Dietikon
Die letzte Metzgerei in Dietikon ist gerettet

Nach 34 Jahren verpachten die Hildebrands ihr Geschäft - die Rezepuren. Die kleinen Lädeli sind nicht nur in Dietikon vom Aussterben bedroht. Im Bezirk Dietikon gibt es nur noch in Geroldswil und Birmensdorf eine Metzgerei.

Sara Serafini
Merken
Drucken
Teilen
Die Hildebrands sind froh einen Nachfolger für ihre Metzgerei gefunden zu haben. Den Laden aufgeben wäre keine Option gewesen.jpg

Die Hildebrands sind froh einen Nachfolger für ihre Metzgerei gefunden zu haben. Den Laden aufgeben wäre keine Option gewesen.jpg

Limmattaler Zeitung

Das beige Haus an der Holzmattstrasse 35 ist von Dietikon kaum wegzudenken. Seit fast 60 Jahren betreibt die Familie Hildebrand hinter dessen Wänden eine Metzgerei. 1979 übergab der Vater den Betrieb an den Sohn, Paul Hildebrand und dessen Frau Ursula. Fast täglich stand das Paar seither hinter den Verkaufstresen. Ab dem 1. September wird sich das nun ändern: Die Hildebrands geben dann ihr Geschäft aus den Händen.

Die letzte Privatmetzgerei

Traurig ist das Ehepaar deswegen aber nicht. Im Gegenteil: Sie sind froh, dass sie eine Anschlusslösung gefunden haben. Über zwei Jahre haben sie nach einer Möglichkeit gesucht, wie das Geschäft nach ihrer Pensionierung weitergeführt werden kann. Denn den Laden aufgeben wollten sie auf keinen Fall.
Seit der Übernahme vor 34 Jahren habe sich vieles verändert. «Damals gab es in Dietikon noch fünf Privatmetzgereien. Heute ist unsere die Letzte», sagt Paul Hildebrand. Er sitzt im gemütlichen Stübli, hinter der Metzgerei. Seine Hände hält er über seinem Bauch gefaltet.

Wie es sich für einen Metzger gehört, fehlen ihm ein paar Fingerkuppen. Das Metzgen wurde Hildebrand in die Wiege gelegt. Nach der Lehre in Baden, kam er in den Betrieb der Eltern. «Seit 1965 Jahren arbeite ich auf dem Beruf. Nun ist es an der Zeit, etwas kürzer zu treten.»

Das Lädelisterben

Hildebrand ist in Dietikon aufgewachsen. Dass es weiterhin eine Metzgerei in der Gemeinde gibt, ist ihm auch als Dietiker ein grosses Anliegen. «Wenn nach und nach Privatgeschäfte aus der Stadt verschwinden, dann verarmt die Gemeinde.» Die kleinen Lädeli sind nicht nur in Dietikon vom Aussterben bedroht. Im Bezirk Dietikon gibt es nur noch in Geroldswil und Birmensdorf eine Metzgerei.

Bei Hildebrands wird auf Qualität gesetzt. «Bei uns wird das Fleisch zuerst circa drei Wochen gelagert, was es zart macht», so Hildebrand. «Ausserdem haben wir im Laden nur regionale Produkte. Aber heute muss halt alles billig sein», meint Hildebrand. Man gebe das Geld lieber woanders, statt für gutes Essen aus. Viele mutmassten schon seit geraumer Zeit, dass sich die Hildebrands mit ihrer Metzgerei nicht halten können. Bis jetzt lagen sie mit ihren Prognosen aber falsch. «Wie es in zwei Jahren aussieht, wird sich zeigen», so Hildebrand.

Hildebrands bleiben vorerst

Vielleicht liegt das auch am zweiten Standbein, das sich die Metzgerei schon vor einigen Jahren aufgebaut hat. Nebst den Fleischwaren bieten sie einen Catering-Service an. Zudem sei der Laden bekannt für die selbstgemachten Wurstwaren, meint Hildebrand.
Wenn Othmar Gut am 1. September das Geschäft übernimmt, wird das Paar eine Zeit lang weiterhin im Laden arbeiten und Gut in den Betrieb einführen. Die Rezepturen bleiben dieselben. «Die hauseigene Wursterei wird selbstverständlich weitergeführt», versichert Hildebrand.