Limmattal
Die Limmattalbahn lädt alle Eigentümer zu Gesprächen ein

In den nächsten drei Monaten finden Gespräche mit Grundeigentümern statt, von denen die Limmattalbahn AG ein Stück Land kaufen will. Ganze Häuser sollen aber nicht aufgegeben werden müssen.

Katja Landolt
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Visionär Die Limmattalbahn soll, als eine Art Strassenbahn, weitgehend entlang den Hauptverkehrsachsen geführt werden. visualisierung mathys partner, technopark zürich So soll die Limmattalbahn ab 2020 zwischen Killwangen-Spreitenbach und Zürich Altstetten verkehren. zvg

Visionär Die Limmattalbahn soll, als eine Art Strassenbahn, weitgehend entlang den Hauptverkehrsachsen geführt werden. visualisierung mathys partner, technopark zürich So soll die Limmattalbahn ab 2020 zwischen Killwangen-Spreitenbach und Zürich Altstetten verkehren. zvg

Zur Verfügung gestellt

Das Mega-Projekt Limmattalbahn schreitet voran: Ende Februar wurde das Infrastrukturkonzessionsgesuch beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Vor einigen Wochen wurden erste Eigentümer der Grundstücke entlang der Bahnstrecke angeschrieben, deren Land für die Eigentrasseeführung teilweise erworben werden muss.

Und letzte Woche wurde bekannt, dass die Schlieremer Familiengärten an der Färberhüslistrasse per Ende 2013 aufgelöst werden, weil auf dem Gebiet ein Tunnel verlaufen wird. Der Grund für das Verschwinden der Schrebergärten ist aber nicht alleine der Limmattalbahn zuzuschreiben, sondern auch der Gesamtplanung der Stadt Schlieren.

Diese Meldung und insbesondere die Schreiben an die Grundstückeigentümer sorgen in der Limmattaler Bevölkerung teilweise für Unsicherheiten. So schreibt Jürg Naumann, Mitglied des Schlieremer Gemeindeparlaments (Quartierverein Schlieren), in einem Leserbrief vom 28. April: «Bereits jetzt haben die ersten Grundeigentümer in Schlieren erschreckende Post von der Limmattalbahn AG erhalten. Die Limmattalbahn AG will Land von ihnen haben.»

«Häuser müssen verschwinden»

Auch würden durch die Realisierung der Limmattalbahn Parkplätze von Privaten aufgehoben und Zufahrten zu Liegenschaften geschlossen, so Naumann. Ausserdem würden gewisse Einfahrtsstrassen nicht mehr geduldet und neue Verkehrsregime eingeführt. «Es scheint auch, dass gewisse Häuser ganz verschwinden müssen. Das heisst, nicht nur Wohnungen müssen weg, sondern auch Geschäfte und Existenzen!» Naumann fordert deshalb die Limmattalbahn AG und die entsprechenden Behörden dringend auf, die verunsicherte Bevölkerung umfassend und ehrlich zu informieren.

Was ist dran an Naumanns Äusserungen? Fallen der Limmattalbahn tatsächlich ganze Häuser zum Opfer? Schon lange bekannt ist: Die Limmattalbahn soll zu 92 Prozent auf einer eigenen Spur fahren. Um das zu realisieren, muss der Strassenraum an manchen Stellen verbreitert werden. «Dafür muss teilweise privates Land gegen Entschädigung erworben werden», erklärt Julie Stucki, Leiterin Kommunikation der Limmattalbahn AG. Geschäfte und Existenzen seien aber nicht bedroht: «Nach momentanem Planungsstand fallen keine Wohn- oder Geschäftshäuser wegen der Limmattalbahn weg.»

Um die betroffenen Eigentümer frühzeitig über die Auswirkungen der neuen Bahn zu informieren, lädt die Limmattalbahn AG laut Stucki sämtliche betroffenen Eigentümer während der Monate Mai bis Juli 2012 zu einem persönlichen Einzelgespräch ein. «Inhalt dieser Gespräche sind die Information über das Projekt Limmattalbahn, das rechtliche Verfahren sowie die konkreten Auswirkungen auf das einzelne Grundstück», so Stucki. Diskutiert werden sollen auch mögliche Lösungen, beispielsweise betreffend die zukünftige Erschliessung der Liegenschaft. «Aus diesem Grund haben wir vor einigen Wochen erste Briefe an Eigentümer versendet und sie zu einem persönlichen Gespräch eingeladen», so Stucki. Weitere Briefe an weitere Eigentümer würden in den nächsten Wochen folgen.

Um Parkplatzersatz bemüht

Der Landerwerbsprozess findet während des Plangenehmigungsverfahrens – voraussichtlich ab Anfang 2014 – statt. Während der öffentlichen Auflage zu Beginn der Plangenehmigungsphase können sämtliche Eigentümer Einsprache gegen das Projekt erheben beziehungsweise Forderungen anmelden.

Laut Stucki kann es wegen der Limmattalbahn zu neuen Erschliessungswegen oder dem Wegfall privater Parkplätze kommen. «Grundsätzlich sind wir bemüht, möglichst alle Parkplätze, die aufgehoben werden müssen, zu ersetzen.» Für die Erschliessungen gelte der Grundsatz, dass alle Liegenschaften auch in Zukunft erschlossen sein müssen. «Es kann aber vorkommen, dass die Erschliessung angepasst wird, indem diese beispielsweise um wenige Meter verschoben wird oder über eine andere Strasse erfolgt», so Stucki. Aus Platzgründen könne auch die Verkehrsführung angepasst werden. «Der Zugang zu den Liegenschaften bleibt aber stets gewährleistet.»