora und Fauna zum Unesco-Welterbe. Uns beeindrucken neben der Landschaft vor allem die Vogelwelt und die Krokodile, vor denen überall gewarnt wird.

Von Urdorf nach Australien Romy Müller und Miro Slezak reisen in drei sechsmonatigen Etappen mit ihrem VW-Bus von Urdorf nach Australien. Derzeit sind sie auf der dritten Etappe unterwegs durch Australien. Die erste Etappe führte sie von Europa über die Seidenstrasse bis nach Kathmandu in Nepal, die zweite bis nach Singapur.

Von Urdorf nach Australien Romy Müller und Miro Slezak reisen in drei sechsmonatigen Etappen mit ihrem VW-Bus von Urdorf nach Australien. Derzeit sind sie auf der dritten Etappe unterwegs durch Australien. Die erste Etappe führte sie von Europa über die Seidenstrasse bis nach Kathmandu in Nepal, die zweite bis nach Singapur.

Limmattaler Zeitung

Es sind vor allem Salzwasserkrokodile, hier Salties genannt, die den Menschen gefährlich werden können. Trotz ihres Namens leben sie auch im Süsswasser und sie können bis zu 5 Meter lang werden. Man hat sie bis in die 1990er-Jahre erbarmungslos gejagt und sie wären beinahe ausgerottet worden. Heute stehen sie unter Schutz und haben sich prächtig vermehrt.

Millionen von Blutsaugern

Wir haben hier aber mit anderen, etwas kleineren Tieren weit mehr zu kämpfen. Eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang überfallen sie uns, Millionen sind es und sie sind nicht wählerisch, jede Blutgruppe ist ihnen recht. Kein Mittel, kein Netz kann sie fern halten. Sie sind blutrünstig und stechen erbarmungslos zu, immer und immer wieder, diese lästigen Moskitos.

Bei der Weiterfahrt donnern uns riesige Lastwagen mit bis zu vier Anhängern und einer Gesamtlänge von 55 Metern, sogenannte «Road Trains», mit grosser Geschwindigkeit entgegen. Wenn sie uns kreuzen, schüttelt es uns durch den Windsog durch wie bei einem Erdbeben der Stärke 7. Diese Ungetüme brauchen zum Bremsen eine sehr lange Strecke, weshalb wir vorsichtshalber lieber so weit wie möglich an den Strassenrand ausweichen.

Wir reisen jetzt Richtung australische Westküste und erfahren dabei, wie riesig das Land ist. Zwar ist Australien der kleinste Kontinent, doch flächenmässig ist es das sechstgrösste Land der Erde. Uns beeindrucken die Vielfalt und die Gegensätze der Landschaft. Der tropische Regenwald im Norden wird von Buschland und später von Halbwüste abgelöst. Selbst in der Halbwüste herrscht noch eine intensive Farben Vielfalt vor. Der rote Sand ist mit gelbem Spinifex Grasbüscheln durchsetzt und die Eukalyptusbäume mit ihrer schneeweissen Rinde und den grünen Blättern heben sich kontrastreich vom blauen Himmel ab.

Broome und die Traumstrände

Unterwegs besuchen wir immer wieder Nationalparks. Viele der hier vorkommenden Pflanzen und Tiere gibt es wegen der isolierten geografischen Lage nirgendwo sonst auf der Welt. In Broome erreichen wir den Indischen Ozean mit seinen feinsandigen Traumstränden. Eine von vielen Attraktionen hier ist ein Kamelritt am Strand bei Sonnenuntergang.
Uns fällt auf, wie viele Australier unterwegs sind. Es sind vor allem ältere Menschen, die sich einen Traum erfüllen und einmal rund um Australien fahren. «Grey Nomads», graue Nomaden nennen sie sich selber, diese Ruhelosen im Ruhestand. Die meisten besitzen ein PS-starkes Allradfahrzeug und einen grossen Wohnwagen, andere sind mit einem Camper unterwegs.

Am Abend trifft man sich auf dem Campingplatz und wir erfahren die eine oder andere Lebensgeschichte, so auch die von Rob. Er ist 79 und mit Jayne, 76 Jahre alt, unterwegs. Beide haben ihre jeweiligen Ehepartner verloren und sich dann durch Bekannte kennen gelernt.

Rob hat in jungen Jahren wie viele andere Australier an der Seite der Amerikaner im Vietnamkrieg kämpfen müssen. Seit er pensioniert ist, züchtet er neue, ausgefallene Blumensorten. Zusammen mit Jayne hat er vor drei Monaten die Reise um den Kontinent in Angriff genommen. Sein Haus an der Ostküste musste er verkaufen, um mit dem Erlös sein rollendes Heim finanzieren zu können. Schmunzelnd sagt er uns zum Abschied: «Alter schützt vor Abenteuerlust nicht.» Ja, wem sagt er das.
In den fünf Wochen, die wir jetzt in Australien unterwegs sind, hat es noch keinen Tropfen geregnet. Ein Tag ist wie der andere, Sonnenschein, Sonnenschein und nochmals Sonnenschein. Nicht einmal eine Wolke verirrt sich am tiefblauen Himmel.

Fast täglich erleben wir traumhaft schöne Sonnenuntergänge und nachts einen gigantischen Sternenhimmel. Tagsüber ist es so um die 30 Grad, doch nachts fällt das Thermometer bis auf 6 Grad. Wir reisen nun an der Westküste entlang in Richtung Süden und bald werden wir in den australischen Winter kommen.