Seit gestern ist es bekannt: Die Limmattalbahn wird nicht auf der Schöneggstrasse ins Dietiker Zentrum fahren, wie bisher angenommen. Der Dietiker Stadtrat und die Limmattalbahn AG haben sich gemeinsam auf die Route Zürcherstrasse, Poststrasse, Bahnhof, Badenerstrasse, Niderfeld geeinigt.

Erste Reaktion der Parteien zeigen: Die Route der Limmattalbahn durch Dietikon – das letzte Stück der gesamten Strecke, das definiert worden ist – kommt mehrheitlich gut an. «Wir finden, dies ist die richtige Linienführung», sagt Samuel Spahn, Co-Präsident der Grünen. Positiv finde er vor allem, dass die Route über die Badenerstrasse führe. Ob der kleine Umweg zum Bahnhof nötig sei, könnte man hingegen noch diskutieren, findet Spahn.

Fahrgastpotenzial als Kriterium

Vorbehaltlos zustimmen kann der gewählten Variante FDP-Fraktionschef Ueli Bayer. «Die Linienführung ist optimal», sagt er. Vor allem der Entscheid, die Route in die beiden Hauptachsen Zürcherstrasse und Badenerstrasse zu verlegen, betrachte die FDP als richtig, sagt Bayer. Auch der Anschluss an die Bahnhöfe Dietikon und Glanzenberg sei wichtig. Denn nur so könne die Limmattalbahn, die Bayer «ein gutes Werk für die Zukunft» nennt, auch den Anschluss an die Achse Baden-Zürich gewährleisten.

Prinzipiell positiv wird die Linienführung auch von der SP Dietikon bewertet – obschon der «reichlich späte» Zeitpunkt der Entscheidung bemängelt wird. Wie Parteipräsidentin Rosmarie Joss sagt, begrüsse man aufgrund des Fahrgastpotenzials vor allem, «dass die Limmattalbahn durch die bevölkerungsreichen Gebiete hindurch geführt werden soll». Ob die Linienführung im Dietiker Zentrum nicht nochmals modifiziert werde, so Joss, müsste im Rahmen der Detailprojektierung «sicherlich nochmals diskutiert werden».

Auch EVP-Parteipräsident Thomas Wirth äussert sich generell wohlwollend: «Wir sind glücklich, dass die Bahn kommt, und stehen voll dahinter.» Die Detailplanung werde zeigen, ob jede Ecke in der Route nötig sei. Baulich sehe man sich wohl noch mit einigen Herausforderungen konfrontiert, sagt Wirth, der erklärt, es sei «grundsätzlich sehr erfreulich», dass die Linienführung nun fixiert sei. «Es ist vor allem wichtig», betont er, «dass der Bahnhof angeschlossen ist.»

«Absolut nicht glücklich»

Eine gemischte Reaktion kommt von Ernst Joss von der Alternativen Liste. Während er die Linienführung durch die Badenerstrasse aufgrund des Fahrgastpotenzials als «konsequent» bezeichnet, hätte er sich aus dem gleichen Grund einen Entscheid für die Schöneggstrasse gewünscht. Ausserdem bemängelt Joss, dass nicht «weitere Bevölkerungskreise und der Gemeinderat in den Entscheid einbezogen wurden».

Das kritischste Votum liefert Roger Bachmann, Fraktionschef der SVP: «Wir sind absolut nicht glücklich.» Bachmann betont, dass seine Partei die Limmattalbahn «nicht grundsätzlich» ablehne, sondern viel mehr die Tatsache, dass diese oberirdisch fahren soll – ein Entscheid, der bereits vor längerer Zeit gefällt worden ist. «Wenn wir das Verkehrschaos im Zentrum in den Griff bekommen wollen, muss man die Limmattalbahn unter den Boden bringen», sagt Bachmann. Projekte wie die Durchmesserlinie zeigten, dass dies problemlos möglich sei. Doch: «Ich habe den Eindruck, dass man Dietikon die Billigvariante andrehen will.» Doch auch für ein überirdisches Trassee sehe seine Partei «mehrere Alternativen»: so zum Beispiel eine Durchführung auf der rechten Seite des Limmattals. «Unsere Grundhaltung bleibt: Wir werden das Projekt kritisch beäugen», sagt Bachmann.

Nicht zur Linienführung äussern wollte sich CVP-Fraktionschef Pius Meier. Das Vorgehen des Stadtrates, die Medien zu informieren, ohne das Parlament vorgängig zu involvieren, finde er «äusserst fraglich».