Oberengstringen
Die Liebe zu einem Käfer rostete nie

Ein Zufall bescherte dem Oberengstringer Hans Joachim Schulz das grosse Glück auf vier Rädern – zum zweiten Mal. Wie ein VW-Käfer-Cabriolet wieder zu seinem ehemaligen Halter zurückfand.

Flurina Dünki
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Hans Joachim Schulz nimmt ...
4 Bilder
... zusammen mit seiner Frau Laura und seinem VW-Käfer oft an Oldtimer-Rallyes teil, ...
...wie etwa an der Rallye «Hamburg-Berlin» ...
VW-Käfer Schulz aus Oberengstringen

Hans Joachim Schulz nimmt ...

Menzi Motorsportfotos /ZVG

Als Hans Joachim Schulz 2003 nach Jahren der Trennung seine grosse Liebe wiederfand, wusste er, dass er sie zurückerobern musste. Die Ehefrau des Oberengstringers hatte nichts dagegen; sie ermunterte ihn sogar zu diesem Schritt. Wusste sie doch, dass das Leben zu dritt eine abenteuerliche Fahrt sein würde.

Die Liebesgeschichte nahm im Jahr 1979 ihren Anfang. Der Luftfahrtangestellte Schulz hatte schon immer eine Schwäche für VW-Käfer-Cabriolets gehabt, doch erst der Ende der 1970-er Jahre angekündigte Produktionsstopp liess ihn zum Kauf schreiten.

10'300 Franken kostete ein Neuwagen der Serie 1303 damals. Es sollte die letzte je produzierte des Typs Käfer-Cabriolet sein. «Mit dem Preis hatte ich, der ich in letzter Sekunde zugegriffen hatte, noch Glück», sagt Schulz. Wer bei VW kein Fahrzeug mehr kriegen konnte, habe sich das Käfer-Cabrio zu horrenden Preisen bei Privatpersonen beschaffen müssen, die sich frühzeitig mehrere Autos zwecks Wiederverkaufs gesichert hatten.

«In den ersten Jahren war der Käfer mein tägliches Fortbewegungsmittel», sagt der heute 72-Jährige. Danach habe ein VW Golf die täglichen Strecken abgelöst und das Cabriolet für sonntägliche Ausfahrten bei warmem Wetter gedient.

Allzu viel Zeit hatte der frischgebackene Käfer-Besitzer damals nicht für sein neues Gefährt. Beruflich oft im Ausland unterwegs, stand das bronzefarbene Cabriolet bei seinen Eltern im heimischen Hühnibach am Thunersee in der Garage. Diese benutzten es im Sommer ebenfalls gerne für Ausfahrten übers Land, bis sie altershalber aufs Fahren verzichteten.

Nachdem das Auto daraufhin nicht mehr genutzt wurde und in der Garage Platz versperrte, drängte sich ein Verkauf mehr und mehr auf. «In Oberengstringen hatte ich noch ein paar Jahre lang einen Platz gemietet, ein gedeckter Garagenplatz war aber schwer zu finden und schien mir zu teuer», erzählt der Wahl-Limmattaler. Er habe sich schliesslich 1998 zum Verkauf entschlossen, den Schritt aber schnell bereut: «Für die Freude, die er uns gemacht hat, stand er doch gar nicht so im Wege, fand ich danach immer.»

Dass er den bronzefarbenen Käfer 2003 in einer Internet-Verkaufsannonce entdeckte, sei ein Zufall gewesen, denn obwohl er den Verkauf stets bereut hätte, habe er nicht aktiv nach einem neuen Käfer gesucht. Als er den Fahrzeugbeschrieb in der Annonce las – «brasilbraun», «Dach klemmt links» – rief er: «Das ist mein Auto!» Der Schlieremer Anbieter wurde umgehend kontaktiert und konnte bestätigen, dass der Name «Hans Joachim Schulz» noch in den Fahrzeugpapieren ersichtlich war.

Fast 19'000 Franken liess sich Schulz die Neuvereinigung kosten. Ein Schritt, den er trotz Verlustgeschäft (verkauft hatte er ihn 1998 für etwa 15 000 Franken) nie bereute: «Mein Auto will wieder zu mir, das wusste ich gleich.»

Mit dem neuen alten Familienmitglied fahren Schulz und Ehefrau Laura nun fleissig an Oldtimer-Rallyes mit. Bis an die finnisch-russische Grenze hat sie ihre Leidenschaft schon geführt. Trotz Veteranenstatus, den ein Auto automatisch nach 30 Jahren besitzt, hält die alte Liebe noch wacker: «140 Stundenkilomenter bringt der Käfer noch hin», erzählt der heutige Oldtimer-Besitzer.

Obwohl Schulz es traurig findet, dass die Firma VW durch den Abgasskandal ihren Ruf aufs Spiel setzt, konnten die Schlagzeilen seine Leidenschaft nicht trüben. An einen Verkauf würde er nicht mehr denken. «Wir haben so viel Freude am Käfer-Cabi, dass wir ihn nie mehr verkaufen würden.»