Vor dem Rohbau des geplanten Schulungszentrums der Richi AG in Weiningen sind zwei grosse SVP-Banner aufgestellt. Ein brachliegendes Feld gleich nebenan soll bald bebaut werden, die älteren Gebäude verströmen noch das Flair der alten Industrie. Dass sich Interessierte der Bundeshausfraktion der SVP inmitten dieses Szenarios treffen, überrascht. Wäre ein Schützenhaus oder ein urchiger Gasthof doch um einiges gemütlicher.

Der Aescher Nationalrat Hans Egloff holte seine Parteigenossen trotzdem ins Limmattal, wo die alljährlich einmal irgendwo in der Schweiz stattfindende Fraktionssitzung abgehalten wird. Die zweitägige Ansammlung von Apéros, Referaten, Essen und Sitzungen findet ihren Höhepunkt morgen Samstag stattfindenden Jassturnier, das - um einiges gemütlicher - in der Kaserne Reppischtal in Birmensdorf stattfindet.

Gegen halb elf trudelte heute Morgen das eine oder andere bekannte Gesicht im Weininger Richi-Hauptsitz ein. Nationalrat und Präsident des schweizerischen Bauernverbandes, Hansjörg Walter, tauscht sich mit dem Gemeindepräsidenten Hanspeter Haug aus, der Luzerner Nationalrat Felix Müri unterhält sich derweil mit der Leiterin Promotion Limmattal bei Halter, Jasmina Ritz. Hans Egloff gefällt, was er sieht: «Genau darum geht es bei diesem Anlass. Vertreter aus lokaler Wirtschaft und Politik sollen die Gelegenheit haben, sich in Bern Gehör zu verschaffen», so Egloff. Zeitgleich finden in der Hauptstadt zahlreiche Parteileitungs- und Kommissionssitzungen statt. Terminkollisionen erklären sich daher, dass von den 18 Zusagen von SVP-Parlamentariern nur deren sieben eingehalten wurden. Egloff: «So läuft es nun mal in Bern.»

SVP trifft Kirchenbestuhlung

Die prominenteste Plattform gebührte dem Gastgeber Jakob Richi, der in einem halbstündigen Referat seinen Betrieb vorstellte. Inmitten des rund 400 Quadratmeter grossen, leeren Raums hatte dieser neun Kirchenbänke aufstellen lassen, wo die Zuhörer den Ausführungen des Patrons lauschten. Beim Rückbau der Neuapostolischen Kirche in Altstetten sei er auf diese Sitzgelegenheit gestossen und Wiederverwertung sei ja eines seiner Standbeine, wird er später erklären.

Mit unmissverständlichen Worten richtete sich Richi an die Parlamentarier, wies sie darauf hin, dass die Situation rund um den Gubrist untragbar sei. «Dass man mit einer Boomregion über einen Autobahndeckel von ein paar hundert Metern diskutiert, ist traurig», war sein Fazit. Auch gegen Beamte habe er allmählich etwas, fuhr Richi fort: «Geschätzt die Hälfte der Arbeitszeit des Kaders muss für die Befriedigung der Behördenansprüche investiert werden.»

Ritz wird konkret

Jasmina Ritz, Leiterin Promotion Limmattal bei Halter, stellte nach ihrer Präsentation zum Urbanisierungsprozess der Region konkrete Forderungen an die SVP-Exponenten. «Der Bau der dritten Gubriströhre muss vorangetrieben werden, die Limmattalbahn darf nicht etappenweise realisiert werden und vom Ausbau des Gateway Limmattal soll abgesehen werden.»

Wie viel der Gespräche und Referate wird wohl bei den SVP-Nationalräten hängen geblieben sein, wenn es in Bern um die entsprechenden Vorlagen geht? Felix Müri, weiss, dass an diesen Fraktionsausflügen in eine Region jeweils einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Müri meint: «Vom Stau am Gubrist zu hören, ist etwas anderes als selber hier in der Kolonne zu stehen.»