Schlieren

Die Limmattalbahn: Von A wie Aargau bis Z wie ZVV

Der Vorbote der Limmattalbahn: Auf deren neuen Gleisen fährt vorerst das Zürcher Zweier-Tram von Altstetten nach Schlieren.

Der Vorbote der Limmattalbahn: Auf deren neuen Gleisen fährt vorerst das Zürcher Zweier-Tram von Altstetten nach Schlieren.

Ab Montag, 2. September, um 4.51 Uhr verkehrt das Zweier-Tram ab Zürich Farbhof fahrplanmässig nach Schlieren. Was die Aargauer und der ZVV damit zu tun haben – ein umfassendes A bis Z zur neuen Stadtbahn.

A wie Aargauer

Vorerst bleibt die Limmattalbahn noch in Zürcher Hand. Bis Ende 2022 wird auf den neu verlegten Gleisen vom Farbhof in Altstetten bis nach Schlieren Geissweid nur das blau-weisse Zweier-Tram der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) verkehren. Erst wenn die zweite Bauetappe von Schlieren nach Killwangen abgeschlossen ist, werden die ersten echten Limmattalbahnfahrzeuge rollen. Die Limmattalbahn wird von der Aargau Verkehr AG (AVA) betrieben, die aus der Fusion der BDWM Transport AG mit der Wynental- und Suhrentalbahn AG (WSB) hervorgegangen ist. Die VBZ erhalten für ihren Zweier Netzzugang bis Schlieren.

B wie Bahnfans

Die Verlängerung der Tramlinie 2 nach Zürich wird im Rahmen des Schlierefäschts eröffnet. Bereits heute Freitag wird die erste Bauetappe unter anderem mit der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) und dem Aargauer Bau- und Verkehrsvorsteher Stephan Attiger (FDP) offiziell eingeweiht. Am Samstag wird die neue Stadtbahn am Schlierefäscht zusammen mit der Bevölkerung gefeiert; es wird auf der neuen Strecke moderierte Fahrten im Zweier sowie in historischen Tramwagen geben. Am Sonntag wird das Tram mit einem grossen Umzug begrüsst; angeführt wird dieser vom «Lisebethli», dem Tram, das bereits von 1900 bis 1931 hier unterwegs war.

C wie Chaos

Die Angst und der Ärger waren vor dem Baustart gross. Doch das im Vorfeld befürchtete Verkehrschaos wegen der Bauarbeiten sei weitgehend ausgeblieben, hielt SVP-Nationalrat und Limmattalbahn-Verwaltungsratspräsident Hans Egloff im Geschäftsbericht 2018 fest. «Nach Staus in den ersten Tagen haben sich die Verkehrsteilnehmenden schnell auf die neue Situation eingestellt.»

D wie Durchschnittstempo

Die Limmattalbahn wird auf ihrem Eigentrasse bis zu 60 km/h fahren können. Die Durchschnittsgeschwindigkeit geben die Planer aber – unter anderem wegen der vielen Haltestellen – mit 22 km/h an.

E wie Etappen

Die erste Bauetappe ist fertiggestellt und wird nun eröffnet. Die Arbeiten für die zweite Etappe schliessen nahtlos daran an; diese beinhaltet einerseits den kurzen Abschnitt vom Farbhof zum Bahnhof Altstetten, andererseits die lange Strecke von Schlieren Geissweid über Urdorf und Dietikon zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach. Diese zweite Etappe soll Ende 2022 als Linie 20 in Betrieb gehen. Es ist denkbar, dass eine dritte Etappe folgen wird; im Aargau steht eine mögliche Verlängerung bis Baden im Raum. Die Infrastruktur der Limmattalbahn wird deshalb offen gestaltet, sodass verschiedene Varianten einer Verlängerung möglich bleiben.

F wie Fahrzeug

Vorerst verkehrt das Cobra-Tram der VBZ nach Schlieren. Die Limmattalbahn wird dann ab 2022 auf das Modell «Tramlink» setzen, das die Stadler Rail AG in ihrem Werk in Valencia produziert. Die acht bestellten vollklimatisierten Stadtbahnen bieten je 88 Sitzplätze und 172 Stehplätze – verfügen also insgesamt über eine Kapazität für 260 Fahrgäste.

