Dietikon
Die Künstlerin, der keine Wahl mehr bleibt, zeigt ihre letzte Ausstellung

Gaby Hübscher lädt zu «Bewegte Stille» – es soll ihre letzte Ausstellung sein. Vergleicht man Gaby Hübschers Werke im Lauf der Zeit, fällt auf, dass zum einen die Themen ernster werden.

Alex Rudolf
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Gaby und Roly Hübscher: Sie sind sich nicht einig, ob dies wirklich ihr Abschied aus der Kunstszene ist.

Gaby und Roly Hübscher: Sie sind sich nicht einig, ob dies wirklich ihr Abschied aus der Kunstszene ist.

Limmattaler Zeitung

Ihr rotes Haar passt farblich zum gestrickten Schal. Dieser passt wiederum zum Blumenmuster auf ihren Leggins, die wiederum auf den Zwetschgenkuchen, den Gaby Hübscher serviert, abgestimmt scheinen. Die 75-jährige Künstlerin sitzt an ihrem Küchentisch und sollte über ihre neusten Werke sprechen. Dabei merkt man, dass sie die Bilder gerne für sich selber reden lassen würde. Mit ihr tun sie dies jedenfalls. «Ich merke, dass ein Bild vollendet ist, wenn es mit mir kommuniziert», sagt sie.

Unter «Bewegte Stille», so der Titel ihrer neusten Ausstellung, versteht Hübscher einen Kampf unter der Oberfläche. Ein Motiv, das sie bereits bei ihrer vorletzten Ausstellung vor acht Jahren anschnitt. Damals befasste sie sich mit der Vielschichtigkeit des Wassers.

Dies tat sie so intensiv, dass sie vom ehemaligen Regierungsrat Markus Notter in seiner Laudatio anlässlich ihrer Vernissage als Wassermensch bezeichnet wurde. «Davon habe ich mich nun aber verabschiedet», sagt Hübscher in einem bestimmten Ton und fügt an, dass wenn sie etwas beherrsche, sie sich dann schnell langweile. Die bewegte Stille langweilt sie jedoch noch nicht, viel eher ist sie ein stetiger Begleiter.

In jüngster Zeit hat Gaby Hübscher mit den Auswüchsen von multipler Sklerose zu kämpfen. Ihr Sehvermögen hat in den vergangenen Jahren markant abgenommen. Sand, den sie und ihr Mann Roly vor Jahren aus Maledivenferien mitbrachten, wurde genutzt, um die Sehschwäche wettzumachen. Diesen Sand mischte sie mit Acrylfarbe, wodurch auf der Leinwand eine haptisch wahrnehmbare Struktur entstand.

Werke werden rauer

Vergleicht man Gaby Hübschers Werke im Lauf der Zeit, fällt auf, dass zum einen die Themen ernster werden. Von den beschwingten Ausstellungen Trompe-l'Oeil über die abstrahierten Schweizerbilder bis zu Vertrixt-Vertraxt, schleicht sich bei den Wasserbildern bereits eine gewisse Nostalgie ein, die bei der aktuellen Werkesammlung noch gesteigert wurde. Eine Nostalgie, die es jedoch nicht mit Traurigkeit zu verwechseln gilt.

So finden sich in «Bewegte Stille» zahlreiche starke Farben. In Orange, Gelb oder Blau kommen sie auf den ersten Blick schlicht daher, weisen aber noch dieselbe Detailverliebtheit wie frühere Werke auf. «Die Inspiration nehme ich von Alltäglichem», sagt Hübscher und hält ihren Kaschmirpullover zwischen den Finger, fängt an, die Struktur zu dehnen und sagt: «So wie hier, sehen Sie»? Aber auch Musikstücke von Bach habe sie versucht auf die Leinwand zu bringen, fügt ihr Mann Roly an und zeigt auf ein Bild.

Alle Werke von «Bewegte Stille» sind in den letzten dreieinhalb Jahren entstanden. Gaby Hübscher nimmt sich mehr Zeit zum Malen, denn es bedeute einen überwältigenden Kraftakt. So ist sie sich sicher, dass dies ihre letzte Ausstellung sein wird, erwähnt aber im nächsten Satz, dass sie niemals mit der Malerei aufhören werde. «Es bleibt mir keine Wahl, ich muss malen». Mit einem «wir werden ja sehen, ob das wirklich deine letzte Ausstellung ist», relativiert ihr Mann Roly die Aussagen seiner Frau. Er muss es wissen.

Manche Sätze des einen, werden vom anderen komplettiert. Sie scheinen so gut zueinander zu passen, wie Gabys Haar zu ihren Leggins oder der Zwetschgenkuchen zum Schal.
Die Vernissage von «Bewegte Stille» findet morgen Samstag, den 12. Oktober um 19 Uhr in der Kunstgalerie Bachlechner statt. Die Ausstellung dauert bis zum 10. November. Mehr Infos erhalten Sie unter www.gabyhuebscher.ch