Mein Ding

Die Kunst dieser Urdorferin läuft wieder weg

Maria Mazzillo, «Mary» genannt, bei ihrer Arbeit im Tattoo-Studio.

Maria Mazzillo, «Mary» genannt, bei ihrer Arbeit im Tattoo-Studio.

Seit neun Jahren ist Maria Mazzillo professionelle Tätowiererin. Die 39-Jährige weiss, welche Verantwortung das Stechen von Tattoos mit sich bringt.

Bei tätowierten Menschen dachte man einst an alte Seebären, die sich einen Anker oder eine Meerjungfrau auf den Oberarm stechen liessen. Tatsächlich waren sie es, die diese Tradition auf ihren Entdeckungsreisen kennen lernten und nach Europa brachten. Mit dem Aufkommen des Fernsehens flimmerten bald auch Bilder von tätowierten Sträflingen in die Wohnstuben. «Doch dieses Bild wandelt sich», sagt Maria Mazzillo. Seit neun Jahren ist die Urdorferin als professionelle Tätowiererin tätig. Sie führt den Imagewandel nicht zuletzt auf den Einfluss der Medien zurück. «Wenn die Leute sehen, dass sich Fussballer wie David Beckham oder Sängerinnen wie Rihanna tätowieren lassen, dann weckt das ihre Neugierde», sagt sie. Das Thema sei heute viel präsenter, es finde ein gesellschaftlicher Wandel statt.

Die 39-Jährige weiss, welche Verantwortung das Stechen von Tattoos mit sich bringt. Sie hat Bedenken, wenn Kunden ein Tattoo nur deshalb wollen, weil ein Promi es trägt. Denn so ein Tattoo sei ja für immer gedacht. «Ich frage dann, warum er oder sie gerade dieses Motiv sich wünscht», sagt sie. Ob beispielsweise eine persönliche Bedeutung damit verbunden sei oder ob jemand es ästhetisch sehr ansprechend finde. «Von Tattoos im Gesicht, Halsbereich oder an den Händen rate ich ab», sagt sie. Das könne bei einem allfälligen Berufswechsel zur Knacknuss werden. «Ich habe aber auch schon Polizisten und Bankiers tätowiert», sagt sie. An Stellen, die man verdecken könne. Die Gründe, weshalb sich Kunden ein Tattoo stechen lassen, sind so vielseitig wie die Kunden selbst. «In unserem Kulturkreis ist ein Tattoo vor allem Körperschmuck», sagt sie.

Frühe Faszination

Dass Mazzillo eines Tages Tätowiererin werden würde, war irgendwie schon vorbestimmt. «Tattoos faszinierten mich schon als Kind», sagt sie. Gezeichnet habe sie schon immer. Ihre Neigung zur Kreativität und zum künstlerischen Schaffen perfektionierte sie zunächst als Lernende Dekorationsgestalterin. «Damals wie heute existiert keine offizielle Lehre zur Tätowiererin», sagt sie.

Später konnte es Mazzillo kaum erwarten, 18 zu werden und sich endlich ein erstes Tattoo stechen zu lassen – ein simples Tribal. Bis sie selber Hand anlegen würde, sollten aber noch ein paar Jahre vergehen. 2008 begann sie, das Tätowieren an Kunsthaut zu üben. Ihre jahrelange Erfahrung mit der Formen- und Farbenlehre zeigte sich schnell. Freunde und Bekannte vertrauten bald ihren Künsten und anerboten sich als erste Kunden. Sie waren zufrieden und so klopften bald auch die Freunde der Freunde bei Mazzillo an der Tür.

«Ich findet es extrem schön und wichtig, dass mir die Menschen ihr Vertrauen entgegenbringen», sagt sie. Sie habe ja die Ehre, sich künstlerisch auf dem Körper eines Menschen verewigen zu dürfen. «Es ist zwar schade, dass meine Kunstwerke dann einfach davonlaufen», sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Heute steht Mazzillo in ihrem Studio «Feel Ink» in Urdorf. Es sind ein paar weitere Tattoos dazugekommen, die sich dezent unter ihrer Haut verteilen. Am rechten Arm trägt sie ein Maori-Tattoo mit typischen Elementen wie Wellen und Haifischzähnen. Hier in ihrem Studio kann sie sich verwirklichen. «Das Studio ist ruhig gelegen, das ist gut für die Stammkunden», sagt sie. Sie bezeichnet sich als Allrounderin. «Da ich mich in verschiedenen Stilrichtungen zu Hause fühle, kann ich auf individuelle Wünsche eingehen», sagt sie. Aktuell seien Tierporträts und florale Motive sehr gefragt. Und künftig? «Ich will mich im Fotorealismus weiterentwickeln», sagt sie.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1