G wie Grosskreisel

Es ist das Wort der Limmattalbahn-Bauerei: der Grosskreisel. In Schlieren ist – um den neuen Stadtplatz mit dem dunkelorangenen Flügel herum – ein bleibender Grosskreisel geschaffen worden. Noch wird dieser nicht von allen Verkehrsteilnehmern als das wahrgenommen, was er ist. Die Stadt Schlieren hatte zwischenzeitlich extra mehrere Tafeln aufgestellt. Diese wiesen die Autofahrer darauf hin, dass sie sich auf einem grossen Kreisel befinden und sie deshalb beim Verlassen des Bauwerks den Blinker zu betätigen haben. Und rund um die jetzt gestarteten Limmattalbahn-Baustellen werden unter anderem in Dietikon und in Altstetten vorübergehend mehrere Grosskreisel geschaffen; neue Einbahnregimes sollen dazu führen, dass der Verkehr grossräumig rund um enge Stellen herumgeführt und so flüssig gehalten werden kann.

H wie Haltestellen

Die Limmattalbahn wird nach Abschluss der zweiten Etappe über 27 Haltestellen verfügen. Bei einer Streckenlänge von 13,4 Kilometern liegen die Stopps im Durchschnitt 515 Meter auseinander.

I wie Insekten

Für den Bau der Limmattalbahn werden einige bestehende Lebensräume für Vögel, Reptilien und Heuschrecken weichen müssen. Diese Verluste müssen gemäss Umweltgesetzgebung qualitativ und quantitativ ersetzt werden. So werden etwa auf dem Färber-hüslitunnel eine Trockenmauer und Steinhaufen für Reptilien und wärmeliebende Insekten angelegt.

J wie Ja

Das Stimmvolk hat mehrmals zur Limmattalbahn Stellung genommen. Auf kantonaler Ebene wurde sie zweimal unterstützt. Bei der ersten Vorlage hatten sich die betroffenen Gemeinden im Limmattal gegen sie ausgesprochen, waren aber vom restlichen Kanton überstimmt worden. Bei der zweiten Vorlage – ein Initiativkomitee wollte die zweite Etappe streichen – kam es auch in Dietikon zu einem knappen Ja zum Bau. Gegner werteten dies aber nach wie vor als Ablehnung; es habe einfach kein Nein mehr resultiert, weil viele Kritiker angesichts der Übermacht des Kantons resigniert hätten.

K wie Kosten

Die erste und zweite Etappe werden rund 755 Millionen Franken kosten. Gemäss Limmattalbahn AG liegt dies im Rahmen ähnlicher Projekte; auch bei der Glattalbahn oder dem Tram Bern komme man auf rund 50 Millionen Franken pro Kilometer. Die effektiven Kosten dürften unter dem erwartetem Betrag liegen: Die erste Etappe wird sicher unter Kredit abschliessen, die bislang erfolgten Arbeitsvergaben lassen für die zweite Etappe Ähnliches erwarten.

L wie Limmattal

Die Stadtbahn soll eine Antwort auf das Wachstum in der Region sein. Denn das Limmattal ist eine der wachstumsstärksten Regionen. Der Zürcher Regierungsrat geht davon aus, dass die Zahl der Einwohner und der Arbeitsplätze in den Jahren 2010 bis 2030 um 17 beziehungsweise 29 Prozent zunimmt.

M wie meterspurig

Die Limmattalbahn ist – wie das Netz der Verkehrsbetriebe Zürich und der Bremgarten-Dietikon-Bahn – eine Meterspurbahn.

N wie Neuauflage

Das Zweier-Tram, das ab Montag fahrplanmässig bis nach Schlieren Geissweid verkehren wird, ist ein alter Bekannter. Die Limmattal-Strassenbahn, deren Abkürzung L. S. B. zum Übernamen «Lisebethli» führte, verband ab 1900 unter anderem die damaligen Bauerndörfer Altstetten, Schlieren und Dietikon. Zwischen Schlieren und Dietikon wurde der Betrieb 1930 eingestellt. Die Tramstrecke vom Farbhof bis nach Schlieren hielten die VBZ aufrecht, bis die Trams 1956 durch Trolleybusse ersetzt wurden.

O wie Ohalätz

Es war eine grosse Aktion, die auch in den Medien ihren Niederschlag fand. Die Blutbuche auf dem Schlieremer Stadtplatz, die der ersten Limmattalbahn-Etappe im Weg war, wurde nach Bürgerprotesten aufwendig versetzt. Doch die schweizweit erste Baumversetzung in dieser Grössenordnung blieb ohne Happy End. Der alte Baum konnte an seinem neuen Standort keine Wurzeln schlagen – er musste im Juni geschlagen werden.

P wie Prognose

Auf der Limmattalbahn-Strecke zwischen Killwangen und Zürich Altstetten werden in den ersten Betriebsjahren an Werktagen rund 25 000 Fahrgäste erwartet. Längerfristig sollen es gemäss Prognosen täglich 40 000 sein. In diesen Zahlen sind die Passagiere des verlängerten Zweier-Trams, das nun eingeweiht wird, nicht enthalten. Der Kostendeckungsgrad der Stadtbahn wird auf 60 bis 70 Prozent geschätzt.

