Unterengstringen
Die Liebe führte Mutter und Tochter bis ins Limmattal

Die Gemeinde hat mit Barbara Schoch und Lea Koller nun 3500 Einwohner — und gleichzeitig einige neue Herausforderungen zu meistern.

Carolin Teufelberger
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Die Einwohnerinnen Nummer 3501, 3500 und 3499: Maria del Pilar Pereira Ramos, Lea Koller und Barbara Schoch (v. l. n. r.) werden von der Gemeinde begrüsst.

Die Einwohnerinnen Nummer 3501, 3500 und 3499: Maria del Pilar Pereira Ramos, Lea Koller und Barbara Schoch (v. l. n. r.) werden von der Gemeinde begrüsst.

Carolin Teufelberger

Lange pendelte die Einwohnerzahl der Gemeinde Unterengstringen zwischen 2700 und 2800 Einwohnern. Vor ein paar Jahren kam dann der Umbruch. «Es wurden einige grosse Ländereien fast zeitgleich verkauft. Auf einmal gab es Platz für neue Überbauungen», erinnert sich Gemeindepräsident Peter Trombik. Nun hat Unterengstringen die Marke von 3500 Einwohnern überschritten. Zu verdanken hat sie das Barbara Schoch und ihrer Tochter Lea Koller. «Die Liebe hat mich aus der Ostschweiz weggelockt», sagt Schoch. Ihr Mann Roger wuchs nämlich in Unterengstringen auf und lebt seit einiger Zeit wieder im Haus seiner Jugend. Im Juli zogen die zwei Frauen aus dem Kanton St. Gallen dazu. «Der Umzug von Waldkirch ins Limmattal verlief zum Glück reibungslos», so Schoch.

Der Gemeinderat freut sich sehr über die Neuzuzüger und hat deshalb die Einwohnerinnen 3499, 3500 und 3501 zu einer persönlichen Begrüssung und einem Apéro eingeladen. Lea Koller ist die Bewohnerin, welche die historische Marke geknackt hat. Ihre Mutter liegt noch knapp darunter. Die erste Bewohnerin darüber ist Maria del Pilar Pereira Ramos, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einer der neuen Überbauungen wohnt. Das Erreichen von 3500 Einwohnern ist für die Gemeinde so speziell, dass sogar das Dorffest vom 26. bis 28. September unter dem Motto «Mir werdet 3500» stattfinden wird.

Schule muss ausgebaut werden

Doch das schnelle Bevölkerungswachstum stellt Unterengstringen auch vor neue Herausforderungen. So müsse die Schule bald ausgebaut werden, sagt Trombik. «In die neuen Überbauungen zogen eher jüngere, kinderlose Paare, deshalb gab es erst kein Problem mit dem Platz in der Schule. Jetzt merken wir aber anhand der Geburten, dass doch einige neue Schüler dazukommen werden.»

Lea Koller gehört nicht dazu, sie hat die Schule schon beendet und im August ihre Lehre als Kindermodeverkäuferin begonnen. Deshalb sei der Zeitpunkt für den Umzug perfekt gewesen. «Wäre Lea nicht so begeistert gewesen, wären wir noch in Waldkirch geblieben», so Schoch. Mit dem Freizeitangebot für Jugendliche hätten sie sich noch nicht befasst, da Lea mit ihrer Ausbildung beschäftigt sei. «Ich finde mich aber schon gut im Dorf zurecht, da ich ein sehr kommunikativer Mensch bin», so Schoch. Zudem seien die Unterengstringer sehr herzlich und hilfsbereit.

Dorfleben noch nicht beeinflusst

Andere Neuzuzüger scheinen da mehr Mühe zu haben. «Im Dorfleben merkt man noch nicht viel von den neuen Einwohnern, da die Verwurzelung fehlt. Wir hoffen aber, dass sich das durch die Kinder und vielleicht einen Beitritt zu einem Verein ändert», sagt Trombik. Auch Engpässe im Verkehrssystem habe es durch die neuen Einwohner noch nicht gegeben. Nur die Anbindungen an die Kantonsstrassen bereiten Trombik ein wenig Sorgen. «Zu den Hauptverkehrszeiten hat man fast keine Chance, sich einzuspuren. Das kann zu gefährlichen Situationen führen, wenn man dann irgendwann einfach reindrückt.» Die Gemeinde suche aber schon nach Lösungen. Der öffentliche Verkehr werde sowieso immer weiter modernisiert, um den Anwohnern möglichst gute Verbindungen zu bieten. «Bald wird es durchgehend neue Gelenkbusse nach Altstetten geben, die mehr Kapazität bieten», sagt Trombik.

Nah am Wald und an der Limmat

Mit solchen Fragen will sich Barbara Schoch momentan nicht auseinandersetzen; sie schwebt noch auf Wolke Sieben. «Wir haben erst letzten Samstag in Gossau geheiratet», erzählt sie. Die Flitterwochen müssen aber noch warten, da beide momentan keine Zeit für Ferien haben. Sie werden diese aber im Winter nachholen. Da sie beide begeisterte Skifahrer seien, treffe sich das gut. In den anderen Jahreszeiten spiele das Velo für beide eine grosse Rolle. «Es ist toll, dass wir jetzt so nah am Wald und der Limmat wohnen», sagt Schoch. Sie schätze aber auch die Nähe zur Stadt Zürich sehr. An was sie sich anfangs aber noch gewöhnen musste, war die Abfallentsorgung. «Ich bin jemand, der gerne fachgerecht entsorgt. Das ist hier aber etwas schwerer als in Waldkirch», erzählt Schoch. Unterdessen habe sie sich aber über die Möglichkeiten informiert und Wege gefunden.

Schoch und ihr Ehemann sind beide berufstätig, wie die meisten Neuzuzüger. Trotzdem seien die Steuereinnahmen kaum gestiegen, erklärt Trombik. «Die meisten verdienen nicht schlecht, durch den Kauf von Eigentumswohnungen sind aber viele verschuldet, was von den Steuern abgezogen werden kann.» So kann er vorerst nur hoffen, dass sich die Entwicklung demnächst auch einmal rechnet.

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