50 bis 90 Meter hoch
Die «LimmiViva»-Kräne überragen in Schlieren alles

Beim Stichwort Kran schiessen den meisten die Bilder vom vergangenen Juni in den Kopf, als in Urdorf und Uitikon zwei Exemplare umkippten und einen grossen Schaden anrichteten. Ein solches Szenario ist auf der «LimmiViva»-Baustelle undenkbar.

Alex Rudolf
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Die Kräne stehen
5 Bilder
LimmiViva-Kräne
Die Baustelle des LimmiViva wirkt noch wenig belebt
Spitalarchitekt Nils Eichbaum ist im Zeitplan
Die grossen Kräne haben ihr eigenes Fundament und sind daher sturzsicher

Die Kräne stehen

Caroline Leutwiler

Die Baugrube, die neben dem Altbau des Spitals Limmattal klafft, ist eindrücklich gross. Erst 30 bis 50 Arbeitskräfte sind derzeit darin am Werk, sodass der Ort fast ausgestorben wirkt. Dies wird sich jedoch bald ändern: Direkt neben dem 65-Meter-Hochhaus, das aktuell noch der Blickfang des Spitals ist, wachsen dieser Tage fünf Baukräne in die Höhe. Teilweise überragen sie das Hochhaus um bis zu dreissig Meter.

Die zwischen 50 und 92 Meter hohen Kräne sind ein zentraler Bestandteil beim Bau von «LimmiViva». Seien sie erst fertig installiert und von einer Kontrollstelle abgenommen, würden die Arbeiten am Hochbau richtig starten können, sagt Spitalarchitekt Nils Eichbaum. «Ab übernächster Woche transportieren wir damit das Material auf der Baustelle», sagt er. Bis dahin muss aber noch einiges erledigt werden. Denn der Aufbau ist nur eine der vielen Herausforderungen, die bei der Installation von Kränen wartet. «Die fünf Kräne müssen technisch aufeinander abgestimmt sein, sodass sie sich im Betrieb nicht in die Quere kommen, sprich kollidieren», so Eichbaum.

Eine Kollision der Ausleger eines Krans wird dadurch verhindert, dass die Kranarme auf unterschiedlichen Höhen eingestellt und ihre Radien aufeinander abgestimmt sind. Sind die Kräne jedoch beladen und transportieren beispielsweise Eisen oder Beton vom einen Ende der Baustelle zum anderen, entsteht ein neues Problem: Die Frachten von zwei Kränen könnten ineinanderkrachen. «Um genau dies zu verhindern, nutzen wir ein Antikollisionssystem», erklärt Eichbaum und präzisiert, dass es sich dabei um eine Computersteuerung handelt, welche die Wahrscheinlichkeit von Zusammenstössen auf null minimiere. «Mithilfe des sogenannten Antikollisionssystems wissen die Kranführer jederzeit, wann sie in welche Richtung navigieren dürfen.»

Auch verbietet es der Gesetzgeber, dass die Kräne Ladungen über öffentlichen Grund, also angrenzende Strassen oder gar Gebäude, schweben lassen. Das Steuerungssystem berücksichtigt auch diese Vorgabe und zeigt auf, wie ein Überflug von öffentlichem Grund umgangen werden kann.

Erinnerungen an die Kranstürze von vergangenem Juni in Urdorf und Uitikon werden wach. Baukräne fielen damals auf ein Wohnhaus beziehungsweise auf eine Baustelle und richteten grossen materiellen Schaden an. «Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass hier etwas Vergleichbares geschieht», sagt Eichbaum. Die fünf Kräne auf der Grossbaustelle hätten aufgrund ihrer Grösse ein eigenes, solides Fundament. Die grösseren Exemplare seien gar mit Mikropfählen verankert, die bis zu acht Meter in den Boden ragen. «Dies lasse die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes verschwindend klein werden», zitiert Eichbaum den Totalunternehmer Losinger Marazzi.

Erst im vergangenen Mai erfolgte die Grundsteinlegung des 270-Millionen-Projekts «LimmiViva». Planmässig sollte der Rohbau Ende kommenden Jahres stehen. Der Innenausbau in den unteren Geschossen kann bereits Mitte 2016 beginnen. Ab übernächster Woche – wenn die Arbeiten am Rohbau starten – wird sich die Anzahl Arbeiter auf der Baustelle kontinuierlich erhöhen. «Anfang nächsten Jahres werden voraussichtlich bis zu 300 Personen auf der Grossbaustelle arbeiten», so Eichbaum.

Auch bei der Bevölkerung stosse das Projekt auf grosses Interesse. Nicht nur winkten die Stimmberechtigten das Bauvorhaben im Jahr 2013 an der Urne mit grossem Mehr durch. «Die Blickfenster an der Baustelle werden rege genutzt», so Eichbaum. Bezugstermin des Spitalneubaus ist voraussichtlich Ende 2018.