Q wie Quadratmeterpreise

Die Limmattalbahn soll den Quartieren, die entlang ihrer Strecke liegen, zu neuem Schub verhelfen. Als Beispiel wird oft auf die Glattalbahn verwiesen, in deren Einzugsgebiet 25-mal mehr private Investitionen getätigt wurden, als deren Bau gekostet hatte. Im Limmattal ist ebenfalls mit hohen Investitionen zu rechnen.

R wie Reisezeit

Die Fahrt vom Bahnhof Killwangen-Spreitenbach zum Bahnhof Altstetten wird mit der Limmattalbahn 37 Minuten dauern. Mit der S-Bahn sind es heute 13 bis 14 Minuten. Es ist aber auch nicht die Absicht, dass mit der Limmattalbahn die gesamte Strecke zurückgelegt werden soll; sie steht als sogenannter Mittelverteiler zwischen dem grobgliedrigen S-Bahn-Netz und dem feingliedrigen Bus-Netz. Sie soll Pendler aus den Quartieren zu den nächsten Bahnhöfen – Killwangen-Spreitenbach, Dietikon, Schlieren oder Altstetten – bringen.

S wie Stau

Die Limmattalbahn wird im Endausbau auf 92 Prozent der Strecke auf einem separaten Trassee unterwegs sein, damit sie nicht im Stau steckenbleibt.

T wie Takt

Ab Ende 2022 werden die Fahrzeuge der Limmattalbahn im 15-Minuten-Takt zwischen Altstetten und Killwangen fahren. Der Takt kann später auf siebeneinhalb Minuten verdichtet werden. Parallel zur Limmattalbahn verkehrt zudem die VBZ-Linie 2 auf den gleichen Gleisen ab Farbhof bis zur Haltestelle Geissweid in Schlieren.

U wie U-Bahn

Einige Gegner der Limmattalbahn, die im Dietiker Zentrum einen Verkehrskollaps befürchten, regten an, dass sie doch als U-Bahn oder gar als Hochbahn konzipiert werden sollte. Aus Kostengründen war dies keine Option. So bleibt der rund 260 Meter lange Färberhüslitunnel, durch den die Limmattalbahn dereinst zwischen der Badenerstrasse und dem Spital Limmattal fahren wird, der einzige längere unterirdische Abschnitt.

V wie Verkehrssicherheit

Die Glattalbahn hatte nach ihrer Eröffnung wegen verschiedener Unfälle für Aufsehen gesorgt. Die dort gemachten Erfahrungen sind in die Projektierung der Limmattal eingeflossen. «Grundsätzlich sind alle Kreuzungen von Schiene und Strasse lichtsignalgesteuert», heisst es bei der Limmattalbahn AG. «Zudem sind an kritischen Stellen von Beginn an Barrieren geplant.»

W wie Wendegleis

Anders als das Zürcher Tram, das in Schlieren Geissweid in einer grossen Schlaufe wenden muss, werden die Limmattalbahn-Fahrzeuge keine Wendegleise benötigen. Es handelt sich um Zweirichtungsfahrzeuge. Dadurch kann an den Endhaltestellen Platz gespart werden.

X wie x Anlässe

Die Eröffnung der ersten Etappe der Limmattalbahn wird am Schlierefäscht mit verschiedenen Anlässen gefeiert. So haben unter anderem die Kinder des Roten Schulhauses in einem Zeichen- und Bastelwettbewerb dargestellt, wie sie sich das Tram vorstellen; 20 von ihnen dürfen nun auf einer Extrafahrt im «Lisebethli» dabei sein. Bereits ab Montag, 2. September, wird dann das Zweier-Tram ab 4.51 Uhr fahrplanmässig bis nach Schlieren fahren.

Y wie Yuppies

Die Stadt Schlieren, die mit dem Slogan «wo Zürich Zukunft hat» für sich wirbt, gibt sich gern yuppiemässig grossstädtisch. Da passte der Name der Haltestelle Geissweid, die auf dem früheren Chilbiplatz entstanden ist, auf den ersten Blick nicht so ins Konzept. Doch ein Wettbewerb unter den Einwohnern, der zu einem modernen Namen führen sollte, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Deshalb beliessen es die Verantwortlichen am Ende doch beim alten und durchaus sympathischen Flurnamen.

Z wie ZVV-Abo

Am Samstag wird im Rahmen des Schlierefäschts beim Flügeldach ein Urban-Minigolf-Parcours aufgebaut. Dort lassen sich alle sieben Haltestellen von der Geissweid bis zum Farbhof im Kleinformat bespielen. Zu gewinnen gibt es unter anderem zwei ZVV-Jahresabos sowie diverse Konsumationsgutscheine fürs Stadtfest.

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