Schlieren
Die Limmattalbahn AG will Bau-Zoff vermeiden

Nächstes Jahr startet der Bau der Limmattalbahn. Nun gehen die Planer auf das Gewerbe zu, um dessen Bedürfnisse zu erfahren und Konflikten vorzubeugen. Kein einfaches Vorhaben.

David Egger
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In 374 Tagen beginnen die Bauarbeiten für die erste Etappe der Limmattalbahn. Nun wollen die Planer vermeiden, dass es zu Zoff wegen der Bauarbeiten kommt.

In 374 Tagen beginnen die Bauarbeiten für die erste Etappe der Limmattalbahn. Nun wollen die Planer vermeiden, dass es zu Zoff wegen der Bauarbeiten kommt.

Tina Sturzenegger

Knusprige Croissants, glänzende Butter und gluschtige Fleischplättli: Die Planer der Limmattalbahn gaben sich gestern Morgen im Stürmeierhuus Mühe, das Schlieremer Gewerbe für sich zu gewinnen, noch bevor ein Wort gesagt war. Das Ziel: Die Gewerbler sollen wissen, wie die Bauarbeiten ablaufen. Die Planer wollen vermeiden, dass die Grossbaustelle dereinst für rote Köpfe sorgt. Wer Fragen habe, solle sich ungeniert melden, hiess es. «Dafür sind wir angestellt», sagte der Projektleiter Tiefbau, Stefan Oswald. Viele Fragen zu den Baustellen mussten die Ingenieure rund um Chefplaner Daniel Issler gestern aber nicht beantworten.

Die Gewerbler beschäftigt eher der Endzustand: Nicht zum ersten Mal wurde zum Beispiel gefordert, rund um den zukünftigen Stadtplatz-Kreisel in Schlieren Lichtsignalanlagen zu installieren, damit die Fussgänger nicht einfach so auf die Strasse laufen. Noch oft wird die Limmattalbahn diesen Wunsch nach geregeltem Fussverkehr zu hören bekommen, eine Planänderung ist aber nicht vorgesehen.

Ohne die zweite Etappe der Limmattalbahn würde in Dietikon (im Bild der Bahnhof) kein Tram verkehren.
15 Bilder
Die zweite Etappe erstreckt sich von Schlieren bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.
Weitere Visualisierungen der Limmattalbahn: Bahnhof Altstetten
Zürich Micafil.
Kesslerplatz in Schlieren.
Spitalstrasse Schlieren.
Bahnhofplatz Dietikon.
Bahnhof Dietikon.
Die Haltestelle Badenerstrasse in Dietikon.
Die Haltestelle Furttalstrasse in Spreitenbach.
Der Endbahnhof Killwangen-Spreitenbach.
So sieht der Plan der Linienführung aus.
Dieser Plan zeigt die Linienführung in Schlieren.
Dieser Plan zeigt die Linienführung in Dietikon.
Plan der gesamten Linienführung.

Ohne die zweite Etappe der Limmattalbahn würde in Dietikon (im Bild der Bahnhof) kein Tram verkehren.

Architron Gmbh, Zürich

Verlust an Kunden befürchtet

Manche Gewerbler befürchten zudem einen Verlust an Kunden, weil die Limmattalbahn je nach Standort zu weniger Verkehr vor dem Betrieb führen wird – gerade beim Stadtplatz, wo ein Abschnitt der Badener- und Zürcherstrasse dereinst rückgebaut werden könnte, weil der Verkehr an dieser Stelle neu über die Ringstrasse läuft. Andere hoffen wiederum darauf, dass weniger Verkehr zu mehr Kunden führt.

Lange dauert es nicht mehr bis zum Start der ersten Bauetappe zwischen Altstetten und Schlieren: Bei 374 Tagen steht jetzt der Countdown, am 11. September 2017 soll es losgehen. Doch definitiv ist das noch nicht. Zwar konnten die Planer bereits über die Hälfte der gut 229 Einsprachen mit Vereinbarungen lösen und bei weiteren gut 30 Einsprachen befinden sich noch Vereinbarungen in Arbeit – hier können also mit grosser Wahrscheinlichkeit Einigungen erzielt werden.

60 Einsprachen

Weiter muss noch das Bundesamt für Verkehr über gut 60 Einsprachen per Verfügung entscheiden. Ziel ist, dass die entsprechenden Verfügungen im Spätherbst vorliegen. Allerdings liessen sich gegen solche Verfügungen noch Beschwerden einreichen, die zu Verzögerungen führen könnten.

Bahndepot: Bund hat wegen Zufahrtsgleis interveniert

Der Aargauer Regierungsrat hat auf eine Interpellation der GLP-Grossrätin Barbara Portmann geantwortet, die Fragen stellte zur Wahl des Dietiker Müsli-Ackers als Standort für das Limmattalbahn-Depot. Und dazu, wer zahlen muss, falls doch noch das Spreitenbacher «Asp» zum Depot-Standort gemacht und darum der Boden darunter saniert werden müsste. Zahlen müsste die Limmattalbahn AG, sagt der Aargauer Regierungsrat sinngemäss. Das Kostenrisiko wäre aber allein beim Aargau, da der Kanton Zürich und die Stadt Dietikon Beiträge an eine Altlastensanierung ablehnten. Darum wurde auf weitere Verhandlungen verzichtet.

Während es 2014 im Planungsbericht hiess, dass (abgesehen von der Kostenfrage) keine eindeutige Empfehlung für einen Standort gegeben werden kann, sagt nun der Aargauer Regierungsrat, das «Müsli» sei geeigneter als das «Asp», da es mehr Erweiterungsmöglichkeiten biete. Weiter heisst es in der Interpellationsantwort, dass das Bundesamt für Umwelt beantragte, die Zufahrt zum Depot in die Bauzone zu verlegen, da sonst der Grundsatz der Vermeidung nicht-zwingender Eingriffe ins Kulturland verletzt werde. Derzeit ist das Zufahrtsgleis zwar am Rand, aber noch in der Spreitenbacher Landwirtschaftszone geplant. Die Limmattalbahn AG wird die genaue Lage der Zufahrt mit der Gemeinde Spreitenbach, Kanton und Bund festlegen. (DEG)