Schlieren

Die Limmattaler Velo-Schnellroute wird erneut aufgeweicht

GLP-Kantonsrätin und Vorstandsmitglied von Pro Velo Zürich, Sonja Gehrig, will eine Veloschnellroute für das Limmattal, bei der die Velofahrer Vortitt haben.

GLP-Kantonsrätin und Vorstandsmitglied von Pro Velo Zürich, Sonja Gehrig, will eine Veloschnellroute für das Limmattal, bei der die Velofahrer Vortitt haben.

Pro Velo Zürich ist irritiert, weil der Schlieremer Stadtrat auf eine «trennende Velo-Autobahn» verzichten will. Bereits beim Bahnhof Altstetten rückte eine optimale Lösung aus Sicht der Velofahrer in weite Ferne.

Die Schlieremer Wiesenstrasse dürfte zu einem hart umkämpften Pflaster werden. Besonders der Bereich zwischen Sportzentrum Vitis und SBB-Gleisen bis zur Engstringerbrücke ist begehrt. Dereinst wird hier die vom Kanton geplante Limmattaler Veloschnellroute durchführen, entlang der neuen Wohnbauten, die das Sportcenter Vitis ersetzen werden. Aufgrund der Betroffenheit der Stadt, des Kantons und privater Anrainer ist die Planung dieser Strasse entsprechend komplex.

Aus Stadtratsantworten auf zwei unterschiedlichen Anfragen aus dem Parlament, die jüngst veröffentlicht wurden, geht hervor, wie es mit der Strasse weitergehen soll. So sei das partizipative Verfahren unter den Beteiligten bald abgeschlossen. «Es konnte dabei ein grundsätzlicher Konsens darüber gefunden werden, welche Aspekte bei der Umgestaltung der Strasse zu berücksichtigen sind», schreibt der Stadtrat. Man habe sich dabei gegen eine trennende «Velo-Autobahn» und für eine massgeschneiderte und fussgängerfreundliche Lösung entschieden. Und die bauliche Umsetzung werde koordiniert mit der Realisierung der Baufelder des Gestaltungsplans Geistlich erfolgen, auf dem das Sport-
center Vitis heute steht.

Adressbildung und Beleuchtung sind zentral

Mit den Grundstückbesitzern an der Wiesenstrasse zwischen Einfahrt Goldschlägistrasse und Engstringerbrücke habe man ein Workshopverfahren durchgeführt, das die Rahmenbedingungen hinsichtlich Sicherheit und Gestaltung grundsätzlich klärt. Das zentrale Thema sei hierbei eine attraktive und sichere Querung der Strasse unter Beachtung einer Adressbildung sowie einer adäquaten Beleuchtung. Die Umsetzung solle etappiert erfolgen.
Mit diesem Grundsatzentscheid wird die Veloschnellroute durch das Limmattal zum zweiten Mal in diesem Jahr aufgeweicht. So zeichnet sich eine solche nämlich dadurch aus, dass Velofahrer Vortritt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern geniessen. Diesen Sommer reichte unter anderem der Verein Pro Velo des Kantons Zürich eine Einwendung gegen die geplante Gestaltung der Vulkanstrasse beim Bahnhof Zürich Altstetten ein, wo die Limmattaler Veloschnellroute ins Stadtzürcher Verkehrsnetz eingeflochten werden soll. Dort plant die Stadt Zürich eine Velospur ohne Vortrittsberechtigung der Velos gegenüber Fussgängern und dem motorisierten Individualverkehr. Der Grund: Auf der Vulkanstrasse verkehrt ein Linienbus, was den Velovortritt verunmögliche, hiess es von Seiten der Stadt Zürich damals.

Auch aus Sicht des Schlieremer Stadtrats ist es eine verpasste Chance, wenn die Limmattaler Veloschnellroute ab Altstetten nicht weitergeführt werde. Dies geht aus der Antwort auf die kleine Anfrage von Gemeindeparlamentarier Markus Weiersmüller (FDP) hervor, der vom Stadtrat wissen wollte, wie er die Lage in Altstetten beurteilt. Man stehe in Kontakt mit dem Zürcher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement und setze sich dort für eine durchgängige Lösung ein.

Mischlösung kann zur Gefahr werden

Bei der Urdorfer Kantonsrätin Sonja Gehrig (GLP), sie ist auch im Vorstand des Vereins Pro Velo Kanton Zürich, lösen diese Nachrichten aus dem Schlieremer Stadthaus zwiespältige Gefühle aus. «Einerseits ist es erfreulich, dass sich der Stadtrat positiv gegenüber einer Limmattaler Veloschnellroute äussert», sagt sie auf Anfrage. «Andererseits sind möglichst direkt geführte, unterbruchfreie Velowege ein entscheidendes Schlüsselelement für ein attraktives Velonetz», sagt sie weiter. Der Vortritt für Velofahrer gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, wie man ihn etwa aus Dänemark oder den Niederlanden kenne, gehöre dazu. Daher: «Sollte nun eines oder mehrere Teilstücke der Limmattaler Veloschnellroute diese Anforderungen nicht mehr erfüllen, kann es für Velofahrende, aber auch für weitere Verkehrsteilnehmende wie Fussgänger gefährlich werden», so Gehrig. Ein Nebeneinander eines Veloschnellrouten-Teilstücks und einer oft verzweigten Mischzone sei zu vermeiden.

Wird Pro Velo Kanton Zürich nach Altstetten nun auch in Schlieren mittels Einwendung aktiv? «Wir werden die Situation sicher im Auge behalten und je nach Umsetzung eine Einsprache nicht ausschliessen», sagt Gehrig. Man müsse jedoch erst die konkreten Pläne abwarten. Sie werde sich aber für eine gelungene Veloschnellroute einsetzen, da eine solche eine starke und umweltfreundliche Alternative zu Strassen- und öV-Zubringern nach Zürich darstelle.

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