Dietikon
Die Lehrer werden neu von der Schulleitung beurteilt

Die Personalführung ist Sache der Schulleitung, die Schulpflege führt weiterhin Besuche durch. Zu wenige, um ihre Leistung zu beurteilen, finden die Lehrer. In einigen Jahren hätten gar keine Besuche stattgefunden.

Bastian Heiniger
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Die Lehrer und ihre Schüler erhalten in Dietikon zu wenig Besuch von den Vertretern der Schulpflege. Archiv/Daniel André Egli

Die Lehrer und ihre Schüler erhalten in Dietikon zu wenig Besuch von den Vertretern der Schulpflege. Archiv/Daniel André Egli

Seit Einführung des neuen Volksschulgesetzes ist die Schulleitung und nicht mehr die Schulpflege für die Personalführung zuständig. Deshalb sieht der Dietiker Stadtrat bezüglich der Besuchspraxis in den Klassen keinen Handlungsbedarf. Das schreibt er in seiner Antwort auf eine Interpellation von CVP-Gemeinderat Max Wiederkehr. Dieser ist der Meinung, dass die Schulpfleger den Lehrern zu wenige Besuche abstatten. Dietiker Lehrer hätten ihn informiert, dass in mehr als einem Jahr der obligatorische Schulbesuch durch die zuständigen Schulpfleger gar nicht stattgefunden habe, schreibt Wiederkehr in seiner Interpellation.

Für eine fundierte Mitarbeiterbeurteilung der Lehrer müssten die Schulpfleger die ihnen zugeteilten Klassen jährlich mindestens einmal besuchen, findet Wiederkehr. Vor allem, weil von der Beurteilung eine mögliche Lohnerhöhung des Lehrers abhänge. Der Interpellant wollte deshalb wissen, ob sich die Schulpfleger ihren Pflichten nicht bewusst seien und ob diese aufgrund der fehlenden Besuche einen Lehrer überhaupt seriös beurteilen könnten.

Laut Stadtrat ist die Schulleitung nun direkte Vorgesetzte der Lehrer. Deshalb sei hauptsächlich sie für die Beurteilung zuständig. Diese erfolgt in zwei verschiedenen Stufen: Einerseits findet jährlich eine sogenannte «formative Förderung» statt, wobei die Schulleitung kontrolliert, ob die miteinander vereinbarten Ziele erreicht wurden. Die lohnwirksame Mitarbeiterbeurteilung hingegen findet nur alle vier Jahre statt. Hierbei ist dann die Schulpflege zwar Teil eines Beurteilungsteams, die Hauptverantwortung aber liegt bei der Schulleitung.

Vor verschlossenen Türen

Der Stadtrat schreibt zudem, dass unabhängig dieser beiden Beurteilungsstufen alle Lehrer von einem Schulpflegemitglied jährlich mindestens einmal besucht würden. Damit komme die Schulpflege ihrer Hauptaufgabe nach: der Aufsicht über die Schule. Allerdings führt der Stadtrat auch Gründe auf, weshalb manche Lehrer wohl nicht besucht worden sind: Da die Besuche der Schulpflege unangemeldet stattfinden können, seien manche Behördenmitglieder mehr als einmal vor verschlossenen Türen gestanden, und zwar, weil Lehrer nicht frühzeitig genug über Absenz informiert hätten. Überdies hätten längere krankheitsbedingte Ausfälle von Schulpflegemitgliedern, Mutterschaftsurlaube und Intensivweiterbildungen von Lehrpersonen Besuche von Schulpflegern verhindert.

Insgesamt sind während der letzten vier Jahre 70 Besuche nicht durchgeführt worden, was einer Quote von 3,7 Prozent entspricht. Die Schulpfleger haben denn auch ein grosses Pensum zu absolvieren: Bei gut 330 Lehrern haben 16 Schulpfleger pro Jahr mindestens 220 Lektionen und im Rahmen der Mitarbeiterbeurteilung sogar 250 Lektionen zu besuchen.

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