Es geht um viel Geld: Um voraussichtlich 16 Millionen Franken für die reformierte beziehungsweise 17,5 Millionen Franken für die katholische Kirche. Auf diesen Betrag beziffern die beiden Landeskirchen im Kanton Zürich ihre jährlichen Einbussen, sollten die Stimmberechtigten am 12. Februar Ja zur Unternehmensteuerreform III (USR III) sagen.

Auch im Limmattal gehen die Kirchgemeinden von teils massiv weniger Geld aus, das ihnen bei einer Annahme der Steuerreform zur Verfügung stehen würde. «Wir rechnen mit einem maximalen Ausfall von 400 000 Franken, was 2 Steuerprozent entspricht», sagt etwa Karl Geiger, Präsident der katholischen Kirchgemeinde Dietikon. Denn anders als in anderen Kantonen profitieren in Zürich auch die Kirchen von Steuererträgen juristischer Personen.

Diese würden bei einer Annahme der USR III jedoch wesentlich tiefer ausfallen als heute, weil die Umsetzungsvorlage des Regierungsrats unter anderem eine Senkung der Gewinnsteuern vorsieht. So will Finanzdirektor Ernst Stocker verhindern, dass Firmen abwandern, wenn die vom Ausland nicht mehr akzeptierten Steuerrabatte für sogenannte Statusgesellschaften fallen. Während für die politischen Gemeinden Kompensationszahlungen vorgesehen sind, soll dies gemäss der Kantonsregierung für die Kirchgemeinden nicht der Fall sein.

«Kanton hilft uns nicht»

Kommt hinzu, dass die Kirchen die Steuereinnahmen der juristischen Personen ausschliesslich für Leistungen zugunsten der ganzen Gesellschaft verwenden dürfen, beispielsweise in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur. Dies würde bedeuten, dass dort gespart werden müsste. «Sollte die Steuerreform durchkommen, wird es zu einem Leistungsabbau kommen. Denn der Kanton hilft uns nicht», sagt Geiger. Möglicherweise könnten die Steuerausfälle teilweise durch das Wirtschaftswachstum kompensiert werden. Euphorisch sei er angesichts der weltweiten Wirtschaftslage jedoch nicht. «Doch das ist alles Spekulation. Sicher ist, dass wir die 400 000 Franken nicht einfach streichen können», so Geiger. Aus Sicht der Kirche wäre eine Ablehnung der Vorlage wünschenswert.

Auch Hansjörg Gloor, Präsident der reformierten Kirchgemeinde Dietikon, hofft aus Sicht der Kirche auf ein Nein zur Steuerreform. Die jährlichen Einbussen bei einem Ja beziffert er auf 150 000 Franken. «Das ist bei budgetierten Steuereinnahmen von 1,7 Millionen Franken sehr viel», sagt er. Auch er ist überzeugt, dass ein Leistungsabbau dann unausweichlich sei. «In welchen Bereichen gespart werden müsste, ist noch nicht beschlossen», so Gloor. Noch gebe es ohnehin viele Fragezeichen. So bleibe auch die Hoffnung, dass der Kanton doch noch einen Teil der Ausfälle kompensieren werde.

Wo gespart würde, ist nicht klar

Nicole Raisle Messmer, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Urdorf, sagt, dass man bei der Annahme der Vorlage mit einem Einnahmeausfall in der Höhe von vier Steuerprozenten rechne. «Wir müssten dann wohl gewisse Leistungen streichen. Welche das sein werden, wissen wir jedoch noch nicht», sagt sie.

Auch Hubert Zenklusen, Präsident der katholischen Kirchgemeinde Schlieren, will zuerst abwarten, wie die Abstimmung ausgeht, ehe darüber entschieden wird, wie darauf zu reagieren sei. «Bis zu einer Umsetzung der Reform vergeht nochmals viel Zeit. Was bis dahin passiert, lässt sich nicht voraussagen», hält er fest.

Für die katholische Kirche Geroldswil, die die Gemeinden Weiningen, Geroldswil und Oetwil umfasst, wären die Steuerausfälle wohl tragbar, sagt Kirchgemeindepräsident Hans Hintermann. «Dennoch müssten wir das Geld irgendwo einsparen», sagt er. Unternehmen würden oft Situationen verursachen, die dann von den Landeskirchen aufgefangen werden müssten. «Schon aus diesem Grunde allein sollte die Unternehmenssteuerreform III abgelehnt werden», sagt er.